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Polizeieinsatz

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft

Ein Polizist hat in Erligheim einen mutmaßlichen Bankräuber erschossen – dazu ermittelt jetzt routinemäßig die Staatsanwaltschaft. Es soll geklärt werden, ob der Polizist hätte schießen dürfen.

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Erligheim. Vor gut einer Woche versuchen zwei Männer einen Geldautomaten in Erligheim zu sprengen. Die Polizei ist informiert und mit einer Spezialeinheit vor Ort. Als die Sprengung kurz bevorsteht, greifen sie zu. Dabei geht einer der Tatverdächtigen mit einem 35 Zentimeter langen Schraubendreher auf die Beamten des Mobilen Einsatzkommandos los. Ein Polizist schießt, der 58 Jahre alte Mann stirbt noch am Unfallort.

War das Vorgehen der Polizei verhältnismäßig? Hätte nicht auch ein Schuss auf die Beine gereicht? Das fragt ein Leser unserer Zeitung. Zur Aufklärung der Hintergründe und um festzustellen, ob der Gebrauch der Schusswaffe auch gerechtfertigt war, ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Heilbronn. Dies sei die übliche Vorgehensweise und diene auch dazu, den Kollegen, der geschossen habe, zu entlasten, erläutert der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, Peter Widenhorn. Die Untersuchungen laufen derzeit noch, teilt die Staatsanwaltschaft Heilbronn auf Nachfrage mit.

Natürlich könne er den Ermittlungen nicht vorgreifen, aber aus seiner Sicht sei dem Kollegen keine andere Wahl geblieben, sagt Peter Widenhorn. Er habe aus Notwehr gehandelt. „Ein gezielter Schuss ist in aller Regel nicht mehr möglich, wenn man aus kurzer Distanz mit einer Stichwaffe bedroht wird und einen unmittelbaren Angriff auf die eigene Person abwehren muss.“ Ob der Polizist einen oder mehrere Schüsse abgegeben hat, ist noch unklar. Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, geben weder Polizei noch Staatsanwaltschaft dazu Auskunft.

Wann Polizisten ihre Dienstwaffe einsetzen dürfen, ist in Baden-Württemberg im Polizeigesetz geregelt. Demnach dürfen die Beamten im Einsatz von der Waffe nur als letztes Mittel der Gewalt Gebrauch machen. Auf Personen darf nur in Extremsituationen geschossen werden. Beispielsweise um ein Verbrechen, das gerade begangen wird und bei dem der Täter Schusswaffen oder Sprengstoff einsetzt, zu verhindern. „Ein Schuss, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tödlich wirken wird, ist nur zulässig, wenn er das einzige Mittel zur Abwehr einer gegenwärtigen Lebensgefahr oder der gegenwärtigen Gefahr einer schwerwiegenden Verletzung der körperlichen Unversehrtheit ist“, heißt es.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, zu dem die Landkreise Ludwigsburg und Böblingen gehören, haben Polizisten in diesem Jahr bisher 72-mal von ihrer Dienstwaffe Gebrauch gemacht. Dabei wurde laut Peter Widenhorn 68-mal auf Tiere geschossen und viermal auf Personen. Ein Mensch wurde verletzt, der Tatverdächtige in Erligheim starb.

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