Logo

Untersuchung

Im deutschen Süden sitzt das Geld

Studie der Böckler-Stiftung offenbart große regionale Einkommensunterschiede – Kreis Ludwigsburg sehr wohlhabend

350_0900_22260_Deutschland.jpg

Düsseldorf/Ludwigsburg.. Die verfügbaren Einkommen in Deutschland sind seit dem Jahr 2000 im Schnitt um 12,3 Prozent gestiegen. Allerdings gibt es erhebliche regionale Unterschiede, wie eine aktuelle Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt. Nachfolgend die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.

..Welche Einkommen sind berücksichtigt?

Unter dem verfügbaren Einkommen versteht man alle Einkünfte abzüglich Steuern und Sozialabgaben. Erfasst sind nicht nur Löhne und Gehälter, sondern auch Renten und staatliche Transfers wie etwa Hartz IV und Wohngeld sowie Zinseinkünfte oder Erlöse aus Vermietung und Verpachtung. Pro Person standen den Deutschen auf Datenbasis 2016 demnach im Jahr 21.952 Euro zur Verfügung. Real, also nach Abzug der Preissteigerungen, hatten sie damit 12,3 Prozent mehr in der Tasche als noch im Jahr 2000.

..Wer bekommt am meisten?

Ein Blick auf die insgesamt 401 deutschen Landkreise und kreisfreien Städte zeigt: Am wohlhabendsten sind die Menschen im Kreis Starnberg bei München mit einem verfügbaren Einkommen von durchschnittlich 34.987 Euro pro Person. Weit über dem allgemeinen Niveau liegen auch die Stadt Heilbronn (32.366 Euro) sowie der Hochtaunuskreis (31.612 Euro). Damit übersteigen die Pro-Kopf-Einkünfte in den drei genannten Regionen sogar die des reichen Nachbarlandes Luxemburg (30.600 Euro).

..Wie ist die Situation in Baden-Württemberg?

Der Südwesten zählt bundesweit zu den reichsten Ländern. Das Pro-Kopf-Einkommen der Privathaushalte lag hier bei 23.947 Euro. Mehr Geld hatten nur die Einwohner von Bayern (24.026 Euro) und im Stadtstaat Hamburg (24.421 Euro) zur Verfügung. Klarer Spitzenreiter im Land ist Heilbronn. Ein Grund für die wohlhabenden Heilbronner dürften große Firmen im Umland wie Audi, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland und der IT-Dienstleister Bechtle sein. Zudem wohnen wohlhabende Unternehmer wie der Lidl-Gründer und Milliardär Dieter Schwarz, dessen Vermögen vom US-Magazin Forbes auf 21 Milliarden Euro geschätzt wird, in Heilbronn. Zu den wohlhabenden Kreisen und Stadtkreisen zählen auch Baden-Baden (29.565 Euro), das im Land die höchste Millionärsdichte verzeichnen kann. Aber auch die Einwohner im Bodenseekreis (25.728 Euro) sowie in den Landkreisen Lörrach (25.461 Euro) und Tuttlingen (25.338 Euro) gehören zu den Wohlhabenden im Land.

..Wie steht es um die Region Stuttgart und den Kreis Ludwigsburg?

Die Region Stuttgart mit seinen fünf Landkreisen und dem Stadtkreis Stuttgart liegt mit 24.713 Euro Pro-Kopf-Einkommen deutlich über dem Schnitt des Landes (23.947 Euro) sowie des Bundes (21.952). Den Spitzenplatz in der Region hat dabei der Kreis Ludwigsburg mit 25.231 Euro noch vor Stuttgart (25.012 Euro). Dahiner rangieren Esslingen (24.908 Euro), Rems-Murr-Kreis (24.638 Euro), Böblingen (24.507 Euro) und Göppingen (23.985 Euro). Im landesweiten Vergleich kommt der Kreis Ludwigsburg auf Platz 6.

.Wo ist eher die Armut zu Hause?

Schlusslicht im Einkünfte-Ranking ist Gelsenkirchen in Nordrhein-Westfalen. Dort beläuft sich das Pro-Kopf-Einkommen nur auf 16.203 Euro. Das ist nicht einmal halb so viel wie im Landkreis Starnberg. Auf ebenfalls weniger als die Hälfte des Starnberger Niveaus kommen die Bürger in Frankfurt/Oder (17.381 Euro) sowie in Halle an der Saale (17.218 Euro). Neben Teilen des Ruhrgebiets, Niedersachsens und des Saarlandes liegt der gesamte Osten knapp 30 Jahre nach der Wende bei den Einkommen immer noch deutlich zurück.

..Wie hat sich die Lage im Osten entwickelt?

Zwar sind die verfügbaren Einkommen in den neuen Ländern seit dem Jahr 2000 etwas stärker gewachsen als in den alten Bundesländern. Zu beachten ist hier aber das deutlich niedrigere Ausgangsniveau. Lag das Pro-Kopf-Einkommen zur Jahrtausendwende bei 81,5 Prozent des Westniveaus, so waren es 2016 knapp 85 Prozent. Von den 77 Kreisen im Osten erreichen nur sechs die Marke von wenigstens 20.000 Euro Jahreseinkommen pro Kopf.

...Was gilt für die Großstädte?

Auch hier ist die Lage regional sehr unterschiedlich. Unter den 15 größten Metropolen in Deutschland hat München die Nase vorn. Dort verfügen die Privathaushalte über 29.685 Euro pro Kopf. Es folgen Stuttgart (25.012 Euro) und Düsseldorf (24.882 Euro). Am anderen Ende der Skala rangiert Duisburg mit 16.881 Euro. Davor platziert haben sich Dresden und Leipzig mit 18.922 beziehungsweise 17.770 Euro. Insgesamt liegen die 15 Großstädte etwas über dem Bundesdurchschnitt, wobei der Einkommenszuwachs seit 2000 dort aber deutlich schwächer war.

..Was sagen Experten?

Für den Studienautor Eric Seils überraschend sind vor allem die noch großen Ost-West-Unterschiede. „Hier wirkt die Deindustrialisierung nach dem Mauerfall weiter nach“, meinte er. Trotz aller Bemühungen des Staates zur Angleichung der Lebensverhältnisse sei man von diesem verfassungsmäßigen Gebot in Deutschland weit entfernt. Mit Blick auf die Großstädte gab Co-Autor Helge Baumann zu bedenken, dass sie insgesamt schon auf einem hohen Einkommensniveau seien. „Allein wegen der sehr hohen Mieten in München hat dort aber ein Euro streng genommen weniger Kaufkraft als etwa in Ostfriesland“, erklärte Baumann.

Autor: