Logo

Gummiband ist so rar wie Mehl, Hefe und Klopapier

Die Besigheimerin Karin Reichert näht mit ihrem Mann Mundmasken – Annika Haas, Ehrenamtskoordinatorin beim Robert-Breunig-Stift, unterstützt die Aktion

So farbenfroh kann Mundschutz sein.
So farbenfroh kann Mundschutz sein.
350_0900_25444_00518.jpg

Besigheim. Nicht nur, aber auch das momentane gemeinsame Nähen von Mundschutzmasken verbindet Karin Reichert mit ihrem Mann Karl Reichert, dem Vorsitzenden des Sozialverbands VdK Besigheim. „Wir machen das in Teamarbeit“, erzählt die Besigheimerin im Telefonat mit unserer Zeitung. „Wir sitzen zu zweit an drei Maschinen, wobei eine davon die Teile gleichzeitig schneiden und nähen kann.“

Bereits vor etwa fünf Wochen sei sie von einer Bekannten aus Prag angesprochen worden, ob sie keine Schutzmasken nähen könnte, erzählt Nähprofi Karin Reichert. „Von dort bekamen wir ein Schnittmuster, wir probierten und suchten uns das Modell aus, das am besten zu passen schien und so konnten wir schnell mit dem Nähen beginnen.“

Nachdem sie überblickt hatte, was an Material für einen Mundschutz benötigt wird, sei ihr schnell klar geworden, dass es beim „Gummiband eng“ werden könnte. Zu „normalen“ Zeiten führe sie in ihrem gleichnamigen Nähmaschinengeschäft in Besigheim „ungefähr 600 bis 1000 Meter Gummiband in den verschiedensten Ausführungen und zwar unverpackt auf Rollen“, erklärt Karin Reichert. Doch plötzlich stellt sie einen Run auf Gummiband fest. „Das ist zwischenzeitlich genauso schwierig zu bekommen wie Mehl, Hefe und Klopapier“, sagt sie. Denn es sei für sie derzeit gar nicht so einfach, das dringend benötigte Band für ihre Masken in ausreichender Menge zu besorgen. „Wir müssen täglich mehrmals auf die Bestellseiten unserer Lieferanten gehen und sobald Gummiband eingestellt wird, schlagen wir zu.“ Nicht ganz ohne Stolz erzählt sie, dass sie es geschafft habe, mehrere Meter buntes Gummiband zu bekommen. Das soll in der kommenden Woche geliefert werden.

Die ersten Mundmasken habe ihr Mann zum Selbstkostenpreis den Mitgliedern des VdK-Ortsverbands verkauft, erzählt Karin Reichert. Und über den VdK kommt der Kontakt zum Robert-Breuning-Stift (RBS) und zu Anika Haas zustande. „Ich habe von dem Projekt erfahren“, erzählt die Quartiersmanagerin und Ehrenamtskoordinatorin. Da es bei den sogenannten Mund- und Nasenabdeckungen immer wieder zu Lieferengpässen gekommen sei, habe sie eine Abfrage in ihrem Netzwerk gemacht. „Mittlerweile haben wir 27 Näherinnen und einen Näher, die ehrenamtlich tätig sind.“ 240 Schutzmasken sind beim RBS im Einsatz, die gebrauchten werden gewaschen und wieder verwendet.

Die Schutzmasken gibt in zwei Größen: eine universelle für Erwachsene und eine etwas kleinere für Kinder und Jugendliche. Die Masken sind zweilagig aus Baumwollstoff genäht; es gibt eine einfarbige und eine farbige Seite; sie sind waschbar bei 30 bis 60 Grad . „Theoretisch reicht eine Handwäsche“, erklärt Karin Reichert. Aber auch bei den Stoffen kommt es immer wieder mal zu Lieferzeiten von bis zu vier Wochen. „Und das ist lang“, meint Reichert.

Hier wiederum kommt – laut Anika Haas – Marion Pfahler, die Hobbyschneiderin der Besigheimer Studiobühne, ins Spiel. Sie habe in ihrem Fundus nachgeschaut und einiges an Stoffen vor der Tür des RBS abgegeben, erzählt Haas. Die Stoffe wurden gewaschen, gebügelt oder gemangelt und zu Schutzmasken verarbeitet. „Ich bin überwältigt“, bringt Anika Haas es auf den Punkt, „was wir – auch in Zusammenarbeit mit dem Projekt ‚Besigheim hilft’ – in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt haben.“

Autor: