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In der Krise sprudeln die Ideen

Wie das Desinfektionsmittelterminal in einer Apotheke aussehen könnte, zeigt diese Bildmontage. Foto: privat
Wie das Desinfektionsmittelterminal in einer Apotheke aussehen könnte, zeigt diese Bildmontage. Foto: privat
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Besigheim. Schutzkleidung oder Masken nähen – das können er und seine Mitarbeiter nicht, sagt Frank Nägele, der Gründer und Geschäftsführer der Firma Werkstation in Ottmarsheim. Sie wollten aber trotzdem irgendetwas in der Coronakrise tun. „Daher kam die Idee, unser bisheriges Geschäftsfeld mit Desinfektionsmittelspendern zu kombinieren“, sagt Frank Nägele.

Das bisherige Geschäftsfeld von Werkstation sind Informationsterminals, also Computer, die durch ein Gehäuse geschützt werden, so dass man nur den Bildschirm sieht. Die Terminals weisen etwa in einem großen Unternehmen digital die Richtung, begrüßen in Hotels Gäste und zeigen in der Produktion Arbeitsschritte an. „Überall dort, wo Informationen transportiert werden müssen, sind wir dabei“, so Nägele.

Im März hatte Frank Nägele die Idee, solche Terminals in Zukunft auch mit Desinfektionsmittelspendern auszustatten. „Ich habe meistens gute Ideen, wenn es gerade eher schlecht läuft“, so Nägele, der sich selbst nicht als typischen Unternehmer bezeichnet. Statt Krawatte trägt er lieber Wanderschuhe und Sonnenbrille, er verbringt gerne und viel Zeit mit seiner Familie und schreibt auf der Webseite der Firma ein „Tagebuch vom Chef“.

Die Idee für die Desinfektionsmittelspender kam Nägele im März, zwei, drei Tage habe er darüber nachgedacht, dann eine Skizze gemacht und diese seinem technischen Zeichner gegeben. „Ende nächster Woche haben wir das erste funktionierende Serienterminal“, berichtet er nun stolz. In zwei bis drei Wochen sei das Terminal lieferfähig, etwa vier Wochen habe es dann gedauert – von der Idee bis zur Lieferung.

Das neue Terminal sei für Firmen, Banken und Kliniken, aber auch Landratsämter und Rathäuser denkbar. „Aus unserer Sicht sollte es verpflichtend sein für alle staatlichen Stellen, ihren Besuchern eine Desinfektionsmöglichkeit im Eingangsbereich anzubieten“, sagt Frank Nägele. Jetzt habe so ein Spender Aktualität, aber Nägele möchte das Produkt ins Portfolio von Werkstation aufnehmen. Er vermutet, dass nach der Coronakrise viele Menschen von Unternehmen und Behörden erwarten, dass es eine Möglichkeit gibt, die Hände zu desinfizieren.

Bereits jetzt hätten einige Unternehmen ihr Interesse angekündigt. Auch mit Banken ist Nägele im Gespräch. Auf dem Bildschirm oberhalb des Desinfektionsmittelspenders könnten da zum Beispiel Immobilienangebote angezeigt werden. „Die Verweildauer vor Displays ist normalerweise sehr kurz“, so Nägele. Wenn Kunden oder Besucher gleichzeitig die Möglichkeit haben, ihre Hände zu desinfizieren, könnte sie verlängert werden.

Auf dem Display könne alles stehen, was sich der Kunde wünscht: eine Anleitung, wie man richtig die Hände desinfiziert, eine selbstlaufende Präsentation über das Unternehmen oder Werbung. Das Display sei über das Internet steuerbar, außerdem seien auch unterschiedliche Inhalte zu verschiedenen Zeiten möglich.

Und es sprudelt weiter bei Werkstation: Das nächste Modell sei bereits in Planung. Es soll ein digitales Türschild werden, das etwa vor Besprechungsräumen platziert werden kann. Ein grünes oder rotes Licht zeigt an, ob die Besprechung oder das Seminar bereits begonnen hat, auf dem Bildschirm können Titel und Inhalte aufgelistet werden. „So kann jeder, bevor er den Raum betritt, seine Hände desinfizieren“, erklärt Nägele. Außerdem soll das digitale Türschild batteriebetrieben sein, so dass es auch bei Außenveranstaltungen genutzt werden kann.

Frank Nägele hat vor 30 Jahren mit der Produktion von digitalen Terminals angefangen, seit knapp 20 Jahren ist Werkstation eine GmbH. Inzwischen habe sich Werkstation zu einem Unternehmen mit zufriedenen Kunden und einem Jahresumsatz zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro entwickelt, so Nägele, der vor der Unternehmensgründung Polizist war. Er hat fünf Mitarbeiter, darunter seinen ehemaligen Professor Joachim Löffler, der einen kleinen Anteil an der Firma besitzt. Produziert werden die Terminals bei einem Schwesterunternehmen „auf der anderen Straßenseite“.

Neben Automobilherstellern wie Audi oder Porsche gehören etwa auch Fernsehsender zu den Kunden von Werkstation. Pro Sieben habe beispielsweise für eine Sendung mit Stefan Raab ein Auswertungsterminal bestellt, auch bei Günther Jauch habe Nägele schon eines seiner Produkte entdeckt. „Ich weiß meistens gar nicht, was mit unserer Ware letztendlich passiert“, sagt er. So komme es manchmal vor, dass er durch Berlin laufe und plötzlich ein Terminal aus Ottmarsheim entdecke. Oder ihm falle beim „Tatort“-Schauen eines seiner Produkte ins Auge – in der Bankfiliale, die überfallen wird.

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