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Verkehr

Gute Radautobahnen sind teuer

Die Kosten für Radschnellwege sind hoch, die Planungen gestalten sich schwierig. Trotzdem scheint es jetzt zwischen Ludwigsburg, Remseck und Waiblingen voranzugehen.

Weit und breit keine Autos in Sicht: Fahrradfahrer auf dem ersten Radschnellweg in der Region zwischen Böblingen und Stuttgart. Foto: privat
Weit und breit keine Autos in Sicht: Fahrradfahrer auf dem ersten Radschnellweg in der Region zwischen Böblingen und Stuttgart. Foto: privat

Kreis Ludwigsburg. Die Straßen in der Region sind wieder voller, die Staumeldungen im Radio erreichen so langsam die Länge eines Musikstücks. Wie praktisch wäre es jetzt, auf einem Radschnellweg den Autos und Lastwagen zu entkommen. Doch das ist in der Region derzeit nur zwischen Böblingen und Stuttgart möglich. Der regionale Planungsdirektor Thomas Kiwitt trat im jüngsten Verkehrsausschuss ebenfalls auf die Bremse. „Radschnellwege sind nicht billig zu haben“, sagte er in Stuttgart. „Und sie sind keine Angelegenheit, die mal eben schnell umgesetzt werden kann.“ Zwischen Böblingen und Stuttgart dauerte es knapp zehn Jahre.

Experten gehen davon aus, dass die Kosten für die mindestens vier Meter breiten Radautobahnen pro Kilometer zwischen 700.000 Euro und mehr als zwei Millionen Euro liegen – je nach Topographie. Wollte man in der Region ein komplettes und leistungsfähiges Netz aufbauen, wäre laut Kiwitt ein Einsatz von rund 250 Millionen Euro nötig.

31 Millionen für 15 Kilometer

In Ludwigsburg, Remseck und Waiblingen scheint das die Planer nicht abzuschrecken. In dieser Woche erreichten die drei Kommunen sowie die beiden Landratsämter Förderzusagen des Bundes und Landes über rund 1,82 Millionen Euro. Damit können die Projektpartner jetzt in die konkrete Planung einer Trasse einsteigen, die etwa 15 Kilometer lang werden soll. Die Kosten: etwa 31 Millionen Euro. Der Bund und das Land wären mit 87,5 Prozent im Boot. Für die kommunale Seite blieben demnach knapp vier Millionen Euro übrig. Der Baubeginn, so ist hinter den Kulissen zu hören, ist für 2024 angepeilt. Einen Arbeitstitel hat die Radautobahn auch schon: „RS.8“.

Der Jubel in den Kreishäusern in Ludwigsburg und Waiblingen sowie den Rathäusern ist deutlich zu vernehmen. Der Landrat Dietmar Allgaier sagt: „Wir freuen uns, dass wir gemeinsam an der Realisierung einer der ersten Radschnellwege im Land beteiligt sind.“ Der Ludwigsburger OB Matthias Knecht bezeichnet das Vorhaben als „ein hervorragendes Beispiel für nachhaltige Mobilität über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg“. Der Remsecker OB Dirk Schönberger sieht in dem Radschnellweg einen Zugewinn zu der eher touristischen Trasse entlang der Rems.

20 Prozent Radanteil angepeilt

Darüber hinaus bescheinigen Verkehrsplaner auch Routen zwischen Bietigheim-Bissingen, Tamm, Ludwigsburg und Stuttgart hohes Potenzial oder zwischen Vaihingen, Schwieberdingen und der Landeshauptstadt. Laut dem Vaihinger Landtagsabgeordneten Markus Rösler (Grüne) steht zudem Geld für den Ausbau eines Radwegs zwischen Ditzingen und Leonberg zur Verfügung. Runde Tische, an denen Vertreter der Region, der umliegenden Kreise und des Regierungspräsidiums sitzen, sollen die Pläne nun weiter vorantreiben. „Wir brauchen dringend gute und sinnvolle Ausbauten“, sagt etwa die Stuttgarter Regionalrätin Heike Schiller (Grüne).

Doch nicht nur das. Für die SPD müssen Lücken über Autobahnen geschlossen und die Zufahrten zu den Schnellwegen verbessert werden. „An diesen Stellen ist Radfahren bisher mit Stress verbunden“, sagt die Regionalrätin Jasmina Hostert.

Das Ziel hat der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bereits formuliert: 20 Prozent Radanteil bis 2030. „Das wäre eine Verdreifachung im Vergleich zu dem, was wir in der Region haben“, sagt der Planungsdirektor Kiwitt. Er prophezeit, dass der Aufbau von Radautobahnen „ein langwieriges Geschäft“ wird.

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