Logo

Niederwild

Großer Kampf für den Feldhasen

Allianz für Niederwild und Landschafterhaltungsverband des Landkreises kümmern sich um Rebhuhn und Co.

350_0900_22244_dpa_5F98EE0007A1DA50.jpg

Steinheim/Kreis Ludwigsburg. In lila, in gold und in vielen anderen Farben hoppelt er gerade als Dekogegenstand oder Süßigkeit durch jeden Laden, auf den Feldern ist der Feldhase nicht ganz so präsent, aber immerhin gibt es ihn noch.

„Der Bestand ist konstant“, sagt der Steinheimer Jäger Volker Schiele als Vorsitzender des Hegerings Hardtwald. Wenn er auf dem Hochsitz sitze, sehe er immer mal wieder einen über die Felder spurten. In Steinheim gebe es im Otterbachtal einige, auch am Buchhof in Murr scheint sich Meister Lampe wohl zu fühlen. „Das Projekt scheint zu fruchten“, sagt er und verweist auf die landesweite „Allianz für Niederwild“. Diese ist ein Bündnis von Jägern, Naturschützern, Kommunen, Landwirten, Grundeigentümern, Behörden und Forschungseinrichtungen. Die Allianz will Offenlandarten wie Rebhuhn und Hase durch Verbesserung ihrer Lebensbedingungen fördern.

„Im Landkreis kommen Hasen fast flächendeckend vor“, bestätigt auch ein Sprecher des Landratsamtes Ludwigsburg. Die Population sei auf einem niedrigen Niveau relativ konstant beziehungsweise leicht ansteigend, berichteten die Hegegemeinschaften. In den Hasenhochburgen wurde erst im Herbst gezählt: Auf der Gemarkung Möglingen 13 Hasen pro Quadratkilometer, in Remseck sieben, im östlichen Teil Tamms sogar 18 Hasen, im westlichen Teil sechs. In Hohenhaslach wurden zehn Tiere gesichtet.

Die untere Jagdbehörde Ludwigsburg unterstützt die Bildung von Hegegemeinschaften, die den Feldhasen förderten. Der Landschaftserhaltungsverband des Landkreises hat zudem das Projekt „Lebensraumaufwertung für Rebhuhn, Feldhase und Co. im Landkreis Ludwigsburg initiiert. Hier sind auch der Kreisbauernverband und die Kreisjägervereinigung beteiligt.

Örtliche Landwirte und Jäger wurden bei fünf Informationsveranstaltungen im Kreis über das immer weiter abnehmende Vorkommen von Rebhuhn, Feldlerche, Schafstelze und Feldhase informiert. Ursachen für den Rückgang wurden thematisiert und Lösungsansätze aufgezeigt, um die Lebensraumbedingungen zu verbessern.

Solche Maßnahmen werden sogar vom Landkreis gefördert, allerdings nur in den Gebieten, die für diese Arten geeignet sind. Dazu gehören Bietigheim-Bissingen, Eberdingen, Schwieberdingen, Steinheim und Vaihingen.

Es muss sich um größere zusammenhängende Ackerbereiche handeln. Wenn Landwirte hier Buntbrachen mit der Saatmischung „Blühbrache Vielfalt“ mit 20 Sorten wie Lein, Buchweizen, Sonnenblume, Fenchel, gelber Steinklee, Wilde Möhre oder Färberkamille anlegen, die den Hasen zur Deckung und Nahrungssuche dienen, werden sie gefördert. „Auch Luzerne und Löwenzahn mag der Hase gerne“, weiß Schiele. Über einen Zeitraum von fünf Jahren werden zwölf Meter breite Brachflächen angelegt. Bislang haben neun Landwirte eine Förderung beantragt, es wurden 14 Blühbrachen mit insgesamt neun Hektar Fläche angelegt. Weitere Landwirte sollen überzeugt werden.

Generell sollen verstärkt Wildäcker, Blühstreifen und Hecken gepflanzt werden. Denn der Hase wohnt in Erdmulden, so genannten Sassen, in Äckern, wo das Getreide austreibt. Hier findet er Deckung vor Fuchs, Marder und Greifvögeln. Gerade im Frühjahr sollten Hundebesitzer deshalb ihre Tiere nicht frei in die Felder laufen lassen. „Der Feldhase bekommt zwei bis drei Mal im Jahr Junge“, sagt Schiele.

Die Jäger bejagen zudem die Feldhasen überhaupt nicht mehr, die natürlichen Fressfeinde wie Füchse dafür verstärkt, so Kreisjägermeister Peter Ulmer. „Wir gehen sehr sensibel mit den Hasen um. Treibjagden sind schon seit Jahrzehnten vorbei“, sagt er.

Früher sei der Kreis Ludwigsburg ein klassischer Landkreis für Niederwild gewesen, dieses leide aber nun unter der veränderten Bewirtschaftung der Felder, dem Flächenverbrauch durch Bautätigkeiten und auch dem Straßenverkehr. Auch die mechanische Bewirtschaftung der Felder mit großen Maschinen könne den Tod der Feldhasen bedeuten.

Autor: