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landesgartenschau

Grüne Mitte mit Langzeitwirkung

Vor 30 Jahren fand an Enz und Metter die Landesgartenschau statt. Nie zuvor und nicht danach hat sich die Stadt so stark verändert. Über 1,6 Millionen Besucher machten die Gartenschau zu einem finanziellen und städteplanerischen Erfolg. Was ist nach 30 Jahren geblieben?

Herzstück der Gartenschau ist nach wie vor der Bürgergarten. Der Spielplatz mit Rutschturm ist seit 30 Jahren die Attraktion.Fotos: Alfred Drossel
Herzstück der Gartenschau ist nach wie vor der Bürgergarten. Der Spielplatz mit Rutschturm ist seit 30 Jahren die Attraktion. Foto: Alfred Drossel
Geologischer Lehrpfad und Akademie-Natur-Info-Center: Der Lehrgarten am Wobach.
Geologischer Lehrpfad und Akademie-Natur-Info-Center: Der Lehrgarten am Wobach.
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bietigheim-bissingen. Damals war nicht abzusehen, dass die neu geschaffenen Freiräume und Grünflächen sowie das Kernstück der Grünen Mitte, der Bürgergarten, von der Bevölkerung über Jahrzehnte hinweg vielfältig genutzt werden würden. Blickt man heute an sonnigen Tagen in diesen vielbesuchten „Garten für die Bürger“, könnte man auch ohne Phänomena und Veranstaltungsbühne unterm Viadukt glauben, die Landesgartenschau fände noch immer statt.

Im Zuge der Landesgartenschau wurde das Enztal zwischen Bietigheim und Bissingen als Grüne Mitte beider Stadtteile für die stadtnahe Erholung erschlossen. Damals wurde im Enztal zwischen Enzbrücke und Viadukt ein über 16 Hektar großer Bereich mit intensiv gestalteten Grünanlagen und weitere 24 Hektar naturnaher Flusslandschaft geschaffen.

Die neugestaltete Fläche soll gleichzeitig ökologische und klimatologische Funktionen erfüllen. Insgesamt entstand ein abgestuftes Gesamtkonzept, das von den Parkanlagen des Bürgergartens über die neu geordneten Sportanlagen im Ellental bis hin zu den landschaftlich geprägten Langwiesen in Bissingen reicht. Ein fußgänger- und fahrradfreundliches Wegenetz zwischen den Stadtteilen und in die freie Landschaft ist entstanden. Das Kernstück der Grünen Mitte, der Bürgergarten, hat sich in den drei Jahrzehnten als vielbesuchter Garten mit großer Liegewiese bewährt. Aber nicht nur der Bürgergarten – früher ein hässlicher Parkplatz an der alten Bundesstraße, die damals noch über die Enzbrücke führte – auch die historischen Gärten zwischen Metter und Altstadt wurden zur Landesgartenschau 1989 gestaltet.

Im Enztal zwischen Bissingen und Bietigheim fanden im Wiesental Veränderungen statt. So wurde auf der Fläche des früheren Enzgauwerks ein großes Biotop angelegt. Alte, knorrige Kopfweiden wurden hierher verpflanzt. Sie bilden heute einen grünen Ring um ein verstecktes Naturparadies. Dieses Biotop gilt als Musterbeispiel für kommunale Landschaftspflege und Artenschutz.

Fünf Jahre vor der Eröffnung der Gartenschau wurden die ersten Baumaßnahmen eingeleitet. Die Bundesstraße wurde verlegt, zwei neue Brücken gebaut, die Enzbrücke zur Fußgängerbrücke umgewandelt. Die Stadt kaufte viele Häuser unterhalb der Felswand und in den Auwiesen und ließ sie abreißen. Der Kronenplatz wurde vom Verkehrsknotenpunkt zum Treffpunkt. Die Enzpromenade entstand. Der Enzpavillon als Haus für die Landesvertretung auf der Landesgartenschau wurde gebaut und vom Land bezahlt. Der damalige Oberbürgermeister Manfred List hatte Ministerpräsident Lothar Späth und den Landtag davon überzeugt, anstelle eines zeltartigen Pavillons ein festes Gebäude zu errichten. Heute wird der Enzpavillon von den Senioren und anderen Gruppen der Stadt genutzt.

Die zur Landesgartenschau entstandenen Grünanlagen sind bis heute erhalten geblieben und werden von der Stadtgärtnerei unterhalten: Vom pflegeintensiven Staudengarten im Bürgergarten bis hin zu den Kopfweiden entlang der Enz. Es entstand ein Spielplatz mit Spielturm und Rutsche, ein Bootsanlegesteg mit Ruder-und Tretbooten, die es bis heute gibt.

Der damalige Kämmerer und Gartenschau-Geschäftsführer, Kurt Leibbrand, erinnert sich, dass es zuerst starken Gegenwind in der Bevölkerung gegeben habe. Es habe eine Weile gedauert, bis die Bürger gemerkt hätten, dass „eine Landesgartenschau ein Glücksfall ist“. Die Bietigheim-Bissinger vergleichen bis heute alle anderen Gartenschauen im Land mit ihrer Gartenschau und kommen vielfach noch immer zu dem Schluss, dass „ihre Gartenschau“ schöner gewesen sei.

Zahlreiche Kunstobjekte im Bürgergarten und in der Stadt akzentuieren das Stadtbild. Auf der Enzbrücke, vor dem Rathaus verleihen seit der Gartenschau Pflanzkübel der Altstadt mediterranes Flair. Die Metteranlagen tragen neuerdings den Namen der amerikanischen Partnerstadt Overland Park.

Info: Am Mittwoch, 19. Juni 2019 um 14 Uhr findet ein Enztal-Spaziergang statt. Treffpunkt ist an der Langwiesenbrücke, Bissingen. Die Teilnahme an der Führung kostet pro Person 8 Euro (inklusive Kaffee und Kuchen im Café am Bürgergarten). Eine Anmeldung bei der Tourist Information ist erwünscht.

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