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Verkehrssicherheit

Gummibärchen für korrektes Parken

Patrick Stelzer kann gut mit Menschen umgehen. Mit durchaus freundlichen Worten erklärt der 42-Jährige schon mal die Rechtslage. Der Vollzugsbedienstete kann aber auch anders, Klartext eben. Insofern ist er die Idealbesetzung für eine Kampagne des Verkehrsministeriums, die mit Gummibärchen und Roten Karten zu tun hat. Unterstützt wird er von Lena Beck, Sachbearbeiterin im Ordnungsamt der Gemeinde.

Ein freundlicher Gruß für den Fahrer, der an der richtigen Stelle geparkt und eine Parkscheibe eingelegt hat: Lena Beck, Sachbearbeiterin im Ordnungsamt, klemmt Gummibärchen unter die Scheibenwischer. Fotos: Ramona Theiss
Ein freundlicher Gruß für den Fahrer, der an der richtigen Stelle geparkt und eine Parkscheibe eingelegt hat: Lena Beck, Sachbearbeiterin im Ordnungsamt, klemmt Gummibärchen unter die Scheibenwischer. Foto: Ramona Theiss

Ingersheim. Normalerweise haben Vollzugsbedienstete nur die Falschparker im Visier. Jetzt werden diejenigen, die es richtig machen, ebenfalls bedacht. Und zwar mit einer Dankeskarte samt einer aufgeklebten Minipackung Gummibärchen. „Das kommt gut an“, berichtet die 25-jährige Lena Beck. „Manche meinen auf den ersten Blick, sie haben einen Strafzettel unter dem Scheibenwischer klemmen und freuen sich, dass es ein Lob ist“, ergänzt der Vollzugsbedienstete Patrick Stelzer. „Das ist einfach eine schöne Aktion, deshalb wollten wir sie auch unbedingt umsetzen“, so Lena Beck.

Gemeint ist die Kampagne „Vorsicht..Rücksicht..Umsicht“ des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg. Ziel der Aktion: die Unfallgefahr im ruhenden Verkehr verringern. Auto geparkt, Gefahr gebannt, so denken viele. Doch sie liegen falsch. Denn im Jahr 2018 ereigneten sich in Baden-Württemberg 1745 Unfälle mit Personenschaden und weitere schwerwiegende Unfälle mit Blechschaden allein im ruhenden Verkehr. Das sind 14 Prozent mehr Unfälle als im Jahr 2015.

Patrick Stelzer nennt als Paradebeispiel das Abstellen eines Fahrzeuges gegen die Fahrtrichtung. Das Problem: Beim Herausfahren fehlt die Übersicht. Da braucht dann nur ein Radfahrer entgegenzukommen und schon ist es passiert. Kein Pardon kennt Stelzer außerdem beim Parken auf dem Gehweg, vor allem wenn es sich um den Schulweg handelt. Er gibt außerdem zu bedenken, dass Rollstuhlfahrer, ältere Menschen mit Rollator und Eltern mit Kinderwagen dann nicht mehr durchkommen.

Im Visier hat er an diesem Vormittag den Bereich vor der Volksbank in der Ortsmitte, wo jetzt gar nicht gehalten werden darf. Denn auf dem Hindenburgplatz werden gerade die Buden für den Weihnachtsmarkt am morgigen Sonntag aufgestellt. Und es sind mehr als bisher, jeder Platz wird gebraucht, das Parken ist solange untersagt. Trotzdem stellt ein Autofahrer vor der Volksbank seinen Van ab, nur schnell was erledigen und schon ist er wieder weg. Patrick Stelzer macht ihn darauf aufmerksam, dass genau hier, wo er jetzt geparkt hat, eine Bude hin muss. Der Fahrer zeigt Verständnis, die Alltagshektik hat ihn aber wohl das Verbotsschild vergessen lassen. Er gelobt Besserung. Es dauert nicht lange, da hält bereits der nächste Autofahrer. Auch er möchte nur kurz etwas in der Bank erledigen.

Die Parkplätze rund um den Hindenburgplatz werden ebenfalls für den Weihnachtsmarkt benötigt, hier müssen ein Zelt und weitere Buden hin. Da ist aber noch der dunkle Golf mit dem auswärtigen Kennzeichen. Er steht mittendrin. Herumfragen nützt wohl nichts, so die Einschätzung von Patrick Stelzer. Jetzt gibt es zunächst mal die Rote Karte, das Fahrzeug muss aber wohl noch heute „umgesetzt“ werden, wie es im Amtsdeutsch heißt. Im Klartext: Es wird zu einem öffentlichen Parkplatz geschleppt und kann dann dort abgeholt werden. Die Kosten für den Fahrzeughalter sind nicht von Pappe. „200 Euro werden da schon fällig“, sagt Stelzer.

Der 42-Jährige ist im Ort bekannt. Auch im Friseursalon, wo er schon mal fragt, ob es sich beim Falschparker vor der Tür um eine Kundin handelt. Als er jüngst beim Metzger sein Vesper holte, beklagte sich bei ihm eine Frau. Sie parke immer richtig und habe noch nie Gummibärchen bekommen. Da zückte Stelzer kurzerhand die nette Karte. Mit den beiden Rathausmitarbeitern geht es die Marktstraße hoch. Es ist ein Vormittag unter der Woche, für den Vollzugsbediensteten eine eher entspannte Zeit. Denn der richtige Stress geht für ihn erst nach Feierabend los, wenn alle nach Hause kommen. In den meisten Haushalten gibt es heutzutage mehr als ein Auto, die Straße wird da zum Abstellplatz und nicht immer geht alles mit Recht und Ordnung zu.

Während Lena Beck auf dem Parkplatz beim Bäcker Gummibärchen unter die Scheibenwischer klemmt, weil fast alle ordnungsgemäß die Parkscheibe eingelegt haben, ermahnt Stelzer einen Fahrer, der sein Auto auf dem Gehweg abgestellt hat. Nur kurz was beim Bäcker erledigen.

Zurück auf dem Hindenburgplatz ist das Wunder geschehen. Der schwarze Golf ist weg, der Weihnachtsbudenbau kann hier weitergehen und Lena Beck sowie Patrick Stelzer haben noch Büroarbeit vor sich. Denn die Überwachung des ruhenden Verkehrs ist nur eine von vielen Aufgaben. Patrick Stelzer ist außerdem als Vollstreckungsbeamter für die Kämmerei tätig. Im Klartext: Er zieht offene Steuern, Gebühren und Beiträge ein. Das erledigt er wie alles andere mit seiner freundlichen Art, aber eben auch mit der nötigen Entschlossenheit.

Info: Die Verkehrssicherheitskampagne in Ingersheim mit Gummibärchen und Roten Karten läuft noch bis Freitag, 20. Dezember.

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