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Hohenasperg soll zum Paradies für Wildbienen werden

Staatssekretärin Gisela Splett informiert sich über Naturschutzprojekt auf dem Hohenasperg – Vielfältige Flora und Fauna auf Demokratenhügel

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Franz-Joseph Obergföll von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises erklärt Trockenmauern. Es lauschen unter anderen: Finanz-Staatssekretärin Gisela Splett, der Asperger Landesparlamentarier Jürgen Walter, Kreis-Umweltdezernent Dr. Christian Sußner, Fritz Müller vom Förderverein Hohenasperg und Grünen-Stadtrat Michael Klumpp. Foto: Holm Wolschendorf

ASPERG. Auf dem Hohenasperg saß in den vergangenen Jahrhunderten nicht nur die schwäbische Intelligenz ein, auf den terrassierten Steillagen entwickelte sich auch eine vielfältige Flora und Fauna. So ist es bis zum heutigen Tag geblieben. 180 Blütenpflanzen wachsen auf dem markanten Hügel, sagt Josef Obergföll von der Naturschutzbehörde des Landratsamts Ludwigsburg. 18 davon, etwa die Edelgarbe, der Sandmohn oder die Weinberghyazinthe, stünden auf der Roten Liste. Und die Trockenmauern böten ideale Rückzugsräume für Mauer- und Zauneidechsen sowie die Schlingnatter, Amphibien und seltene Schneckenarten wie die besonders streng geschützte Weinbergschnecke.

„Die Vielfalt des Weinbergs ist hier in vollem Umfang vertreten“, meint Obergföll, als am Freitagnachmittag Gisela Splett, Staatssekretärin im Stuttgarter Finanzministerium, auf einer Stippvisite auf dem Hohenasperg vorbeischaut. Angekündigt war auch ihr Kollege Andre Baumann aus dem Umweltministerium. Doch der Zug des Staatssekretärs, so ist zu hören, sei liegengeblieben.

Splett informiert sich über ein Naturschurschutzprojekt des Landkreises, das Obergföll als „Wildbienenparadies“ bezeichnet. Bereits 2015 hatte die Naturschutzbehörde des Landratsamts einen Antrag auf Fördergeld in Höhe von 500 000 Euro bei der im Umweltministerium angesiedelten Stiftung Naturschutzfonds eingereicht. Dieser Antrag sei auch bewilligt worden, erzählt Obergföll. Doch die Fördermittel fließen noch nicht, weil sich der Grundstückserwerb verzögert hat. Vorgesehen ist der Erwerb von sieben Parzellen am Schwitzgässle, nach dem Grundstückskauf könnte das Wildbienenparadies auf einer Fläche von rund 500 Quadratmetern entstehen.

Sanierte Trockenmauern – Obergföll hat im Förderantrag Kosten von 800 Euro pro Quadratmeter angesetzt – und die von Brombeerhecken und anderem Gestrüpp befreiten Steillagen sollen den Wildbienen optimale Lebensbedingungen bieten. „Die Wildbienen brauchen Mauern, offene Stellen und Baustoffe wie Wolle und Pflanzenfasern“, erläutert Obergföll. Stellwände aus Lehm sollen die natürlichen Gegebenheiten ergänzen.

Auch das Land ist involviert. Denn der Landesbetrieb Vermögen und Bau, der für die landeseigenen Gebäude und Liegenschaften zuständig ist, soll den Grunderwerb übernehmen. Deshalb will sich Staatssekretärin Splett vor Ort einen Überblick verschaffen. Vermögen und Bau zeige sich grundsätzlich willig, so die Staatssekretärin, der Grunderwerb sei gar nicht das Problem. „Die Frage ist, welche Folgekosten entstehen.“ Insbesondere die Verkehrssicherungspflicht entlang der Trockenmauern könnten zu einer teuren Angelegenheit werden, deshalb hält sich der Landesbetrieb bislang zugedeckt.

Der Landkreis will die Sache jetzt vorantreiben: Der Ausschuss für Umwelt und Technik des Kreistags hat im Frühjahr 30 000 Euro bereitgestellt, um die sieben Parzellen freizulegen. „Entkusseln“ nennen Fachleute das Entfernen von Brombeehrhecken und anderem Gestrüpp. Die Arbeiten, die laut Obergföll für lediglich 11 000 Euro vergeben werden konnten, sollen am 12. Oktober beginnen und nach einer Woche abgeschlossen sein. „Erst dann kann Vermögen und Bau eine Kostenschätzung liefern“, sagt die Staatssekretärin.

Der Landtagsabgeordnete Jürgen Walter jedenfalls zeigt sich zuversichtlich, dass Land und Kreisbehörde zu einer Einigung kommen werden. Er wolle in Stuttgart weiter für das Projekt werben. „Immerhin handelt es sich beim Hohenasperg um ein einzigartiges Kulturdenkmal und die einzige Steillage, die von Albrecht Dürer gemalt wurde“, sagt der Abgeordnete.