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Offizielle Vorstellungsrunde

Interesse der Vaihinger an der ersten Vorstellungsrunde ihrer OB-Kandidaten ist riesig

Auftakt der Kandidaten-Tournee zur Vaihinger Oberbürgermeisterwahl am 3. Juli. Die vier Bewerber stellen sich am Montag über 700 Besucherinnen und Besuchern in der Stadthalle vor. Bis kommenden Donnerstag, 30. Juni, werden sie in allen Stadtteilen zu Gast sein

700 Vaihinger wollten die OB-Kandidaten live erleben. Foto: Albert Arning
700 Vaihinger wollten die OB-Kandidaten live erleben. Foto: Albert Arning
Bernd Rothmann, Sven Haumacher, Matthias Beck und Uwe Skrzypek (von links). Foto: Albert Arning
Bernd Rothmann, Sven Haumacher, Matthias Beck und Uwe Skrzypek (von links). Foto: Albert Arning

Vaihingen. Der Noch-OB weist die Gäste ein. „Hier vorne gibt’s noch Platz. Und oben auf der Empore“, dirigiert Gerd Maisch, der die Vorstellungsrunde leitet. Er freut sich, dass die Wahl auf ein so großes Interesse stößt, und begrüßt vor allem seinen Vorgänger Heinz Kälberer. Die Reihenfolge der Vorstellung wird ausgelost. Zufall: Sie ist die gleiche wie auf dem Wahlschein: Haumacher, Skrzypek, Beck, dann Rothmann. 20 Minuten dürfen sie reden. Die Zeit schöpfen drei aus, Bernd Rothmann begnügt sich mit drei Minuten.

Sven Haumacher: Der „Mann vom Fach“

Sven Haumacher (45) trägt als Einziger Krawatte. Am Rednerpult stellt er sich vor: aufgewachsen in Markgröningen, Polizeiausbildung, Jura-Studium, Referent Landrat im Kreis Böblingen, seit 2011 Bürgermeister in Notzingen und Kreisrat in Esslingen. Vater von zwei Kindern. Als bodenständig und fleißig bezeichnet er sich. Man könne es auch mit dem Beruf des Landwirts vergleichen: gut ackern, dann säen, um ernten zu können. Und man brauche dazu den Regen von oben. Ein OB-Kandidat müsse fachliche Qualifikationen haben, stellt er heraus. In einer kleineren Gemeinde zu starten, sei ein Vorteil. Er pflege einen kooperativen Führungsstil. Den Wahlkampf finanziere und organisiere er selbst, stellt er heraus. Haumacher will die Lebensqualität in Vaihingen erhalten und ausbauen, sieht sich als einer, der im Sternzeichen des Löwen geboren ist, als passend für Vaihingen an. Mit einem guten Team gelte es, Entscheidungen zum Wohle der Stadt zu treffen. Dafür müsse man Prioritäten setzen und vermeiden, die Gewerbesteuer zu erhöhen. Themen sind die Gartenschau („Es muss sich lohnen, nach Vaihingen zu kommen“), die Kinderbetreuung, das schnelle Internet, die Schulen, der Ausbau von Arbeitsplätzen. Das Maientagsmotto („Die Zukunft nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen“) sieht er als gute Basis. Beifall: 18 Sekunden.

Uwe Skrzypek: „Vaihingen braucht frisches Denken“

Uwe Skrzypek (51) redet Haumacher gleich als Sven an und kontert mit dem Sternzeichen: „Ich bin Schütze.“ Er stellt sich vor die Mitbewerber und erzählt nahezu frei aus seinem Leben. Aufgewachsen in Ostwestfalen im Handwerksbetrieb der Eltern. Modellbauerlehre, Studium Fahrzeugbau (Dipl.-Ingenieur FH), 22 Jahre Manager bei Daimler, dann mit 50 Jahren den Traumjob aufgegeben. Gemeinderat in Mönsheim, „meiner schwäbischen Heimat“. Drei Kinder, zweite Ehe. Ehrenamtseinsatz bei Radsportverband. Warum also „im fast kitschig schönen Vaihingen“ OB werden wollen und sich auf dünnes Eis wagen? Kommunalpolitik sei immer etwas Sinnvolles. Und ein OB könne viel bewegen. Die Kultur des Miteinanders werde von der Spitze geprägt. Vaihingen könne Verwaltung, brauche aber auch frisches Denken. Nachhaltigkeit, Lebensqualität und Identität sind Schlagworte. Auch Horrheimer, Rieter oder Roßwager müssten sich als Vaihinger fühlen. „Mein Produkt heißt Vaihingen, eine Stadt mit Esprit, Charme und Flair“, schmeichelt Skrzypek und wirbt für einen Einkaufsmagneten. Beifall ebenfalls 18 Sekunden.

Matthias Beck: „Der OB muss Vorbild sein“

Matthias Beck (44) kommt gänzlich ohne Manuskript aus. Er stellt sich als parteilos und unabhängig vor, „denn es kann ein Vorteil sein, nicht in eine Schublade gesteckt zu werden“. Aktuell ist Beck, der wie Haumacher seine Berufslaufbahn bei der Polizei begonnen hat, als Stadtoberverwaltungsrat in Korntal-Münchingen für den Fachbereich „Steuerung und Verwaltung“ zuständig. Er wohnt mit Partnerin in Remseck. Im Plauderton erzählt er eine Geschichte aus dem Tierheim: „Ich bin der Mutigste.“ Wertschätzender Respekt sei ihm wichtig, vor allem gegenüber den Mitarbeitern. Der OB müsse Vorbild sein. In der Verwaltung müssten die Abläufe verschlankt werden. Insgesamt müsse intern und extern effektiver gearbeitet werden, „ohne die ältere Bevölkerung, die nicht über einen PC verfügt, abzuschneiden“. Bei der Gartenschau will er die Teilorte vernetzen, für die Vereine („enorm wichtig“) sieht er einen zentralen Ansprechpartner als sinnvoll an. „Aller guten Dinge sind drei, mein Name steht an dritter Stelle auf dem Wahlzettel“, wirbt er abschließend. Zwölf Sekunden Applaus.

Bernd Rothmann: Ein Kleinglattbacher mit Heimatliebe

Bernd Rothmann (40) macht es zügig. Der Kleinglattbacher will als Vaihinger was für Vaihingen erreichen: „Die Bürger sollen ihren OB aus ihrer Mitte wählen“. Man müsse die Stadt kennen und lieben, sagt der Maschinenbaumonteur und verspricht: „Gemeinsam bekommen wir die Karre aus dem Dreck.“ Alles andere hätten die Mitbewerber gesagt. Zehn Sekunden Beifall.

Auch die Fragerunde wird von den Vaihingern gut genutzt

Für die Fragerunde ist eine Stunde vorgesehen; sie wird genutzt. Es geht um Vorstellungen für die klimaneutrale Stadt. Sie ist allen vier Bewerbern ein Anliegen. Skrzypek bringt dazu Stadtwerke ins Gespräch: „Die brauchen wir endlich.“ Die Bürgerbeteiligung ist ein Thema. Da gebe es durchaus Formate, findet Haumacher, etwa den Leitbildprozess. Offen sein für soziale Medien ist ein Anliegen von Skrzypek, der die Ortschaftsräte als „natürliche Form“ ansieht. Bei der Frage um die Zukunft der kleinen Schulen will Beck keine Garantie abgeben. Rothmann stellt klar, „dass man dazu halt Kinder braucht“. Haumacher kontert: „Ich bringe zwei mit.“ Skrzypek („Was gibt es Schöneres als die Schule im Dorf?“) ist im Falle des Falles für eine Vernetzung der kleinen Orte.

Das Enzweihinger B10-Problem darf nicht fehlen. Was nach der Klage gegen die Planfeststellung rauskomme, sei Stand der Dinge, meint Haumacher. Beck favorisiert die Umfahrung, Skrzypek hat Bedenken, „wenn der Verkehr auf die Bühne im Enztal gehoben wird“. Die Gartenschau 2029 wird unisono als Riesenchance eingestuft. Zur Frage nach der Baulandentwicklung meint Haumacher, der Druck werde nachlassen, Skrzypek wirbt für neue Wohnformen, Beck sieht eine „maßvolle Außenentwicklung“ als wichtig an. Der Erhalt des Freibads ist allen ein Anliegen.

Gerd Maisch setzt um 21.15 Uhr den Schlusspunkt: „Einige Besucher sind gegangen. Das versteh’ ich.“ Nachsatz: „Natürlich wegen der Temperaturen.“ Heute ist die nächste Runde in Roßwag.

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