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Jetzt fehlt nur noch Meister Adebar

Auf dem Dach des Museums im Schlössle ist am Samstag ein Storchennest installiert worden. Die spektakuläre Aktion lockte zahlreiche Zuschauer an.

Kommt ein Nest geflogen.
Kommt ein Nest geflogen.
Geschafft: Das Nestgestell wird eingehängt.Fotos: Oliver Bürkle
Geschafft: Das Nestgestell wird eingehängt. Foto: Oliver Bürkle

FREIBERG. Auf dem Unteren Schlosshof in Geisingen war am Samstag ungewöhnlich viel los. Hier wurde einem noch unbekannten Storchenpaar buchstäblich das Nest bereitet. Ein riesiger Kran fuhr vor, außerdem rückte die Höhensicherungsgruppe der Freiberger Feuerwehr an, die Unterstützung von zwei Benninger Wehrleuten aus deren Absturzsicherung erhielt.

Alle Beteiligten machen gerne

ehrenamtlich mit

Die aufwendigen Vorarbeiten waren bereits in den Wochen zuvor von der Initiatorin Elvira Kuhnle-Chmielnicki und ihrer Gruppe „Freunde des Storchs“ erledigt worden. Jan Mösche hatte ein für das Museumsdach passgenaues Holzgestell gezimmert. „Das hat viereinhalb Arbeitstage gedauert“, berichtete der Zimmermeister, der wie alle anderen Beteiligten ehrenamtlich tätig war. Gemeinsam mit dem Architekten Rudolf Block hat er im Schlössle unterm Dach eine Konstruktion zur Befestigung des Gestells gebaut. Dafür wurden vier Durchgangsziegel eingearbeitet und Metallträger an den Balken verschraubt, nachdem ein Statiker ein Gutachten erstellt und grünes Licht gegeben hatte. Kuhnle-Chmielnicki hat eine Nisthilfe aus Weide geflochten, die auf dem Holzgestell angebracht ist.

Während die Höhensicherungsgruppe ihre Klettergurte anlegte und mit Leitern aufs Dach gelangte, erzählte Elvira Kuhnle-Chmielnicki, wie die ganze Aktion zustande kam. „Mit meinem Enkel habe ich vergangenes Jahr immer die Störche im Wiesental beobachtet und mich an die Erzählungen der älteren Geisinger erinnert. Bis in die 50er-Jahre haben die Störche auf dem Kirchendach genistet“, weiß die Grünen-Stadträtin, die im vergangenen Frühjahr im Gemeinderat den Antrag stellte, ein Storchennest in Geisingen zu installieren. Die Kosten schätzte der Erste Beigeordnete Stefan Kegreiß auf 8500 Euro. Ob ein Storchennest tatsächlich angenommen würde, konnte die Initiatorin natürlich nicht garantieren. Als Kegreiß nachhakte, ob sie diese Ausgabe bei vager Erfolgsaussicht riskieren wollte, entschloss sie sich zur Eigeninitiative. Statt die Stadtkasse zu belasten, sollte das Storchennest mit Hilfe von Sponsoren und Helfern verwirklicht werden. Es gründete sich der lose Kreis „Freunde des Storchs“, der Spendengelder sammelte. Vor allem konnte Kuhnle-Chmielnicki ehrenamtliche Helfer gewinnen. Ein Gutachten des BUND nannte das Schlössle als geeignetes Gebäude.

Bevor das Nest vom Kran in luftige Höhe gezogen wurde, schenkte die Initiatorin es offiziell der Stadt, denn ein von Menschenhand gebautes Nest braucht einen rechtmäßigen Besitzer. Der dritte stellvertretende Bürgermeister Richard Kapfen-stein bedankte sich und drückte seine Freude über die Verwirklichung der Idee aus. „Ich muss ja nicht drinsitzen“, fügte er schmunzelnd hinzu. Und dann war es soweit: Das Nest wurde hinaufgezogen. Auf jeder Seite des Daches kletterte ein Feuerwehrmann hoch, während hinter den freigelegten Dachluken Rudolf Block und Jan Mösche auf ihren Einsatz warteten. Gemeinsam hängten sie das Nest-Gestell in die Konstruktion ein. Zahlreiche Schaulustige verfolgten das Spektakel.

„Hoffentlich gibt es dann bald wieder viele Kinder im Schlosshof“, witzelten die Anlieger Jürgen Krahl und Friedhelm Jorch. „Wir freuen uns, dass wir die Initiative unterstützen können und hoffen, dass sich der Storch jetzt hier niederlässt“, sagte Natascha Fischer, Juniorchefin der Baufirma Fischer, die Kran und Mitarbeiter kostenlos zur Verfügung gestellt hatte. Auch wenn die Ausgaben drastisch reduziert werden konnten, reichen die bisherigen Spendengelder noch nicht für die Materialkosten. Hier hofft Elvira Kuhnle-Chmielnick noch auf weitere Unterstützer, die ein paar Euro in die Spendendose werfen. Ansonsten bleibt es nur noch abzuwarten, ob sich Meister Adebar und seine Frau bei der Rückkehr aus dem Winterquartier ins gemachte Nest setzen.

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