Logo

Corona

Infizierte in Altenheim und Schule

Im Kleeblatt Kompetenzzentrum sind 24 Bewohner sowie sieben Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden. An der Grundschule Freudental gibt es einen Fall. Die Verantwortlichen sind schockiert, dass die Gemeinde in diesem Ausmaß von der Pandemie betroffen wurde.

Das Kleeblattheim und das Kompetenzzentrum in Freudental stehen unter Quarantäne. Foto: Alfred Drossel
Das Kleeblattheim und das Kompetenzzentrum in Freudental stehen unter Quarantäne. Foto: Alfred Drossel

Freudental. „Wir sind geschockt“, bringt Bürgermeister Alexander Fleig die momentane Gemütslage auf den Punkt. Für alle Beteiligten sei dies eine „schreckliche Nachricht“. Denn seit gestern ist klar, dass 24 von 29 Bewohner im Kleeblatt Kompetenzzentrum, wo Menschen mit Demenz betreut werden, sowie sieben Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert sind. „Mit diesen Zahlen ist Freudental definitiv ein Hotspot“, sagt Fleig, zumal es an der Grundschule ebenfalls einen Coronafall gibt: Die dritte Klasse und auch Lehrerinnen sind in Quarantäne. Der Unterricht finde nur eingeschränkt statt, „die Schule wird aber noch nicht geschlossen“.

Bereits am vergangenen Samstag hatten zwei Mitarbeiterinnen beim Kleeblatt-Corona-Krisenstab gemeldet, dass sie positiv auf Covid-19 getestet worden sind. Fleig betont, er sei von den Kleeblatt-Verantwortlichen sofort in Kenntnis darüber gesetzt worden. Er habe daraufhin ein Besuchsverbot und eine Ausgangssperre für die Bewohner des Pflege- und Wohnheims erlassen. „Da ist das ganze Ausmaß aber noch nicht absehbar gewesen“, sagt Fleig.

Nach Bekanntwerden der ersten beiden Coronafälle sei in Absprache mit dem Gesundheitsamt des Landkreises Ludwigsburg am Sonntag eine „schnelle Testaktion aller Mitarbeiter und Bewohner organisiert worden“, sagt Stefan Ebert, Geschäftsführer der Kleeblatt Pflegeheime im Gespräch mit unserer Zeitung. Dabei wurden 130 Abstriche gemacht. Als am Montagabend die ersten Laborergebnisse feststehen und in der Nacht zum Dienstag übermittelt worden sind, habe es ihn fast vom Stuhl gehauen, gibt Ebert unumwunden zu: „Es war ein Schock. 24 Bewohner und sieben Kleeblatt-Mitarbeiter haben sich mit Corona infiziert.“ Die fünf Bewohner, die negativ getestet worden sind, mussten sofort raus aus ihren Zimmern, sagt Ebert. Sie seien in Absprache mit dem Gesundheitsamt in einen abgetrennten Bereich innerhalb des Kompetenzzentrums untergebracht worden, um sie von den infizierten Bewohnern zu trennen.

Im Laufe des Montags hätten mehrere Bewohner und auch weitere Mitarbeiter corona-typische Symptome wie Anzeichen einer Erkältung, Schnupfen, Halsweh, Husten und auch Durchfall entwickelt, zählt Ebert auf. In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt sind vor Ort „alle notwendigen Maßnahmen ergriffen worden, um die Bewohner und Mitarbeiter vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus zu schützen“. Der Gesundheitszustand der infizierten Bewohner sei aktuell nicht kritisch, sagt Ebert.

Im darüber liegenden Kleeblatt Pflegeheim wurden alle Bewohner und Mitarbeiter negativ getestet. Die Angehörigen aller Bewohner seien gestern telefonisch über die Situation im Haus informiert worden, das „Haus steht als Schutzmaßnahme weiterhin unter Quarantäne“, teilt Ebert mit, „der Zutritt für Besucher und andere Externe ist weiterhin nicht erlaubt“. Die weiteren Maßnahmen erfolgten in enger Abstimmung zwischen dem Gesundheitsamt, dem Bürgermeisteramt Freudental und dem Kleeblatt-Corona-Krisenstab. „Alle Bewohner und Mitarbeiter sollen am Donnerstag oder Freitag noch einmal getestet werden, nur um sicherzugehen. Ich hoffe und bete, dass die Ergebnisse negativ ausfallen.“

Stand heute sei es noch nicht ausgestanden, wie viele Menschen in Kleeblatt Kompetenzzenturm infiziert seien, sagt Dr. Thomas Schönauer, Gesundheitsdezernent des Landratsamtes Ludwigsburg. „Die Tests sind noch nicht alle überprüft worden. Es kann also durchaus sein, dass jemand, der positiv getestet worden ist, noch rausfällt.“

Für eine Kommune in der Größe wie Freudental ist die Zahl derer, die sich auf einen Schlag mit dem Virus infiziert haben, hoch. Kommt jetzt die zweite Welle? „Wir sind bereits am Anfang“, meint Schönauer. Wie ist die Strategie des Gesundheitsamtes, das Virus einzudämmen? „Wir versuchen, Infektionsketten zu unterbrechen und zu ermitteln, wo sich jemand ursprünglich mit Covid-19 angesteckt hat.“ Das Problem sei, dass der Ursprung oft gar nicht mehr ausgemacht werden könne. Es würde inzwischen mehr Tests vorgenommen, auch bei Menschen ohne auffällige Symptome. „Wir sind sehr froh, das derzeit die Kliniken freie Kapazitäten auf ihren Corona-Stationen haben“, sagt Schönauer und plädiert im Hinblick auf die Herbst- und Wintermonate, sich gegen Grippe impfen zu lassen. „Damit die Krankenhäuser ihre Kräfte für die Coronapatienten, so es wieder mehr gibt, bündeln können.“

Die Situation sei angespannt, nicht nur in der Freudentaler Einrichtung, sagt Stefan Ebert. Das Personal sei von Anfang an dazu angehalten worden, Schutzbrillen und Schutzkleidung sowie FFP 2-Masken zu tragen. „Momentan unterstützen Mitarbeiter aus Ludwigsburg ihre Kollegen in Freudental. Wir müssen nun alle zusammenhalten. Wenn wir Glück haben, haben wir das bald ausgestanden.“

Was passiert, wenn ein Bewohner in einer besonderen Situation ist? Wie können Sterbende begleitet werden? „Es gibt die Möglichkeit, Angehörige in die Einrichtung zu lassen“, meint Ebert, sie müssten „die komplette Schutzausrüstung tragen“.

Der Corona-Krisenstab der Kleeblattpflegeheime sei im ständigen Austausch mit dem Gesundheitsamt und mit der Gemeinde Freudental, betont Ebert, er hoffe, dass der Entwurf des Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zum 15. Oktober umgesetzt werde. Spahn hat Corona-Schnelltests für Krankenhäuser und Pflegeheime angekündigt, die vor allem für Besucher, Beschäftigte, Bewohner und Patienten von Pflegeheimen und Krankenhäusern in Betracht kommen.

Autor: