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Veranstaltung

Großer Aufwand für Open Air

Knapp einen Monat hatten die Veranstalter Livemacher und DS Veranstaltungstechnik Zeit, um ein dreitägiges Open Air am Kirchheimer Neckar zu organisieren. Das wäre auch ohne die ganzen Corona-Auflagen ein straffer Zeitplan gewesen. Auch wenn mehr Besucher hätten kommen können: Das Fazit der Veranstalter fällt positiv aus.

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Humor in Zeiten der Krise: „Dui do on de Sell“ auf der Bühne. Fotos: Andreas Becker
Humor in Zeiten der Krise: „Dui do on de Sell“ auf der Bühne. Foto: Andreas Becker
Spaß für Kinder: Bibi Blocksberg.
Spaß für Kinder: Bibi Blocksberg.
Auf dem Gelände: Einbahnsystem.
Auf dem Gelände: Einbahnsystem.

Kirchheim. Im Gras vor dem Einlass sind Linien aufgesprüht, die die Besucher beim Anstehen an den nötigen Abstand erinnern sollen. Auch ein Desinfektionsspender steht bereit. Der Einlass dauert etwas länger als sonst. Schließlich reicht es in Zeiten der Pandemie nicht mehr, einfach nur das Ticket vorzuzeigen. Jede Eintrittskarte ist personalisiert; die Plätze werden zugewiesen. Vor den beiden Frauen, die am Samstagmittag den Eingang kontrollieren, liegt ein weißes Brett auf dem Tisch, in dem Tickets stecken – eine Art Simulation des Areals auf der Kirchheimer Festwiese. „Das haben wir extra anfertigen lassen“, sagt der Besigheimer Marco Ziemer von der Livemacher GmbH. So gibt es einen guten Überblick über die freien und bereits besetzten Zuschauerplätze. Wer die Tickets gemeinsam erworben hat, darf zusammensitzen. Der nötige Abstand zu den Nachbarn wird mit roten Hussen markiert, die ein Mitarbeiter vor Veranstaltungsbeginn Reihe für Reihe über die Stuhllehnen zieht. Für die Veranstalter ist es wichtig, zu wissen, wer wann auf das Gelände kam und wo er gesessen hat – sollten die Behörden wegen eines Infektionsfalls die Kontaktdaten der Besucher benötigen. Deswegen dauert es beim Einlass eben etwas länger. Am ersten Tag, sagt Marco Ziemer über die Eröffnungsveranstaltung mit Dodokay, sei man wegen des Ticketsystems „fast überrollt“ worden. Deswegen habe man es für die zwei folgenden Open-Air-Tage, als das „Abba World Revival“, Bibi Blocksberg und „Dui do on de Sell“ auftraten, etwas umgestellt.

„Es ist ein Wahnsinnsaufwand“, meint Ziemer über die Freiluftveranstaltung. Die Abstände der Stuhlreihen seien mit dem Metermaß gemessen worden, zu den Plätzen geht es in einem Einbahnsystem. Doch das Wichtigste sei nun mal die Gesundheit: „Wir wollen nicht, dass etwas passiert. Deswegen betreiben wir diesen Aufwand.“ Geht es nach den Zuschauern, hat sich der Aufwand gelohnt. Der Junge, der am Samstagmittag mit seiner Mutter aufs Festivalgelände kommt, ruft sofort „das ist ja cool“. Und zwei Mädchen posieren für ein Foto vor einem „Bibi Blocksberg“-Plakat. Noch ist eine halbe Stunde Zeit, bis das Musical beginnt. Während manche bereits auf ihren Plätzen ausharren und einige ihre Regenschirme als Sonnenschutz aufspannen, ziehen andere die schattenspendenden Bäume am Neckarufer vor. Auch wenn es durch den Regen merklich abgekühlt hat: Die Sonne brennt ordentlich vom Himmel. Marco Ziemer glaubt, dass die mittägliche Uhrzeit im Sommer einige vom Besuch des Open Airs abgehalten hat. Rund 100 Leute kommen, für knapp 500 wäre Platz gewesen.

Auch Dodokay (150 Zuschauer), Abba (200) und „Dui do on de Sell“ (mehr als 250) sind nicht ausverkauft. „Dass wir damit nicht reich werden, haben wir gewusst“, sagt der Veranstalter, „aber dass wir darauflegen, war nicht unbedingt der Plan“. Nur vier Wochen Zeit, um die Werbetrommel zu rühren, ist laut Ziemer definitiv zu wenig – „aber der kurze Vorlauf ist der Situation geschuldet“. Wie berichtet, sind erst seit August wieder Veranstaltungen mit bis zu 499 Besuchern erlaubt – das war für die Organisatoren eine der Voraussetzungen, um eine Veranstaltung zu machen. Ziemer glaubt zudem, dass viele Menschen auch noch unsicher sind, was den Besuch von größeren Veranstaltungen betrifft. „Auch wenn wir nie alle Eventualitäten ausschließen können: Es ist hundertprozentig auch nicht in meinem Interesse, dass etwas passiert.“ In der jetzigen Zeit sei es wichtig, den Menschen etwas zu bieten und zu zeigen, dass es weitergehe.

„Für uns war es eine spannende Erfahrung“, sagt der Besigheimer. Zumal er selten so viel Lob und Zuspruch für eine Veranstaltung bekommen habe wie jetzt. „Die Leute waren alle sehr zufrieden.“ Und sie hätten sich sehr kooperativ gezeigt beim Einlass, „das war wirklich positiv“. So gesehen habe sich der Aufwand gelohnt.

Und: Die fest zugewiesenen Sitzplätze haben durchaus auch Vorteile. So fand eine Frau am Samstagabend ein Mobiltelefon unter einem Stuhl. Die Veranstalter konnten dank der Registrierung sehen, wer auf diesem Platz gesessen hatte – und kurz darauf kam schon ein Mann, der meinte, er habe sein Handy verloren. Nach einer kurzen Namensüberprüfung hatte er sein Telefon wieder.

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