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Stadtbahn

Interessenkonflikt am Bahnhof

Am Markgröninger Bahnhof ist eine weitere Zelthalle errichtet worden, in der Leergut gelagert werden soll. Was bedeutet das für die Reaktivierung der Bahnlinie nach Ludwigsburg, die für 2025 geplant ist?

Lagerhallen nahe des Markgröninger Bahnhofs: In der Stadt fragen sich jetzt viele, ob die beiden Immobilien die Reaktivierung der Bahnlinie behindern könnten. Foto: Holm Wolschendorf
Lagerhallen nahe des Markgröninger Bahnhofs: In der Stadt fragen sich jetzt viele, ob die beiden Immobilien die Reaktivierung der Bahnlinie behindern könnten. Foto: Holm Wolschendorf

Markgröningen. Das Baugesuch an den Markgröninger Ausschuss für Umwelt und Technik ist offen gehalten. Demnach plant ein Bauherr die Errichtung einer Zelthalle auf einem Grundstück an der Zeppelinstraße – unmittelbar an der Gleiskante zum Markgröninger Bahnhof.

Doch ganz so ist es nicht. Der Bauherr hat die Zelthalle an der Zeppelinstraße, in der Leergut gelagert werden soll, längst gebaut. Es ist bereits die zweite an dieser Stelle. „Das Prozedere stößt uns sauer auf“, sagte der SPD-Ratsherr Helmut Schäfer im jüngsten Ausschuss. Es fällt sogar das Wort vom Schwarzbau, das der Bürgermeister Rudolf Kürner allerdings nicht gelten lassen will. „Ein Bauantrag kann auch nachträglich gestellt werden“, so der Rathauschef. „Das Landratsamt duldet diese Praxis.“

Trotzdem wirft das Vorhaben Fragen auf – etwa die, die sich nicht nur für die Markgröninger GAL und ihren Ratsherrn Philipp Wemmer stellt: Wie tangiert die neue Zelthalle das Stadtbahnprojekt nach Ludwigsburg, das sich Markgröningen seit Jahren wünscht?

Nach jetzigem Stand der Dinge könnte es im Jahr 2025 soweit sein, dass. ein sogenanntes Zwei-System-Fahrzeug zwischen Markgröningen, Möglingen und Ludwigsburg in Betrieb geht, wie es von den Karlsruher Verkehrsbetrieben bekannt ist. Gemeint sind Züge, die heute bereits auch den Bietigheimer Bahnhof ansteuern. Sie haben die Eigenschaft, auf einem Straßenbahngleis und einem Bahngleis fahren zu können. Ab 2030 ist dann angepeilt, Stadtbahnen in der Niederflurvariante aufs Gleis zu setzen – bis Pattonville, wo der Umstieg ins Netz der Stuttgarter Straßenbahnen AG erfolgt. Und am besten auch bis. zum Automobilzulieferer Bosch in Schwieberdingen und zum Finanzdienstleister W&W in Kornwestheim.

Der Markgröninger Bürgermeister Kürner und sein Gemeinderat haben sich in den vergangenen Jahren ausdauernd zu dem Projekt bekannt. Es läuft in der Stadt in der höchsten Kategorie I. „Der Weg ist jetzt frei“, sagte Kürner im Frühjahr. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren zudem für mehrere Millionen Euro die zentrale Bahnhofstraße saniert, die auf die historische Altstadt zuläuft – und über die die Stadtbahn vom Bahnhof ins Zentrum verlängert werden könnte. Sie hat das so getan, dass es später keine Einschränkungen geben soll.

Mit Blick auf die Zelthallen am Bahnhof legt die Markgröninger SPD nun Wert darauf, bei der zukünftigen Planung ein Wörtchen mitreden zu können. Wenn die Stadtbahn wirklich kommt, schweben der Partei an dieser Stelle Park-and-Ride-Plätze vor oder Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. „Diese Optionen müssen wir uns offenhalten“, fordert Schäfer. Ob das möglich ist, scheint derzeit noch unklar zu sein. Kürner sagte im Technischen Ausschuss nur, sich in dieser Angelegenheit noch mit dem Landratsamt in Ludwigsburg absprechen zu müssen. Formell gehören die Flächen der Deutschen Bahn.

Als Visitenkarte taugt das Gelände mit seinem eigentlich schmucken Bahnhofsgebäude nicht – vorsichtig ausgedrückt. Unkraut und Gestrüpp haben die Herrschaft auf den Gleisen übernommen. Das gilt auch für die weitere Strecke in Richtung Möglingen, die viele Einheimische und Tierarten als Biotop schätzen.

Der Bahnhof ist dagegen von Gewerbegebieten umzingelt. Auf dem Grundstück an der Zeppelinstraße sind Immobilien wie die beiden Lagerhallen grundsätzlich zulässig. „Das Problem ist“, sagt der Sozialdemokrat Schäfer, „dass eine Stadtbahn hier auf eine Müllhalde fahren würde.“ Tatsächlich parken in der näheren Umgebung häufig Fahrer mit ihren Lastwagen und Transportern, um ihre Standzeit zu verbringen. Wenn sie ihre Touren fortführen und Markgröningen wieder verlassen, lassen viele ihren Unrat offenbar liegen. Die Ausschussmitglieder sind sich einig, dass es sich bei dem Areal um das „größte Dreckloch der Stadt“ handelt. Einer sagt: „Bei der Markungsputzete haben wir hier immer am meisten zu tun.“

Der Bürgermeister will sich mit diesem Zustand nicht abfinden. Er verweist darauf, dass es bereits mehrere Ortstermine mit dem Vollzugsdienst gegeben habe. „Es wird etwas passieren“, sagt Kürner. „Wir sind an dem Thema dran.“ Lösungsmöglichkeiten kann der Rathauschef allerdings noch nicht präsentieren. Er denkt zum Beispiel an Dixitoiletten oder Waschplätze. Auf die Unterstützung der ortsansässigen Unternehmen kann die Stadt aber mutmaßlich nicht zählen. Im Ausschuss räumte Kürner ein: „Die haben daran kein Interesse.“

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