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Jugend Musiziert

Großer Einsatz für kurzes Konzert

An diesem Wochenende messen sich fast 220 Nachwuchsmusiker beim Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“. Für einige ist es nach vielen Teilnahmen das letzte Mal, andere dagegen sind zu jung, um weiterzukommen. Aufgeregt sind aber nahezu alle.

Bei den Probekonzerten für den „Jugend musiziert“-Regionalwettbewerb: Das Schwieberdinger Bläserensemble (von links) mit Marvin Stumpf, Lenny Wertenauer, Lena Rupp und Ellen Peukert. Aus Korntal tritt Julia Grötzner an der Harfe an.Fotos: Julia Schwe
Bei den Probekonzerten für den „Jugend musiziert“-Regionalwettbewerb: Das Schwieberdinger Bläserensemble (von links) mit Marvin Stumpf, Lenny Wertenauer, Lena Rupp und Ellen Peukert. Aus Korntal tritt Julia Grötzner an der Harfe an. Foto: Julia Schweizer
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Schwieberdingen/ Ditzingen/Stuttgart. Der Einsatz stimmt – und das nicht nur während des kurzen Konzerts im Schwieberdinger Bürgerhaus. Auch schon in den Monaten zuvor. Dreimal pro Woche üben die vier jungen Männer und Frauen fleißig zusammen Saxofon, zumeist abends. „Die Schule muss man dann vielleicht mal vernachlässigen“, heißt es. Denn das aktuelle Ziel ist derzeit größer: Beim Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ an diesem Wochenende in Ditzingen will das Quartett das Ticket für den Landeswettbewerb lösen. Noch ein letztes Mal.

Denn die vier spielen in der höchsten Kategorie, die meisten sind schon alte Hasen – und das im Sinne des Wettbewerbs auch wortwörtlich. Denn Ellen Peukert, die 2011 das erste Mal überhaupt angetreten ist, ist mittlerweile 18, Lena Rupp und Marvin Stumpf nur etwas jünger – laut den Organisatoren des Regionalwettbewerbs sind lediglich 15 Prozent der Teilnehmer über 16. „Nur Lenny zieht unseren Altersschnitt nach unten“, scherzen sie über den 15-Jährigen, der aber ebenfalls schon Auftritte bei Jugend musiziert hatte. Sind sie dann überhaupt noch nervös, wenn sie heute vor die Jury – und auch die Zuhörer der öffentlichen Wertungsspiele – treten? „Ich denke, an dem Morgen sind wir das schon noch“, so die Einschätzung von Lenny Wertenauer. Und Ellen Peukert ergänzt: „Dann spielen wir die Stücke immer schneller als sonst.“

Verschiedene Epochen und Tempi

Doch am Montagabend ist von Nervosität nichts zu spüren. Nach einer kurzen Begrüßung durch ihre Lehrerin Nicole Walker, die eigens aus den Reihen der Jugendkapelle weitere Zuhörer organisiert hat („Es ist wichtig, dass so viele da sind, damit das der Wettbewerbssituation entspricht“), spielen die vier souverän ihre drei Stücke vor. Zwei Epochen müssen abgedeckt werden, zudem muss in dem zehn bis 20 Minuten dauernden Vorspiel ein langsamer Satz dabei sein, das sehen die Anforderungen vor. Walker machte ihren Schützlingen Vorschläge – unter anderem ein Klezmerstück und die „Pavane“ von Fauré – und die konnten dann darüber abstimmen. „Mir war wichtig, dass sie trotz aller Arbeit Spaß haben“, so Walker.

Und den haben auch die Mädchen, die tags zuvor in der Stuttgarter Musikschule auf der Harfe ihren Eltern vorspielen. Lehrerin Lucia Cericola lobt ihre Schützlinge, darunter auch welche aus Korntal-Münchingen. Die erst sieben Jahre alte Viola etwa sei „sehr begabt“ – weit kommen wird sie dennoch nicht. Denn das Mädchen ist für eine Weiterleitung zum Landesentscheid noch zu jung, ebenso wie Ellen Peukert bei ihrer Premiere. Ähnlich könnte es Julia Grötzner ergehen, denn für Zehnjährige wie sie gibt es beim Bundeswettbewerb noch keine Alterskategorie – das hatte 2019 auch ein Korntaler Ensemble getroffen.

Dem Ansporn tut das aber keinen Abbruch, auch wenn Julia Grötzners Vater auf die Frage, wie viel sie derzeit übe, sagt: „Sie müsste mehr üben.“ Zusätzlich zum Unterricht in der Stuttgarter Musikschule, in die sie mit dem Start im Gymnasium von der Korntaler Einrichtung her gewechselt ist. „Jeden Tag eine halbe Stunde“, so die Einschätzung der Lehrerin. Doch angesichts von mittlerweile drei Jahren Spielpraxis, seit sie sich durch ein Konzert für die Harfe begeisterte, klappt es auch so, wenngleich Julia beim Probe-Vorspiel etwas nervös ist. „Lass’ dir zwischen den Stücken etwas mehr Zeit“, rät ihr Cericola für den Wettbewerb.

Aufgaben der Jury

Die Musikerin, die in Korntal und Stuttgart unterrichtet, ist froh, dass es den Wettbewerb gibt. Die Jüngsten würden mit Preisen motiviert, und die Älteren, die weiterkommen können, hätten ein Ziel, sagt sie – und bei einem Erfolg den Ansporn, das Niveau auch zu halten. Deshalb gehe es bei der Bewertung auch nicht darum, „falsche Töne zu zählen“, sondern vielmehr zu beurteilen, ob ein Kind auch Potenzial hat und sein Instrument beherrscht, so Cericola, die regelmäßig in einer Jury für Harfe sitzt, in diesem Jahr wird sie in Radolfzell sein. Insgesamt, so ihr Eindruck, hätten durch den Wettbewerb und die Vorbereitung „alle wahnsinnige Fortschritte gemacht“, sagt sie. Und bei einem Erfolg könnte das auch die Eltern motivieren, ein eigenes Instrument anzuschaffen – vor allem ein mit rund 10.000 bis 15.000 Euro so teures wie eine Harfe.

Auch das Schwieberdinger Saxofon-Quartett spielt nicht durchweg auf eigenen Instrumenten, denn die Alt- oder Baritonvariante hat nicht jeder zu Hause. Das Einstimmen ist deshalb wichtig, kurz vor der Feuerprobe im Bürgerhaus war Nicole Walker deshalb nicht ganz zufrieden. Zu lange hatte es für ihre Ohren gedauert, bis alle den selben Ton hatten. „Die Zeit habt ihr am Wochenende nicht“, warnt sie. „Als wir heute angefangen haben, waren wir aber perfekt“, entgegnen die vier. Der Einsatz hat also auch da gestimmt.

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