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Interkommunales Projekt hat nicht nur Freunde

In seiner Sitzung am Donnerstagabend entscheidet der Gemeinderat, ob Erdmannhausen mit Marbach ein gemeinsames Gewerbegebiet auf Erdmannhäuser Markung auf den Weg bringen will. In der zurückliegenden Ratssitzung gab es dazu auch skeptische Stimmen und inzwischen regt sich auch in der Bevölkerung Widerstand gegen die Pläne.

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Im Osten endet die Marbacher Markungsfläche mit dem Gewerbegebiet Krummeäcker-/Rielingshäuser Straße. Erweiterungsflächen, zum Beispiel für die expansionswillige Firma Hainbuch, gäbe es nur auf der Markung von Erdmannhausen.Archivfoto: Oliver Bürkle

erdmannhausen/Marbach. Wie bereits berichtet, braucht die Marbacher Firma Hainbuch dringend Erweiterungsflächen, doch die Marbacher Markung endet mit dem bestehenden Gewerbegebiet Krummeäcker/Rielingshäuser Straße, die Schillerstadt kann einem ihrer größten Gewerbesteuerzahler nichts anbieten. Nun kommt Erdmannhausen ins Spiel: Angedacht ist ein gemeinsames Gewerbegebiet. Für Marbach drängt die Zeit, weshalb jetzt auch der Gemeindeverwaltungsverband, dem neben Marbach und Erdmannhausen Benningen und Affalterbach angehören, am 24. Juli mit der Änderung des Flächennutzungsplanes die Weichen für ein interkommunales Gewerbegebiet stellen soll.

Mit dieser Änderung würde wieder der Zustand aus den 1980er Jahren hergestellt. Seinerzeit wurde erstmals ein Regionalplan aufgestellt, in dem die erforderliche 350 Meter lange Grünzäsur zwischen beiden Kommunen an der Riedstraße in Erdmannhausen begann. In den 90er Jahren wurde diese Zäsur auf Wunsch der Gemeinde Erdmannhausen Richtung Marbach verschoben, um Grundstücke für das Erdmannhäuser Gewerbe zu schaffen. Die damalige Vereinbarung: Marbacher Betrieben müssten dann ebenfalls Flächen zur Verfügung gestellt werden.

Doch die Weiterentwicklung an der Ried-straße in Erdmannhausen scheiterte am Grunderwerb, so dass die Gemeinde Erdmannhausen jetzt die Grünzäsur lieber wieder Richtung Riedstraße verschieben würde. Somit könnte dann Richtung Marbach ein 9,7 Hektar großes gemeinsames Gewerbegebiet in Abschnitten realisiert werden.

Die Erdmannhäuser Verwaltung wünscht diesen Schritt. „Ich sehe sonst die Gefahr, dass wir auf lange Zeit keine neuen Gewerbeflächen mehr bekommen“, sagt Hauptamtsleiter Günter Sommer auf Nachfrage unserer Zeitung. Doch dass es in Erdmannhausen Vorbehalte gibt, zeigte schon die Gemeinderatssitzung im Juni, in der sich vor allem SPD-Rat Uwe Ziegler und CDU-Rat Rainer Kleinknecht skeptisch äußerten und Ziegler sogar von einem möglichen historischen Fehler sprach.

Ein Blick in die Geschichte lässt vermuten, worum es hier geht. In den 70er Jahren kämpfte die Gemeinde Erdmannhausen mit ihrem seinerzeit neu gewählten Bürgermeister Siegfried Menner erfolgreich gegen die Eingemeindung nach Marbach. Bei zwei Bürgeranhörungen stimmten jeweils 90 Prozent gegen einen solchen Zusammenschluss. 1974 beschloss der Landtag, dass Erdmannhausen selbstständig bleibt. Seither gibt es Befindlichkeiten, die jetzt offenbar wieder zutage treten.

Fakt ist aber auch, dass die Uhren heute anders ticken. „Als Verwaltung arbeiten wir mit der Stadt Marbach bereits in vielen Bereichen sehr gut zusammen“, betont Sommer. Er sieht bei einem gemeinsamen Gewerbegebiet keine Probleme, zumal alles vertraglich genau festgelegt würde.

Dass eine solche Gewerbegebiets-Ehe funktionieren kann, zeigt der seit 2011 bestehende Zweckverband Gewerbepark Bietigheimer Weg zwischen der Gemeinde Ingersheim und der Stadt Bietigheim-Bissingen. Die Gegebenheiten waren dabei ähnlich: Bietigheim-Bissingen hatte Richtung Ingersheim keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr und Ingersheim verfügte über die notwendigen Flächen. Durch die Kooperation der beiden Kommunen entsteht nun abschnittweise ein 16 Hektar großes Gewerbegebiet. Ingersheim hat mit 60 Prozent dabei die Majorität im Zweckverband. „Es funktioniert, aber es setzt auch laufende Abstimmungen auf Arbeitsebene voraus, es ist ein höherer Aufwand“, räumt der Ingersheimer Bürgermeister Volker Godel ein. Der Vorteil für das finanziell nicht so reich gesegnete Ingersheim: Die Gewerbesteuer hat laut Godel bereits angezogen.