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Veranstaltungen
Harte Zeiten für die Besigheimer Kulturschaffenden

Foto: WoGi /Stock.adobe.com
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Die Kultur trotz Pandemie am Leben halten: Das ist es, was viele aus der Veranstaltungsbranche antreibt, auch in Zeiten, in denen sich kaum verlässlich die nächsten Monate planen lassen, ein Programm auf die Beine zu stellen. Das Beispiel von der Besigheimer Veranstaltungsreihe „Neckar-Enz-Kulturevents“ zeigt, wie schwierig die Situation ist.

Besigheim. Wenn sich der Besigheimer Verwaltungsausschuss des Gemeinderats mit dem städtischen Kulturprogramm der Reihe „Neckar-Enz-Kulturevents“ befasst, ist meist von vielen ausverkauften Veranstaltungen, großer Nachfrage und einer gelungenen Kooperation die Rede. Letzteres ist im Gremium immer noch Konsens. Doch von hohen Besucherzahlen und einem großen Programm war bei den Saisons 2020 und 2021 nicht mehr die Rede. „Wegen Corona mussten viele Veranstaltungen, auch kurzfristig, abgesagt werden“, sagte Kulturamtsleiterin Anette Walz am Dienstagabend im Verwaltungsausschuss. Gerade einmal drei Veranstaltungen hat es im vergangenen Jahr gegeben: Im September trat Willy Astor in der Stadthalle auf, im Oktober die Band Füenf. Hämmerle und Fola Dada gastierten im Dezember in Ottmarsheim – erstmals fand dort eine Veranstaltung im Zuge von „Neckar-Enz-Kulturevents“ statt; laut Walz soll es nicht das letzte Mal gewesen sein. Insgesamt nicht einmal 700 Besucherinnen und Besucher sind zu den drei Auftritten gekommen.

„Schwere Prüfung für die Branche“

Die Zurückhaltung und Verunsicherung des Publikums in Pandemiezeiten ist zwar durchaus nachvollziehbar, macht es den Veranstaltern aber schwer. „Es ist eine ganz schwere Prüfung für die Branche, das zu überstehen und zu überleben“, sagt Marco Ziemer, der sich mit Edgar Braune um die städtische Veranstaltungsreihe kümmert. Er ist sich sicher, dass es viele nicht schaffen, diese lange Durststrecke zu überwinden. Was die Förderung vom Bund betrifft, so würde hier nur ein Teil der Kosten übernommen. Für „Neckar-Enz-Kulturevents“, das sich vor einigen Jahren mit zwei weiteren Firmen zur Livemacher GmbH zusammengeschlossen hat, sieht er allerdings nicht ganz so schwarz: „Wir werden das sicher überstehen. Doch es bleibt viel verbrannte Erde zurück.“

Hygienekonzept und Kulanz

Für die Veranstalter gehe es jetzt darum, die Kultur am Leben zu halten. „Wir haben große Sorge, dass so etwas ausstirbt.“ Zwar denke er, dass sich die Gesamtsituation früher oder später wieder normalisieren werde – vielmehr noch: müsse. Aber „ob die Leute dann noch bereit sind, Veranstaltungen zu besuchen, wissen wir nicht“. Deswegen sei es wichtig, diejenigen, die jetzt noch zu den Shows kommen, nicht zu verunsichern und zu verärgern. Ersteres soll mit einem strikten Hygienekonzept gelingen, „wir halten uns an alle Vorgaben“. Zweiteres soll auch mit Kulanz erreicht werden, die den Veranstaltern allerdings finanziell einiges abverlangt. So sei man eigentlich nicht verpflichtet, das Geld für ein bereits gekauftes Ticket komplett zurückzuerstatten. Aber man mache das in der Hoffnung, die Kunden zu halten. Ziemer: „Ich hoffe, dass die Leute das honorieren und dann wieder eine Veranstaltung von uns besuchen.“ Jedes zurückgegebene Ticket koste die Veranstalter richtig Geld, „wir legen bei jeder Rückgabe drauf: Wir zahlen die System- und Vorverkaufsgebühren aus eigener Tasche“.

Hoffnung auf bessere Zeiten

Auch die Veranstaltungen, die momentan stattfänden, seien ein „Drauflege-Geschäft“: Die Kosten bleiben gleich, etwa für Künstlerhonorar und Technik, die Zuschauerkapazitäten sind wegen der Hygienevorgaben aber deutlich niedriger als früher. Und dann muss durch die Nachholtermine doppelt in die Werbung investiert werden. Plakate und Flyer für den ersten Auftritt waren bereits aufgehängt und verteilt, jetzt muss das ganze für den Nachholtermin erneut organisiert und bezahlt werden; „das können wir bei keiner Veranstaltung mehr reinholen“, meint Marco Ziemer. Das Geld wieder reinzuspielen, sei aktuell ein großes Problem. Dennoch: Er hat die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht verloren, auf eine Branche, die sich einigermaßen erholt, und auf Veranstaltungen, die sich finanziell wieder lohnen – „wenn das so wäre, hätten wir schon längst aufhören müssen“.

Info: Auch wenn die Prognosen schwierig sind, so haben die Veranstalter von Neckar-Enz-Kulturevents bereits sieben Termine festgelegt, die in diesem Jahr in der Besigheimer Stadthalle Alte Kelter stattfinden sollen. Den Auftakt macht das „Physik-Event“ am Sonntag, 23. Januar. Es ist ein Nachholtermin von 2020. Wie Marco Ziemer sagt, sei die Show ausverkauft. Mit Kinderprogramm geht es am 26. März weiter, dann gastiert „Ritter Rost“ in der Stadthalle. Ebenfalls vor allem für junge Zuschauerinnen und Zuschauer ist das Gastspiel von „Bibi Blocksberg“ am 18. April. Auch hier handelt es sich um einen Nachholtermin – genau wie beim Auftritt von Bernd Stelter am 23. April. Der Comedian Dodokay wird am 24. September in Besigheim auftreten, Django Asül am 29. Oktober. Zum Abschluss ist am 25. November ein Konzert von Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle geplant, auch das ist ein Nachholtermin. Wie Ziemer sagt, wird überlegt, im Sommer wieder ein Open Air zu veranstalten, ein Termin stehe aber noch nicht fest. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.livemacher.de