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Handwerk plagt Nachwuchsmangel

Im Landkreis Ludwigsburg stagniert die Zahl der Unternehmen – In der Region immer weniger Meisterbetriebe

Vor allem die Zahl der Innungsbäckereien geht zurück. Foto: Daniel Karmann/dpa
Vor allem die Zahl der Innungsbäckereien geht zurück. Foto: Daniel Karmann/dpa
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Kreis Ludwigsburg. Die Zahl der Handwerksbetriebe im Landkreis Ludwigsburg tritt auf der Stelle. Laut einer aktuellen Erhebung der Handwerkskammer Region Stuttgart gab es im Jahr 2018 im Landkreis Ludwigsburg 5642 Betriebe und somit sieben weniger als im Jahr zuvor, was einem minimalen Rückgang von 0,1 Prozent entspricht. Damit gleicht die Entwicklung der im benachbarten Rems-Murr-Kreis. Auch dort sank die Zahl der Handwerksunternehmen – auch nur leicht um 0,6 Prozent auf 5299 Betriebe.

In den anderen drei Landkreisen der Region – Göppingen, Böblingen, Esslingen – und im Stadtkreis Stuttgart stieg dagegen die Zahl der Firmen. Im Landkreis Göppingen als Spitzenreiter sogar um 3,1 Prozent. Auch in der gesamten Region Stuttgart gab es ein leichtes Plus, und zwar um 1,1 Prozent auf 29.335 Betriebe.

Nicole Ackermann, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Ludwigsburg, erklärt sich die Statistik mit dem Nachwuchsmangel, der dem Handwerk schon seit Jahren zu schaffen macht. Was die Nachfolge innerhalb der Familie angehe, führe sie derzeit Beratungsgespräche mit sechs Unternehmen. Auch der Konjunkturboom und die starke Nachfrage nach Handwerksdienstleistungen habe dem Interesse von jungen Leuten an Handwerksberufen nicht gerade einen Schub gegeben. Ackermann führt dies auf die zunehmende Akademisierung der Jugendlichen zurück. Das Gründergeschehen ist ihrer Beobachtungen zufolge nicht gerade schwungvoll. Im vergangenen Jahr habe es bei der Arbeitsagentur nur einen Antrag auf einen Gründerzuschuss in der Handwerksbranche gegeben, berichtet sie. In diesem Jahr hätte es bereits drei Anfragen auf einen Gründerzuschuss gegeben und derzeit berate sie sieben potenzielle Gründer.

Den Zuwachs an Betrieben in der Region Stuttgart um 1,1 Prozent, wertet die Handwerkskammer als ein Zeichen dafür, dass die Branche Junghandwerkern durchaus Perspektiven bietet. Thomas Hoefling, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, hat allerdings Anlass zur Sorge. „Wir stellen aber auch eine gewisse Zurückhaltung fest, sich in zulassungspflichtigen Gewerken mit der entsprechenden Qualifikation selbstständig zu machen – deshalb gehen die sogenannten Meisterbetriebe immer mehr zurück“, erklärt er. Der Statistik der Kammer zufolge sank die Zahl der zulassungspflichtigen Betriebe um 202. Den Rückgang um 1,1 Prozent hätten allerdings die hohen Zugangszahlen im zulassungsfreien Bereich um 431 (Zuwachs 6,5 Prozent) und bei den handwerksähnlichen Betrieben um 83 (Zuwachs 1,1 Prozent) kompensiert. Das sieht Hoefling kritisch. „Unserer Erfahrung nach sinkt dadurch die Qualität im Handwerk.“ Vor allem beim Bäcker- und Fleischerhandwerk gibt es laut der Kammer immer weniger Betriebe. Der Grund sei unter anderem der Preisdruck durch Discounter.

Im Kreis Ludwigsburg gab es 2018 nur noch 41 Innungsbäckereien – 16 Prozent weniger als noch 2013. Die Zahl der Innungsmetzgereien sank innerhalb von 25 Jahren von 130 auf 40 Betriebe. Laut Zentralverband des deutschen Handwerks waren 2008 bundesweit 15.330 Bäckereien in der Handwerksrolle eingetragen, Ende 2018 waren es noch 10.920. Die Zahl der Metzgereien verringerte sich im selben Zeitraum von 18.320 auf 12.897.

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