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Naturpädagogik

Im Wald warten wilde Abenteuer

Der Wald tut den Menschen gut: Die Luft riecht würzig, das Licht schimmert milde, und an heißen Sommertagen spendet das dichte Blätterdach der Bäume Schatten. Schüler der Astrid-Lindgren-Schule in Erdmannhausen haben jetzt im Hardtwald wilde Abenteuer erlebt.

Wie bekomme ich ein Feuer ohne moderne Hilfsmittel an? Woraus baue ich mir im Wald einen Unterschlupf? Was sagt mir die Fährte eines Tieres? Mit diesen Fragen haben sich die Mädchen und Jungen der Klasse 3.a zwei Tage lang beschäftigt. Begleitet und angeleitet wurden sie von der Wildnispädagogin Sabine Rücker von der Naturschule Wildniswandern mit Sitz in Tübingen und ihrer Klassenlehrerin Claudia Marczynski.

„Am ersten Tag haben wir geschnitzt und Laubhütten gebaut“, erzählt Sabine Rücker. Außerdem ging es zu einem nahegelegenen Bachlauf: Mithilfe einer Becherlupe wurden dort kleine Wassertiere, wie die Larven der Steinfliege, untersucht. Am zweiten Tag steht das Thema Feuer im Mittelpunkt. Natürlich ist das im Wald verboten, auf den eigens dafür ausgewiesenen Grillplätzen aber erlaubt. Dort sollen an diesem Tag vier kleine Feuertipis entstehen. Auf einer Skizze, die die Wildnispädagogin mit dabei hat, ist zu sehen, wie diese aussehen sollen.

Sabine Rücker stimmt lautes Wolfsgeheul ein, die Kinder stimmen ein. Das ist das Zeichen dafür, dass sich alle an einer bestimmten Stelle im Wald, dem Lagerplatz, treffen sollen. Außerdem sind die 28 Kinder in Gruppen, sogenannte Clans, aufgeteilt worden. In der Mitte sind die Holzmesser kreisförmig angeordnet worden, die die Kinder am Vortag geschnitzt haben.

Kaum ist der Gong verklungen, den die Wildnispädagogin einer Klangschale entlockt hat, ist es mucksmäuschenstill. Sie erklärt ihren kleinen Zuhörern die nächste Aufgabe: Die Kinder sollen im Wald nach Brennmaterial suchen. „Sammelt nur das feinste und trockenste Material, das ihr finden könnt“, so Sabine Rücker. „Alles, was grün ist, eignet sich nicht als Brennmaterial“, erklärt die Expertin.

Später werden die Kinder ihre Fundstücke präsentieren: Feine Äste, Fichtenzapfen und trockene Blätter gehören dazu. An einem der Zapfen, die die Kinder gesammelt haben, sind Fraßspuren deutlich zu erkennen. Vermutlich hat eine Maus daran geknabbert. Die hatte es vermutlich auf die Samen abgesehen, die sich in dem Zapfen befinden, erklärt Sabine Rücker.

„Es ist schön für die Kinder, hier draußen in der Natur Gemeinschaft zu erleben“, findet Claudia Marczynski. „Sie sind total motiviert und begeistert“, hat die Lehrerin beobachtet. Die Schüler einer Parallelklasse absolvieren an den beiden Tagen ein ähnliches Programm mit der Wildnispädagogin Sandra Jakobi. Auch sie macht die Schüler auf spielerische Weise mit Naturzusammenhängen vertraut und mit dem Wissen der Naturvölker vertraut.

Die beiden Frauen lassen den Kindern dabei Raum, ihre eigenen Entdeckungen zu machen und Dinge zu machen, die sie vorher nicht gekannt haben. „Wir haben Brennnesseln gegessen, man muss sie nur richtig anfassen“, erzählt die neunjährige Finja, die außerdem mit großer Begeisterung geschnitzt hat. Auch die gleichaltrige Maya hat das Schnitzen am meisten beeindruckt.

Bei realen Gefahren kennen die beiden Frauen übrigens kein Pardon: Die Kinder haben erfahren, dass sie um Eichenprozessionsspinner, die sich auch an einigen Stellen im Wald befinden, einen großen Bogen machen sollen. Auch für das Schnitzen gelten ganz bestimmte Regeln, und beim Umgang mit Feuer ist Vorsicht geboten.

„Ötzibesteck“ nennt Sabine Rücker ihre Utensilien, die sie in einem Lederbeutel aufbewahrt. Ein Feuerstein und ein Zunderschwamm gehören dazu. Bei dem Zunderschwamm handelt es sich übrigens um einen Pilz, der sich vor allem an der Rinde bereits geschwächter Laubbäume ansiedelt. Für alle Fälle hat sie aber auch Streichhölzer dabei, mit denen die Kinder unter Aufsicht die Glut in ihrem Feuertipi entzünden dürfen. Nur Feuerzeuge sind tabu. In der Glut des Feuers werden anschließend Löffel gebrannt. Glutbrennen ist eine alte Methode, mit der Gefäße und Löffel unterschiedlichster Größe aus Holz hergestellt werden.

Es stehen aber auch viele Spiele auf dem Programm, bei denen die Natur, die Kreativität, die Fantasie und Abenteuer im Mittelpunkt stehen. Eine Playstation vermisst an diesen beiden Tagen wohl keines der 28 Kinder der Astrid-Lindgren-Schule.

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