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Straßen

Kampf gegen Lärm und Bleifüße

In Markgröningen hat sich eine Interessengruppe gefunden, die gegen die Verkehrsbelastung in der Stadt vorgehen will

Bitte lächeln: Solche Messgeräte wie im Markgröninger Ortsteil Unterriexingen sollen helfen, dass Autofahrer vom Gas gehen. Mit Bauchschmerzen blicken vom Verkehr geplagte Bürger auf die Ausbaupläne für die Gewerbegebiete in Schwieberdingen und Sachs
Bitte lächeln: Solche Messgeräte wie im Markgröninger Ortsteil Unterriexingen sollen helfen, dass Autofahrer vom Gas gehen. Mit Bauchschmerzen blicken vom Verkehr geplagte Bürger auf die Ausbaupläne für die Gewerbegebiete in Schwieberdingen und Sachsenheim. Foto: Becker, Essig, Drossel

Markgröningen. Die Menschen in Unterriexingen sind Kummer gewohnt, was den Verkehr angeht. Mehr als 11.000 Fahrzeuge quälen sich täglich über die Hauptstraße. „In Spitzenzeiten durchfährt alle drei Sekunden ein Fahrzeug die Engstelle“, sagt Volker Gandert vom Bürgerforum. Der Verein hat mitgeholfen, eine Geschwindigkeitsanzeige am Ortseingang aufzustellen. Er ist gerade dabei, eine weitere zu sponsern. Die Anlage belegt, dass bis zu 25 Prozent der Verkehrsteilnehmer die zulässige Geschwindigkeit überschreiten. Einmal donnert ein Fahrzeug mit 150 Sachen durch das Dorf. Erlaubt sind 50 km/h.

„Die Situation ist unerträglich“, sagt Bärbel Öftering, die sich wie Gandert im Bürgerforum engagiert. Manche Häuser stehen keine drei Meter vom Straßenrand entfernt. Zwar existiert in Unterriexingen und Markgröningen längst ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen. „Das ist aber für die Katz“, sagt Öftering, „weil es nicht genug kontrolliert wird.“ Mit diesem Gefühl ist sie nicht allein, auch wenn Kontrollen der Polizei bisher nur geringe Übertretungen ausgewiesen haben. Mark Groselj vermutet: „Die Lastwagenfahrer warnen sich untereinander, wenn mal wieder kontrolliert wird.“

In Markgröningen ist die Stimmung kaum besser. Dort wohnt Astrid Schön an der Straße nach Unterriexingen, die topografisch anspruchsvoll ist: Es geht bergauf und bergab. „Die Respektlosigkeit der Autofahrer hat zugenommen“, hat sie beobachtet. Gleiches gelte für die Brummis. „Ich mache mir Sorgen, dass meinen Kindern etwas passiert“, bekennt sie. Die müssen, um in die Ludwig-Heyd-Schule zu kommen, die Straße über einen Zebrastreifen queren. „Das funktioniert aber nicht gut“, sagt Schön.

Die Stadt hat seit rund zwei Jahren einen Lärmaktionsplan, in dem die Einfallstraßen rot gefärbt sind, weil hier die Belastungen besonders groß sind. Das Problem: Von dem Werk geht kaum Aktion aus. Thomas Gamer hat den Plan unter die Lupe genommen. Seine Befürchtung: Die zugrundeliegenden Zahlen sind veraltet. In Wahrheit seien auf den Straßen mehr Fahrzeuge unterwegs, die für mehr Geschwindigkeitsverstöße und Lärm sorgen – und der hat Auswirkungen auf die Gesundheit. „Lärm ist ein Stressfaktor und macht krank“, sagt Gabriele Wilms. Er sorge für Schlafstörungen, Bluthochdruck und Aggressionen. „Ich wache morgens auf und habe nicht das Gefühl, erholt zu sein“, sagt sie.

Abfinden wollen sie sich mit diesen Zuständen nicht. Also haben das Unterriexinger Bürgerforum und die Markgröninger Mitstreiter ein Bündnis gegen die tägliche Verkehrsbelastung gegründet und Forderungen aufgestellt. „Es ist nicht unser Ziel, den Verkehr auszusperren und damit anderen aufzubürden“, sagt Gandert. „Wir wollen den Verkehr sicherer und erträglicher machen.“ Sie verlangen innerorts Tempo 40 wie in anderen Kommunen auch, stationäre Blitzer, Induktionsblitzgeräte zur Kontrolle und Dokumentation der Laster, Fahrradspuren und Gehwegschutz für Kinder und Fußgänger. Längerfristig soll ein überregionales Verkehrskonzept her, das im Dialog mit Städten und Gemeinden aufgestellt wird. Wilms macht deutlich: „Wir wollen gemeinsam mit dem Markgröninger Rathaus Verbesserungen erreichen.“

Dort sitzt Bürgermeister Rudolf Kürner, der für einen Lückenschluss der Nordumfahrung kämpft, weil er sich dadurch Entlastung erhofft. Das Projekt ist umstritten. „Wir wollen die Vollendung nicht“, sagt die Unterriexingerin Öftering, weil sie dann auf ihren Ort noch mehr Verkehr zurollen sieht. In der Stadt gibt es schon eine Bürgerinitiative, die dagegen kämpft. Sie heißt: Naherholung statt Nordumfahrung.

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