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Interview

Interview mit Ralf Roschlau: Großer Einsatz für gutes Klima

Der Klimawandel beschäftigt Ralf Roschlau schon lange. Der 68-Jährige ist unter anderem Fraktionsvorsitzender der Grünen im Lauffener Stadtrat. Bis Ende 2018 war er für mittelständische Industrieunternehmen als Geschäftsführer tätig. Die Zeit danach nutzt er nun, um sich – wie er selbst sagt – als „Klimaaktivist für eine Umkehr des Klimawandels einzusetzen“. Sein Buch „Der Preis des guten Lebens“ stellt er vor am 1. Februar, 19.30 Uhr, als Online-Veranstaltung auf Einladung von attac Besigheim/Ludwigsburg und der Zukunftswerkstatt.

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Foto: privat
Besigheim/Lauffen.

Herr Roschlau, warum ist der Klimawandel für Sie so ein zentrales Thema?

Ralf Roschlau: Ich beobachte die Problematik des Klimawandels als Privatperson und Kommunalpolitiker schon lange. Dies brachte mich zur Einsicht, dass die natürlichen Ressourcen endlich sind. Stattdessen beuten wir sie allerdings viel zu sehr aus. Der auch dadurch verursachte Klimawandel bringt auf vielen Ebenen Verschiebungen. Denn wenn sich klimatische Bedingungen verändern, entstehen unkontrollierbare Naturkatastrophen, die Meeresspiegel steigen und Wanderungsbewegungen der Menschen in einer durch den Klimawandel veränderten Welt sind eine der Konsequenzen.

Wir müssen endlich aufhören, auf Kosten der Natur und des ärmeren Teiles der Menschheit zu leben. Dies sind nur wenige exemplarische Beispiele.

Wie lässt sich diese negative Entwicklung, Ihrer Ansicht nach, aufhalten?

Jeder Einzelne von uns kann etwas dafür tun. Bei den Recherchen für mein Buch ist mir aufgefallen, wie stark wir die Erde ausbeuten und ihre Rohstoffe verschwenden. Ich sehe mich als spätberufenen Klimaaktivisten. Als Angehöriger einer älteren Generation gebe ich mir durchaus eine Mitschuld an der Lage, wie sie heute ist. Ich habe vor meinem Veränderungsprozess Anfang der Jahrtausendwende nur sehr begrenzt auf Nachhaltigkeit geachtet. Als Einzelner will ich nun dazu beitragen, dass die Masse sich bewegt. Mein Buch will ein Denkanstoß sein. Die Fragen daraus sind dann: Wie lebe ich nachhaltiger? Was bewirke ich mit meinen täglichen Entscheidungen? Von dieser neuen Art zu denken, sollen die Leute dann in ein neues Handeln kommen.

Welche Mittel würden Sie einsetzen, wenn Sie politischer Entscheider wären?

Glücklicherweise kann man als Kommunalpolitiker direkter agieren als zum Beispiel in der Bundespolitik. Sagen wir mal, ich wäre Bundeskanzler, dann würde ich zunächst die Ministerposten mit wirklichen Fachleuten besetzen. Zu oft werden hier politische Posten nach dem Prinzip der guten Beziehungen verteilt, statt auf Expertise zu setzen. Die Lobbys in unserem Land spielen zudem eine zu große Rolle. Wir müssen mehr auf die Menschen und ihre Befindlichkeiten hören. Klimaprobleme müssen dauerhaft im Bewusstsein verankert werden. Denn meistens werden schlechte Nachrichten zur Kenntnis genommen und dann vergessen. Wichtig wäre mir auch, dass jeder Politiker nach seinem Gewissen handelt und nicht nach Fraktionszwang. Das ist zwar mühsamer, weil mehr Arbeit durch Diskussionen in Gremien entsteht, wäre aber hilfreicher und für die Gesellschaft nachvollziehbarer und damit ehrlicher.

Was kann der Einzelne in seinem Alltag tun, um das Klima zu schützen?

Jeder von uns kann als gutes Beispiel fungieren. Daher zeige ich in meinem Buch, wie aus den Fragen von heute die Antworten von morgen werden. Das Mobilitätsverhalten ist ein Beispiel. Wie oft greifen wir instinktiv zum Autoschlüssel, wenn wir von A nach B wollen. Dieses Verhalten kann man hinterfragen. Schlimm finde ich, wenn der Einkauf beim Bäcker, der nur 500 Meter entfernt ist, mit dem Auto getätigt wird. Urlaubsreisen sind ein weiteres Thema, mit dem man sich befassen kann. Eine Schiffskreuzfahrt ist ökologisch ein nahezu vollkommener Sündenfall. Die Schiffe verunreinigen die Meere mit Schwerölrückständen und der Übertourismus belastet die zur Erholung ausgewählten Reiseorte. Die Alternative des Urlaubsflugs ist keine wirklich bessere Option. Was uns die Pandemie gelehrt hat, ist die Tatsache, wie schön ein Urlaub im „Ländle“ sein kann.

Wo sehen Sie die Menschheit im Jahr 2121?

Mein Glaube an das Positive von uns Menschen ist unerschütterlich. Unser Planet wird mit seinen tierischen und menschlichen Bewohnern und seiner Natur weiter bestehen. Wir werden den Klimawandel im Griff haben, wenn wir jetzt zu sehen beginnen, welche direkten Konsequenzen er hat. Ich sehe die Menschheit im Jahr 2121 in einer besseren Welt mit mehr wirklicher Gleichheit und Gerechtigkeit. Wenn wir alle uns verändern wird dies letztendlich dazu führen, dass wir die Klimakrise bewältigen und damit unser Planet – und wir – überleben werden. Es geht also um nichts weniger als alles!

Info: Wer an der Lesung teilnehmen möchte, sollte sich an die Veranstalter der Zukunftswerkstatt wenden, E-Mail: info@zwbes.de.

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