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Hässliche Poller verschwinden langsam

Letzter Akt zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in Ochsenbach beginnt – Protestaktionen im Ort

Die rund 200 orangefarbenen Poller in der Dorfstraße werden durch graue Poller ersetzt.Foto: Alfred Drossel
Die rund 200 orangefarbenen Poller in der Dorfstraße werden durch graue Poller ersetzt. Foto: Alfred Drossel

Sachsenheim. Als ziemlich standhaft haben sich die 212 orangefarbenen Poller in der Ochsenbacher Dorfstraße gezeigt. Doch nach drei Jahren müssen sie jetzt fallen. Als Behördenposse wurde die Maßnahme zur Verbesserung der Verkehrssicherheit landesweit bekannt.

Schon vor zwei Jahren gab es eine Besprechung mit allen Beteiligten im Landratsamt mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Poller in der Ochsenbacher Dorfstraße von jetzt 212 auf 60 reduziert wird und dass sie nicht mehr orangefarbig, sondern grau wie die Pfosten der Straßenlaternen werden.

Die bunten Poller und der Bürgerprotest von Ochsenbach hatten landesweit Aufmerksamkeit erlangt. Ziel des Protestes, bei dem rund 500 Bürger mit Plakaten und Transparenten durch die Dorfstraße gezogen sind, war allerdings, den Schwerlastverkehr aus dem Ort zu bringen. Doch der damalige Schultes Horst Fiedler winkte ab: „Ein generelles Durchfahrtsverbot für den Schwerlastverkehr ist in Ochsenbach derzeit nicht durchsetzbar“.

Das Fachwerkdorf Ochsenbach war schon einmal Landessieger beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“. Böse Zungen behaupteten nach den verunglückten Verkehrssicherheitsmaßnahmen entlang der Dorfstraße, dass der Ort nun als das verkehrssicherste Dorf Baden-Württembergs gelte. Blumenkübel störten die Verkehrswächter des Landratsamtes, die vorher am Straßenrand standen und die die Fußgänger vor dem Lastwagenverkehr schützen sollten. Die Poller mussten überfahrbar sein. Massive Stelen, beispielsweise aus Stahl, die einem Auto standhielten, sind nicht erlaubt, weil dafür der Mindestabstand zur Straße nicht gegeben ist. Die Poller sind also nicht nur in ästhetischer Hinsicht, sondern auch unter dem Aspekt der Verkehrssicherheit im Ort eher ein Reinfall. Viele meinten damals, die Bürgerinitiative habe dem Ort einen Bärendienst erwiesen. Die Initiatoren wiederum glauben, dass das Landratsamt beleidigt auf die Proteste reagiert und deswegen die schönen Kübel zu Pfostenallee umgewandelt habe.

Nach monatelangen Planungen und einer vor Corona möglichen Bürgeranhörung durch die Stadt brachte Kompromisse für die Anwohner in der Dorfstraße und in der Güglinger Straße. Teilweise war es ein Kampf um jeden einzelnen Parkplatz vor dem Haus. Das neue Park- und Sicherheitskonzept wird jetzt umgesetzt.

Und der Schwerlastverkehr: Der hat gefühlt nachgelassen, was als Folge der Coronapandemie zu werten ist. Anstatt der geforderten 30Kilometer gilt in Ochsenbach schon seit Monaten Tempo 40. Im Ort gibt es kaum mehr Proteststimmen.

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