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Theo-Lorch-Werkstätten im Teil-Lockdown

Jeden Morgen wird Fieber gemessen

Vor einem halben Jahr war in den Theo-Lorch-Werkstätten nach dem Lockdown wieder so etwas wie Normalität eingekehrt. Jetzt müssen sich alle Beschäftigen – Menschen sowohl mit als auch ohne Behinderung – wegen steigender Infektionszahlen wieder neu justieren.

Bereits im Frühjahr waren Trennscheiben an den Arbeitsplätzen angebracht worden, jetzt sind auch die Gruppen neu geordnet.Archivfoto: privat
Bereits im Frühjahr waren Trennscheiben an den Arbeitsplätzen angebracht worden, jetzt sind auch die Gruppen neu geordnet. Foto: privat

Kreis Ludwigsburg. „Wir haben sehr früh ein Schutzkonzept entwickelt und das läuft sehr gut“, sagt Isabell Brando, die Pressesprecherin der Theo-Lorch-Werkstätten, auf Nachfrage unserer Zeitung, „ich habe den Eindruck, unsere Beschäftigten sind viel disziplinierter als viele andere Menschen draußen.“

„Wir müssen für die Beschäftigten ein bisschen Normalität schaffen.“

Isabell Brando
Theo-Lorch-Werkstätten

Bereits nach der Wiederöffnung der Werkstätten im Mai waren transparente Plexiglas-Trennwände an den Arbeitsplätzen installiert worden, die Fahrt der Beschäftigten zu den Werkstätten war anders organisiert worden, um volle Busse zu vermeiden, und im Speisesaal herrschten Abstandsregeln: An Sechsertischen nahmen – und nehmen – nur noch zwei Personen Platz. Inzwischen ist sogar die Sporthalle zum Speisesaal umfunktioniert worden, damit alle Abstand halten können.

Nach dem erneuten Teil-Lockdown sind jetzt in den fünf Häusern der Werkstätten in Ludwigsburg, Bietigheim und Großbottwar die im Schichtbetrieb arbeitenden Gruppen umgestellt worden. Betroffen davon sind insgesamt rund 850 Menschen. Schichtbetrieb bedeutet, dass jede Gruppe nur zu Hälfte besetzt ist und im wöchentlichen Wechsel arbeitet.

Die Umstellung der Gruppen war allerdings nicht ganz einfach. Gut eingespielte Teams mussten getrennt werden. „Die Leute arbeiten zum Teil schon seit Jahren zusammen, ganz unabhängig davon, in welchem Wohnheim sie leben“, sagt Isabell Brando, „das haben wir jetzt ändern müssen, um das Infektionsrisiko zu minimieren.“

In den neu zusammengestellten Gruppen arbeiten jetzt nur Menschen zusammen, die auch zusammen wohnen. Das bedeutet aber auch, dass die Gruppenleiter ebenfalls die jeweiligen Schutzbereiche nicht wechseln dürfen, damit keine Infektionen weitergetragen werden.

Infektionen mit Covid-19 habe es gegeben, sie seien allerdings von außen hereingetragen und nicht weitergegeben worden, sagt Isabell Brando, „wir halten uns an die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts und des Gesundheitsamtes. Wenn es eine Infektion gab, haben wir sofort Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufgenommen.“

Das Schutzkonzept, anfangs mal ein schmaler Ordner von zehn Seiten Stärke, ist inzwischen auf 28 Seiten angewachsen. Es enthält außer Vorschriften zum Händewaschen, zum Abstandhalten, zum Aufstellen von Desinfektionsspendern im ganzen Haus und zum regelmäßigen Lüften auch die Abgabe von FFP2-Masken an Risikogruppen, täglich mit einem Spezialwaschmittel gewaschene Mund-Nasen-Bedeckungen und tägliches Fiebermessen beim Betreten der Werkstätten.

Wer Temperatur hat, wird separiert. So sind die Theo-Lorch-Werkstätten bisher ganz gut durch die Krise gekommen – „toi, toi, toi!“, sagt Isabell Brando, „so etwas wie diese Pandemie hat ja noch niemand erlebt. Es ist immer ein Stück weit ausprobieren und schauen, wie es wirkt. Und dazu müssen wir für die Beschäftigten und unsere Mitarbeiter ein bisschen Normalität schaffen und Struktur in den Alltag bringen.“

Für den Mai hatten auch die Theo-Lorch-Werkstätten Kurzarbeit angemeldet; zwischen 50 und 80 Prozent war die Arbeit für das 220-köpfige, nicht behinderte Personal heruntergefahren worden. 20 Prozent Lohn hatte die Einrichtung zum Kurzarbeitergeld draufgelegt, damit die Nettobelastung für die Mitarbeiter geringer war. Denn Entlassungen sollte es nicht geben.

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