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Müll

In der Hecke steckt die Capri-Sonne

Eine Rundtour mit dem Müllauto in Steinheim nach einem sonnigen Wochenende – Zwei Container in der Stadt

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Der Müll wird hinten im Fahrzeug gesammelt. Rechts oben ist der Aussichtspunkt am Kleinbottwarer Benning zu sehen, unten die verkokelte Bank am Burgberg. Fotos: Oliver Bürkle
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Der Müll wird hinten im Fahrzeug gesammelt. Rechts oben ist der Aussichtspunkt am Kleinbottwarer Benning zu sehen, unten die verkokelte Bank am Burgberg. Fotos: Oliver Bürkle
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Der Müll wird hinten im Fahrzeug gesammelt. Rechts oben ist der Aussichtspunkt am Kleinbottwarer Benning zu sehen, unten die verkokelte Bank am Burgberg. Fotos: Oliver Bürkle

Steinheim. „Wenn die Leute wenigstens alles neben dem Mülleimer sammeln würden, wenn er voll ist, wäre auch schon viel geholfen“, sagt Ulrike Schwerdtle und hebt mit der Greifzange einen Pappbecher auf. Ein paar Meter weiter liegen eine Chipstüte und ein Schuh. Auch den packt sie und wirft ihn in ihren großen grünen Eimer. Ein Fundbüro können sie nicht auch noch im Bauhof einrichten. Eineinhalb Stellen sind im städtischen Bauhof für die Stadtreinigung vorgesehen. Normalerweise fahren Martin Hieber und Joachim Hielscher mit dem neuen Elektroauto die ganze Woche durch die Stadt, sie sind aber gerade im Urlaub. Ulrike Schwerdtle arbeitet eigentlich in der Stadtgärtnerei, hilft aber auch bei der Stadtreinigung aus. „Solange die Hundetoiletten nicht übervoll sind und ich keine toten Tiere auflesen muss, ist es mal eine Abwechslung“, sagt sie. Immer montags sind die Außenbereiche und die Teilorte Kleinbottwar und Höpfigheim dran. „In den Teilorten ist das Müllproblem nicht so schlimm, da reicht der eine Tag“, sagt sie.

Nach den Wochenenden türmen sich aber an den beliebten Ausflugszielen die Müllberge. Erster „Hotspot“ ist der Burgberg. „Hier sieht es montags eigentlich immer unmöglich aus“, sagt Ulrike Schwerdtle. Heute geht es aber, aus dem Mülleimer zieht sie eine Wasserpistole, ein paar McDonalds-Tüten liegen neben dem Mülleimer. „Wir haben alles mögliche schon eingesammelt. Vom Einweggrill über Bierflaschen bis hin zu Klamotten“, sagt sie. Sogar angezündete Gartenstühle mussten die Bauhofmitarbeiter schon entsorgen. Da sind die Teelichter, die heute auf dem Tisch der Sitzgarnitur stehen, noch harmlos. Dieser ist aber schon länger deutlich mit einem großen schwarzen Fleck gebrandmarkt: Offensichtlich hat man direkt auf dem Tisch gegrillt. Das ärgert auch Bürgermeister Thomas Winterhalter besonders: Der Schwäbische Albverein hat die Garnitur mit Tisch und Bänken erst vor einem Jahr der Stadt anlässlich seines 50-jährigen Bestehens gespendet.

Ihren inzwischen prallvollen Eimer leert Schwerdtle in den Behälter hinten im Nutzfahrzeug. Dieser kann gekippt und so wiederum über den Containern entleert werden. Fünf Kubikmeter fasst der städtische Container in Höpfigheim, er muss wöchentlich von der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg geleert werden. Dieser Container soll allerdings verlegt werden. Zum einen wird dort das Wohngebiet erweitert und zum anderen beschweren sich die Anwohner über den Gestank. „Vor allem die Hundebeutel stinken bei der Hitze bestialisch“, sagt Bauhofleiter Markus Wolf. Zusätzlich steht ein Container in Steinheim.

Vom Burgberg geht es über die Feldwege nach Kleinbottwar. „Es ist besser, mit dem Elektroauto nicht auf offiziellen Straßen zu fahren, da es nur 50 km/h schnell ist“, erklärt Schwerdtle. Sonst schätzt sie das neue Gefährt im Vergleich zum alten: Immerhin hat das Elektrofahrzeug nicht nur eine Klimaanlage, sondern auch ein Radio. Auf der Fahrt ist außer dem Radio nichts zu hören. Damit zum Beispiel Fußgänger das Gefährt hören, hat es ein Soundmodul, das laut bimmelt wie die Bahn.

Auch der Wengerter-Unterstand am Benning in Kleinbottwar ist ein Hotspot – vor allem wegen der Aussicht. „Hier ist auch an Silvester sehr viel los“, sagt Schwerdtle. Und zur Mondfinsternis: Da verteilte sich der Müll sogar in den Weinbergen. Auch heute sammelt sie Silvesterknaller und angekokeltes Plastik zusammen. Eine leere CapriSonne zerrt sie aus der Hecke. „Das nervt besonders.“

Dritter Hotspot ist das Schulgelände mit dem Holzpavillon hinter dem Wellarium-Parkplatz, der immer wieder Vandalismus zum Opfer fällt. Seit nur noch ein Tisch drin steht, geht es. Auch die Ferienzeit macht sich deutlich bemerkbar, sonst sind die drei Mülleimer entlang des Schulwegs eigentlich immer voll. Auch die Hardthütte in Höpfigheim ist immer müllverdächtig. An der Kaisersberghütte indes ist es immer relativ sauber. „Da sind viele Familien unterwegs und die nehmen ihren Müll offensichtlich wieder mit“, sagt Markus Wolf.

Neben dem Müll, der nach Partys hinterlassen wird, nimmt auch der Mülltourismus zu. Die Leute lagern am Wochenende ihren Hausmüll, aber auch Sondermüll irgendwo auf städtischem Gelände ab. Windeln sind noch das harmloseste, Autoreifen das größte, aber auch ein Sofa wurde schon abgeladen. Besonders beliebt ist hier der Parkplatz am Schützenhaus, da er sich gut anfahren lässt. „Allein mit Autoreifen haben wir zwei Mulden gefüllt“, sagt Wolf.

Die Kontrolle gestaltet sich schwierig. Dieses Jahr hat die Stadt erstmals einen Sicherheitsdienst in den Abend- und Nachtstunden am Wochenende im Einsatz, der auf die Spielregeln hinweist. „Wir wollen die Leute nicht vertreiben, sie dürfen sich dort treffen, aber sie sollen ihren Müll zusammenräumen“, betont Bürgermeister Thomas Winterhalter. Die Verwaltung überlegt sich deshalb auch, am Burgberg eine offizielle Grillstelle einzurichten, um zu vermeiden, dass eben auf der Bank gegrillt wird. „Der Burgberg ist ein beliebtes Ausflugsziel und vielleicht bekommt man es so in den Griff“, sagt er. Schwieriger sei das Problem an der Schule zu lösen. Anwohner beschwerten sich über Lärm, die zerbrochenen Glasflaschen auf dem Schulhof seien eine Gefahr für die Schüler.

Beliebte Mülleimer stehen an der Volksbank und an der Schule. Hier werden nach und nach auch größere Mülleimer aufgestellt. Die kleineren Körbe mit Gittern sind relativ schnell voll. „Die Gitter sind einerseits geschickt, da Flüssiges herausläuft, andererseits verhaken sich auch manche Sachen“, sagt Schwerdtle.

Nach eineinhalb Stunden mit dem Müllauto ist der Blick geschärft: Randvolle Mülleimer und überhaupt Mülleimer stechen sofort ins Auge. Vielleicht wäre auch die Fahrt mit dem Müllauto eine Möglichkeit, die Menschen zu sensibilisieren. Günstiger als ein mögliches Bußgeld wäre es allemal...