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Umwelt

Hochwasserschutz bleibt gesetzt

Zehn Jahre nach der verheerenden Glemsflut beginnen in Schwieberdingen die Bauarbeiten für einen neuen Staukanal

Platz an der Sonne: Ein Graureiher an der Glems bei Schwieberdingen. Archivfotos: Oliver Bürkle, Andreas Becker
Platz an der Sonne: Ein Graureiher an der Glems bei Schwieberdingen. Foto: Oliver Bürkle, Andreas Becker

Schwieberdingen. Ornithologen und Landschaftsökologen sind an der Glems in Schwieberdingen in den vergangenen Jahren auf ihre Kosten gekommen. Sie haben Grünspechte, Schwarzmilane und Turmfalken gezählt oder Fledermäuse, Haussperlinge und Zauneidechsen beobachtet. Die schattigen Auenwälder am Ufer bieten zahlreichen Arten offenbar schöne Brutplätze. Der CDU-Fraktionschef Dieter Rommel sagte nach einem Vortrag eines Experten einmal erstaunt: „Es ist toll, wie idyllisch Schwieberdingen sein kann.“

Für die Kommunalpolitik und ihren Versuch, zehn Jahre nach dem großen Glemshochwasser für Schutzbauwerke zu sorgen, hat sich das Schwieberdinger Idyll eher als hinderlich und nervenzehrend herausgestellt. Der FDP-Fraktionschef und stellvertretende Bürgermeister Markus Josenhans etwa verdreht heute noch die Augen, wenn er an die zahllosen Behördengänge und Umweltgesichtspunkte denkt, die die Gemeinde erledigen und berücksichtigen musste. Der Bürgermeister Nico Lauxmann sagt: „Wir greifen eben in ein hochwertiges Schutzgebiet ein.“

Jetzt werden noch Bäume gefällt

Im Coronafrühjahr 2020 scheinen die Hindernisse nun aus dem Weg geräumt zu sein. In seiner jüngsten Sitzung stimmte der Schwieberdinger Gemeinderat für die Herstellung eines Staukanals und eines neuen Regenüberlaufs an der Vaihinger Straße – und die Vergabe der Bauarbeiten an ein Göppinger Unternehmen. Die Kosten betragen rund 4,2 Millionen Euro und liegen damit etwas über der veranschlagten Summe von rund 3,9 Millionen Euro. Das stört in Schwieberdingen aber kaum einen mehr. Der SPD-Fraktionschef Lutz Enzensperger: „Ich bin erleichtert, dass wir jetzt einen Knopf an die Angelegenheit machen können.“ Die Freie Wählerin Anita Sippel zeigte sich nach eigenen Angaben froh über die Entscheidung.

Tatsächlich sind die Glemsfluten aus den Jahren 2009 und 2010 vielen Schwieberdingern immer noch in lebhafter Erinnerung. Im Kampf gegen das Wasser hat sich die Gemeinde mittlerweile mit den anderen Glemsanrainern wie Markgröningen, Ditzingen oder Korntal-Münchingen zusammengeschlossen.

Mit dem Beginn der Bauarbeiten für den Staukanal ist laut Bauamtsleiter Ulrich Wemmer im kommenden Juni zu rechnen. „Zur Produktion der Betonfertigteile benötigt der Hersteller noch einen Vorlauf“, sagte Wemmer im Gemeinderat. Dazu sind noch Baumfällarbeiten an der Reihe. „Wir haben positive Rückmeldungen der betroffenen Eigentümer eingeholt“, versichert der Bürgermeister Lauxmann. Im August 2021 könnte das Bauwerk fertiggestellt sein und nach mehr als dreijähriger Vorarbeit in Betrieb genommen werden.

Das Projekt wird nicht das einzige an der Glems bleiben. Insgesamt hat Schwieberdingen ein mehr als sechs Millionen Euro teures Paket geschnürt, das auch noch vorsieht, den Glemsgehweg am Rathaus zu erhöhen, um so einen kleinen Damm zu bekommen. Das würde laut Lauxmann auch die Aufenthaltsqualität am Bach erhöhen. Dazu sollen Blocksteinmauern, Schutzwände, mobile Dammelemente und ein Naturerlebnisraum kommen. Der Stuttgarter Regionalverband gibt rund 310 000 Euro dazu.

Das Virus und seine Auswirkungen auf die kommunalen Haushalte sollen den Hochwasserschutz an der Glems nicht mehr aufhalten, so Lauxmann gegenüber unserer Zeitung. Zwar schwor er seinen Gemeinderat bereits auf Entbehrungen und Verzögerungen während der Pandemie ein. Zwei Projekte bleiben für ihn allerdings gesetzt: die Gemeinde vor möglichen Fluten zu schützen – und die Gemeinschaftsschule, an der auch der Nachbar Hemmingen beteiligt ist, zu modernisieren und zu vergrößern.

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