Logo

Training im Lockdown

Im Wettbewerb für die Fitness

Kein Training, keine Spiele: Die Coronapandemie bremst auch den Jugendfußball aus. Da braucht es gewitzte und ideenreiche Übungsleiter, um die jungen Kicker bei der Stange zu halten. So wie im Kreis Ludwigsburg: Dort sind derzeit bei zwei Teams Wettbewerbe statt Meisterschaftsrennen angesagt.

Mit Wettbewerben zum Beispiel im Jonglieren wollen die Übungsleiter die jungen Kicker – unser Foto zeigt Maja Zadro aus Freiberg – bei Laune halten. Foto: privat
Mit Wettbewerben zum Beispiel im Jonglieren wollen die Übungsleiter die jungen Kicker – unser Foto zeigt Maja Zadro aus Freiberg – bei Laune halten. Foto: privat

Pleidelsheim/Freiberg/Tamm. In der Leistungsstaffel im Fußballbezirk Enz-Murr liegt die C-Jugend des VfB Tamm nach vier Spielen mit 12 Punkten und 32:0 Toren unangefochten auf Platz eins. Doch auch die Spielgemeinschaft (SG) GSV Pleidelsheim/TuS Freiberg macht sich als Drittplatzierter noch berechtigte Hoffnungen auf Meisterschaft und Aufstieg. Da gilt es für die Jungs und Mädels der Jahrgänge 2006 und 2007 fit zu bleiben, denn nach dem Ende des Lockouts soll die Meisterschaft schon noch zu Ende gespielt werden. Für die Übungsleiter ist das allerdings kein leichtes Unterfangen. Immer wieder müssen sie sich spannende Übungseinheiten für zu Hause überlegen, damit sich bei den jungen Leuten nicht der Schlendrian breitmacht.

Einer dieser findigen Männer ist Patrick Sirch aus Pleidelsheim. Er trainiert seit dreieinhalb Jahren Jugendmannschaften der SG GSV Pleidelsheim/TuS Freiberg, in dieser Saison die C-Jugend. „Beim ersten Lockdown waren alle noch sehr überwältigt von den Maßnahmen und haben in der Folge auch recht wenig trainiert“, erinnert sich der 20-Jährige. Höchstens die Hälfte der Spieler habe er nach kurzer Zeit noch dafür begeistern können, die eigens ausgearbeiteten Trainingspläne, die vorwiegend aus Laufeinheiten bestanden, umzusetzen. Nach den ersten Lockerungsmaßnahmen konnte auf dem Sportplatz wenigstens wieder in Kleingruppen mit jeweils bis zu fünf Jugendlichen gearbeitet werden, bis dann endlich wieder ein normaler Trainings- und Spielbetrieb erlaubt war. Dass man sich in dieser Zeit dennoch nicht in der Umkleidekabine umziehen durfte, nahm man in Kauf.

Der zweite Lockdown im November bedeutete das erneute Aus des Amateurfußballs. Patrick Sirch hat seinen Jugendspielern also erneut Laufaufgaben gegeben, um deren Fitnessstand aufrechtzuerhalten. Zur Motivation hat er ein Punktesystem entwickelt. Je schneller fünf Kilometer zurückgelegt wurden, desto mehr Punkte gab es. Über eine Smartphone-App konnte Sirch jederzeit die Ergebnisse und Laufbereitschaft der Kids überwachen. Dieser Wettbewerbscharakter zog anfangs. Doch die Begeisterung ließ schon bald wieder nach. Also dachte sich der Student der Betriebswirtschaft und Unternehmensführung neue Wettbewerbe aus: Ball jonglieren, Liegestützen, Ball mit dem Kopf jonglieren. Bei all diesen Dingen konnten sich die Jugendlichen filmen und die Videos ihrem Trainer als Beweis schicken. Doch gegen Weihnachten verloren sie schon wieder die Lust. „Da liegt die Spielkonsole eben näher als die Laufstrecke“, so Sirch, der sich nicht entmutigen lässt und seine C-Jugendlichen immer wieder aus ihrer Lethargie reißt. Seit Januar bietet er ein- bis zweimal pro Woche 45- bis 60-minütige Online-Trainings an und macht mit ihnen Stabilitäts-, Kraft-, Koordinations- und Fitnessübungen.

Als Anfang Februar die Motivation erneut in den Keller ging, kontaktierte Sirch mit Fabio Squillante den Übungsleiter des Tabellenkonkurrenten VfB Tamm. Das Ziel: Gemeinsam Ideen für ein spannendes Training unter Lockdown-Bedingungen, zu entwickeln. Schnell kamen die beiden Trainer auf einen gemeinsamen Nenner. „Für Kids gibt es nichts Besseres als Wettkampf, insbesondere dann, wenn sie auch noch in der Liga Rivalen um den Aufstiegskampf sind“, so Sirch.

Also riefen beide Trainer ihre Teams zu einem Lauf-Battle auf. Es startete am 1. Februar um 0 Uhr und dauerte eine Woche bis vergangenen Sonntag, 20 Uhr. Ziel für den Fußballnachwuchs war es, in dieser Zeit so viele Kilometer wie möglich zu laufen. Dokumentiert wurde das Ganze über eine Fitness-App. „Das funktionierte einfach, war gut für die Fitness und brachte die Kids an die frische Luft“, lautet die Bilanz von Patrick Sirch. Die Jugendlichen hätten sich gegenseitig zum Laufen angespornt, um den Sieg einzufahren. Sirch: „Da war richtig Feuer drin.“ Am Ende gab es einen klaren Sieg für die Spielgemeinschaft aus Pleidelsheim und Freiberg, die genau 327,73 Kilometer zurücklegte. Doch auch die Tammer waren fleißig und liefen gemeinsam 269,77 Kilometer. Die Siegerehrung fand schließlich in Form einer Videokonferenz statt.

Die Tammer wollten derweil die Niederlage nicht auf sich sitzen lassen und forderten die Rivalen zu einem neuen Wettbewerb heraus. Dieses Mal geht es ums Jonglieren des Balles mit dem Fuß. Seit Montag und noch bis zum kommenden Sonntag sollen die jungen Kicker den Ball so oft wie möglich berühren, ohne dass er auf den Boden fällt. Jeder Teilnehmer filmt seine Versuche mit dem Smartphone und schickt pro Tag sein bestes Ergebnis an die Übungsleiter. Nach einer Woche wird abgerechnet.

„Mein größtes Ziel ist es, dass die jungen Leute fit bleiben, ihre Bewegungsabläufe verbessern und dadurch späteren Gesundheitsproblemen vorbeugen“, sagt Sirch. Dabei würden sie trotz Lockdowns sozial interagieren und sich gegenseitig pushen. Damit die Nachwuchskicker weiterhin motiviert sind, gibt es noch zahlreiche weitere Ideen für Wettbewerbe mit Tamm. Sirch denkt dabei sogar an Übungen, die sie in Zweiergruppen machen. Die C-Jugendlichen dürfen gespannt sein.

Autor: