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KlinikFinanzen

Hoffnungsschimmer am Nikolaustag

Die Nikolaus-Überraschung ereilte den Klinikenchef am Mittag – am Nachmittag brachte Professor Jörg Martin sie gleich in den Kreistag mit: Die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim – kurz KLB – und ihr Mutterkonzern RKH erhalten 2020 deutlich mehr Geld von den Krankenkassen als erwartet. Damit lässt sich das befürchtete Defizit von 650 000 Euro möglicherweise vermeiden.

Wo noch der Hubschrauber landet, soll jetzt am Bietigheimer Krankenhaus eine Klinik für Altersmedizin entstehen. Archivfoto: Alfred Drossel
Wo noch der Hubschrauber landet, soll jetzt am Bietigheimer Krankenhaus eine Klinik für Altersmedizin entstehen. Foto: Alfred Drossel

Kreis Ludwigsburg. Noch bei Martins Pressekonferenz am späten Vormittag war vor allem von den Unwägbarkeiten und Risiken die Rede, die noch wie dunkle Wolken über den Planzahlen für 2020 hängen. Für die dunkelste Wolke ist dabei laut Martin, der die Geschäfte sowohl von KLB als auch von RKH führt, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verantwortlich. Der plant, die Vergütung der Pflege neu zu ordnen, ist die Details aber weiter schuldig. Die Krankenhäuser wissen daher noch nicht, ob sie künftig ihren gesamten Pflegeaufwand bezahlt bekommen – einschließlich der Löhne von Hilfskräften und Pflegeschülern – oder nur die Personalkosten für gelernte Fachkräfte. Das bedeutet allein für die KLB-Häuser in Ludwigsburg, Bietigheim-Vaihingen und Marbach eine Schwankungsbreite von über acht Millionen Euro.

Hinzu kommen – als zweites millionenschweres Risiko – neue Prüfungen der Krankenhäuser durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen, der nach RKH-Erwartungen in fast 50 Prozent der Fälle zu lange Liegezeiten bemängeln wird. Konsequenz: Die Kreis-Kliniken müssten bis zu zwei Millionen Euro Strafe bezahlen – oder Patienten früher entlassen. Das aber gehe in vielen Fällen nicht, sagt Kliniken-Chef Martin: Es gebe genug Patienten, die zwar austherapiert seien, die man aber nicht einfach nach Hause schicken könne und für die man erst einen oder zwei Tage später einen Reha-Platz habe. Für Olaf Sporys, den Geschäftsführer der Orthopädischen Klinik Markgröningen, liegen „blutige Entlassungen“ von Patienten in der Konsequenz dieser von den Kassen geforderten Sparpolitik.

Gute zwei Stunden später hatten die Krankenkassen aber nach Knecht Ruprecht auch den Nikolaus in die RKH-Zentrale in der Ludwigsburger Erlachhofstraße geschickt: Der RKH-Konzern erhält nach den Verhandlungen über den sogenannten Landesbasisfallwert überschlägig vier bis fünf Millionen Euro mehr als geplant, von denen mindestens zwei Millionen auf die Klinken im Kreis Ludwigsburg entfallen. Für die KLB wird damit 2020 nicht nur ein höheres Defizit als die geplanten 650 000 Euro denkbar, auch die vielzitierte schwarze Null scheint plötzlich durchaus denkbar. Fürs laufende Jahr besteht solche Hoffnung freilich nicht mehr: Ein Minus von 700 000 Euro war geplant, tatsächlich werden es sogar 2,3 Millionen sein, vor allem wegen des bundespolitisch gewollten Fixkostendegressionsabschlags.

Dabei ist zu beachten: Im laufenden Geschäft erwirtschaften die beiden großen Häuser in Ludwigsburg und Bietigheim weiter schwarze Zahlen – trotz der kräftigen Zuschüsse des Landkreises entstehen die Defizite nur durch die beträchtlichen Investitionen der KLB. Doch die sind auch nötig, soll Martins Kurs, Baden-Württembergs größten kommunalen Krankenhausträger auch medizinisch dauerhaft einen Spitzenplatz zu sichern, gehalten werden. Ausbau zum voll integrierten und gut vernetzten Gesundheitsanbieter durch Digitalisierung, aktive Personalpolitik und Höchstleistungsmedizin auf dem Niveau einer Uniklinik sind hier nur einige Stichworte. Bis 2023 will die KLB 241 Millionen in ihre Zukunft investieren, allein nächstes Jahr sollen es 73 Millionen Euro sein.

Der Löwenanteil des Geldes fließt weiter ins größte Haus, das Ludwigsburger Klinikum. Teuer wird aber auch der Aufbau der Altersmedizin in Bietigheim, wo die Bettenzahl mit dem Neubau von 395 auf 480 steigen wird. Längst startklar ist die KLB laut Martin und Landrat Rainer Haas auch in Marbach: Sobald die Stadt in die Puschen komme, könne der Umbau des dortigen Krankenhauses zu einem modernen Campus mit unter anderem zwei Gesundheitszentren, einer privaten psychiatrischen Klinik und einem Pflegehotel beginnen. Dort sollen auch Patienten, die sonst keiner weiteren Behandlung mehr bedürfen, für die Reha fit gemacht werden.

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