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BETEILIGUNG

Jugend soll sich künftig stärker einbringen können

Die Stadt Kornwestheim wirbt derzeit bei jungen Menschen für ein geplantes Jugendbeteiligungsmodell. Junge Leute sollen eine Vertretung bekommen, eigene Ideen und Vorstellungen auch im Sozialausschuss des Gemeinderats vortragen dürfen.

Salsabil El Kilany, Florentina Muslijaj, Guilia Stephan, Sozialarbeiterin Josephine Röhrig und Liina Ott (von links) stellen im Ernst-Sigle-Gymnasium vor, wie das Beteiligungsmodell funktionieren soll. Foto: Andreas Becker
Salsabil El Kilany, Florentina Muslijaj, Guilia Stephan, Sozialarbeiterin Josephine Röhrig und Liina Ott (von links) stellen im Ernst-Sigle-Gymnasium vor, wie das Beteiligungsmodell funktionieren soll. Foto: Andreas Becker

Kornwestheim. Insgesamt 16 Schüler des Ernst-Sigle-Gymnasiums sind in den Musiksaal ihrer Schule gekommen und wollen von Schulsozialarbeiterin Josephine Röhrig mehr darüber erfahren, wie sie sich ins städtische Leben einbringen können. In Kornwestheim gibt es bereits spezielle Teilhabeangebote. Jetzt will die Kommune dem jungen Teil ihrer Bevölkerung eine eigene Stimme geben, die auch von den Stadträten gehört wird.

Seit Ende vergangenen Jahres entwickelt die städtische Abteilung Jugend in einem Arbeitskreis mit jungen Menschen das Kornwestheimer Modell der Jugendbeteiligung. Dieser Arbeitskreis ergab sich aus der städtischen Mitgliedschaft in dem landesweiten Programm „Jugend bewegt – Politik konkret: lokal, wirksam, vernetzt“ der Jugendstiftung Baden-Württemberg und des Landesjugendrings Baden-Württemberg.

Die geplanten Teilhabemöglichkeiten für 13- bis 21-Jährige seien bewusst offen gestaltet, erklärt die Schulsozialarbeiterin. Anfang 2020 sollen sogenannte Delegierte bestimmt werden. Gemeint sind damit junge Kornwestheimer, die sich einmal im Monat treffen und über die Anliegen ihrer Generation austauschen. Einmal im Quartal sollen auch Stadträte dazukommen. Zudem räumt das Konzept den Delegierten bei jugendbezogenen Themen Rederecht im Ausschuss für Soziales und Integration des Gemeinderats ein. Das ist eine gute Möglichkeit für die Stadträte, sich aus erster Hand über die Anliegen der Jugend zu informieren. Künftig könnten die Delegierten einmal im Jahr gewählt werden. Im ersten Jahr ist keine Wahl vorgesehen. So will die Abteilung Jugend eventuell vorhandene Berührungsängste schon im Vorfeld möglichst weit abbauen.

Im derzeitigen Stadium befinde sich das Beteiligungsmodell noch in einem Entwicklungsprozess, so die Schulsozialarbeiterin. Weiter ausgearbeitet wird es nur, wenn der Gemeinderat das Konzept mehrheitlich unterstützen sollte. Anfang Dezember wird der Stand der Dinge im Ausschuss für Soziales und Integration vorgestellt. Eine Entscheidung folgt laut Zeitplan noch vor der Winterpause, bei Zustimmung könnte sich die Delegation im Februar 2020 gründen.

Am 22. Oktober tagt der Arbeitskreis „Jugend bewegt“ im Jugendzentrum, die Schulsozialarbeiter werben nun an den anderen weiterführenden Schulen für das Beteiligungsmodell. Am Ernst-Sigle-Gymnasium melden sich sieben Schüler auf Röhrigs Frage, ob sie sich eine Mitarbeit in der Delegation vorstellen können. Auch die beiden Neuntklässlerinnen Jette und Henriette wollen das nicht ausschließen. Sie habe bislang nicht viel über die bereits bestehenden Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen gewusst, sagt Jette, von dem Beteiligungsmodell habe sie an ihrer Schule erfahren. Als Jugendliche habe sie schon manchmal das Gefühl, nicht gehört zu werden, sagt ihre Mitschülerin Henriette. Beide können sich vorstellen, dass die städtische Initiative ihnen tatsächlich mehr Mitsprache eröffnen wird. Politik werde ja meistens von älteren Menschen gemacht, meint Jette. „Vielleicht könnten sich so neue Möglichkeiten, miteinander ins Gespräch zu kommen.“

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