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Impfaktion

Impfaktion in Unterkünften in Remseck übertrifft Erwartungen

Ein positives Fazit zieht die Remsecker Stadtverwaltung nach einer Impfaktion im Haus der Bürger, die sich am Sonntagvormittag gezielt an Bewohner von Flüchtlings- und Obdachlosenunterkünften richtete. 92 Personen haben sich gegen Corona impfen lassen – mehr als erwartet.

Vor dem Haus der Bürger in Remseck bildet sich am Sonntag eine Schlange. Flüchtlinge und Obdachlose warten auf ihre Impfung. Fotos: Holm Wolschendorf
Vor dem Haus der Bürger in Remseck bildet sich am Sonntag eine Schlange. Flüchtlinge und Obdachlose warten auf ihre Impfung. Foto: Holm Wolschendorf
Wer sich für einen Termin angemeldet hat, bekommt das Vakzin verabreicht.
Wer sich für einen Termin angemeldet hat, bekommt das Vakzin verabreicht.

Remseck. Eine lange Schlange hat sich am Sonntagvormittag vor dem Haus der Bürger im Remsecker Stadtteil Aldingen gebildet. Viele Familien mit Kindern wollten sich impfen lassen und warteten auf Einlass. Oberbürgermeister Dirk Schönberger freute sich, dass die Impfaktion auf reges Interesse stieß. „92 Leute haben sich angemeldet“, berichtete der OB.

Von einem solchen Andrang war zunächst nicht unbedingt auszugehen, denn im Vorfeld waren nur etwa 30 Anmeldungen im Rathaus eingegangen. Nach Angaben der Stadtverwaltung leben in Remseck derzeit etwa 250 erwachsene Flüchtlinge und Obdachlose in großen und kleineren Sammelunterkünften. Das Interesse an der Impfaktion hielt sich bis vor wenigen Tagen also in überschaubaren Grenzen.

Einen Schub in letzter Sekunde gab es, als vier Teams des Landkreises am Samstag potenzielle Interessenten im Haus der Bürger über die Impfung aufklärten. Diese Beratung wurde auf Deutsch, aber auch auf Englisch und in verschiedenen Herkunftssprachen angeboten. Das Arabische war dabei besonders wichtig, denn auch in Remseck wohnen viele Flüchtlinge aus Syrien. Bis zum Nachmittag blieb dann Zeit, sich für den Impftermin am folgenden Tag anzumelden.

Bei den Beratungsgesprächen musste Überzeugungsarbeit geleistet werden, erzählt Jasmine Finckh, Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Remseck. Denn natürlich gebe es auch unter Flüchtlingen Ängste und Vorbehalte gegen eine Coronaimpfung. Verstärkt würden die Bedenken durch die sozialen Netzwerke, in denen Nutzer zum Teil groteske Lügen verbreiten würden.

In Remseck konnten offensichtlich viele Bedenken ausgeräumt werden. Im Haus der Bürger hatten die drei vom Ludwigsburger Landratsamt nach Remseck geschickten Impfteams alle Hände voll zu tun. Impfberechtigt waren an diesem Sonntag alle erwachsenen Flüchtlinge und Obdachlose. Zudem hätten viele Menschen aufgrund ihres Alters oder ihrer Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe bereits eine Impfung erhalten, erläuterte Oberbürgermeister Schönberger.

Die mobilen Impfteams füllten ihre Spritzen mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer. Für Impfungen in Sammelunterkünften bietet das Landratsamt auch Dosen von Johnson & Johnson an. Dabei reicht eine Impfung aus. „Wir haben trotzdem Biontech bestellt, weil dieser Impfstoff den besten Schutz bietet“, sagt Finckh.

Die Dosen waren abgezählt, so dass alle Personen, die sich angemeldet haben, auch wirklich geimpft werden konnten. In einigen Wochen steht ein zweiter Termin auf dem Programm. „Wir kennen ja die Leute“, meint die Flüchtlingsbeauftragte. „Ich bin sicher, dass alle zum zweiten Termin kommen werden.“

Auch eine achtköpfige Familie aus der Türkei ist ins Haus der Bürger gekommen. Eine Tochter hat die Prozedur bereits hinter sich und wartete draußen auf ihre Angehörigen. Es sei ganz schnell gegangen, erzählte die junge Frau, die die deutsche Sprache bereits fließend beherrscht. „Es hat nur eine Sekunde gedauert. Ich habe gar nichts gemerkt, mir geht es gut.“ Die Familie habe lange über die Impfung diskutiert, erzählte sie. „Man weiß ja nicht, welche Spätfolgen so etwas haben kann. Am Ende haben wir uns aber darauf geeinigt, dass eine Impfung die beste Lösung ist.“ Das gilt nicht nur für die nun geimpften Flüchtlinge und Obdachlosen. Denn wenn sich der Pandemieschutz in den örtlichen Sammelunterkünften verbessert, profitiert davon freilich die gesamte Stadtgesellschaft.

Die Atmosphäre war entspannt, Abstände und Maskenpflicht wurden konsequent eingehalten. „In zwei Stunden dürften wir durch sein“, meinte Finckh. Der Oberbürgermeister zeigte sich zufrieden. „Es war wichtig, dass wir Werbung gemacht haben“, sagte Schönberger. „Und es ist wichtig, dass der Landkreis solche Impfaktionen dezentral anbietet.“

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