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Landwirtschaft

Kartoffeln haben hohe Ansprüche

Am liebsten hätten die Kunden mit dem Beginn der Spargelsaison auch neue Kartoffeln auf dem Teller. Doch das ist nicht so einfach: Die Kartoffel hat es gerne warm. Als mit einer der ersten Landwirte im Kreis hat Steffen Klotz am Mittwoch 500 Kilo Annabelle geerntet.

Mirjam Klotz, Werner Hahn und Ewald Klotz sortieren routiniert Dreck und Pflanzen aus.
Mirjam Klotz, Werner Hahn und Ewald Klotz sortieren routiniert Dreck und Pflanzen aus. Foto: Holm Wolschendorf
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Remseck/Steinheim. Am 2. März hat der Steinheimer Landwirt die Pflanzkartoffeln auf seinem Feld in Remseck gepflanzt und mit einem Vlies gegen den Frost abgedeckt, aber die Austriebe sind in den kalten Nächten im Mai doch erfroren. Bis sie dann neue Triebe nachschieben, dauert es nochmal zehn Tage. Mit diesem Problem hatten fast alle Kartoffelbauern zu kämpfen, lediglich im Heilbronner Umfeld wurde früher geerntet. Dort sei es generell etwas wärmer, zudem hätten die Landwirte am Fluss die Möglichkeit der Frostberegnung, da sie mit Wasser aus dem Neckar arbeiten könnten. „Wir müssten hier Trinkwasser nehmen und wenn ich denke, dass manche 14 Tage lang ihre Kartoffeln frostberegnet haben, wäre das teuer geworden“, so Klotz. 60 bis 80 Kubikmeter Wasser wären notwendig und das bei einem Preis von zwei Euro.

Die Kartoffeln, die jetzt mit dem Vollernter gerodet werden, sehen aus wie gemalt. Klotz‘ Frau Mirjam, sein Schwiegervater Ewald und Mitarbeiter Werner Hahn entfernen routiniert Dreckklumpen und Pflanzen, helfen einigen Exemplaren über das Sortierband. Ein paar sind aber noch zu klein, daumengroß, sie fallen durch das Sieb. Ein paar gehen so verloren, die liest Mirjam Klotz extra auf. „So früh im Jahr bückt man sich nach jeder Kartoffel“, erklärt Ewald Klotz, schließlich kostet der 1,5 Kilo-Sack derzeit noch rund 3,50, später sind es drei Euro für 2,5 Kilo. Geerntet wird übrigens wöchentlich, je nach Bedarf. Da heute die Ernte nach einer Reihe noch nicht ausreicht, beschließt Klotz, noch eine zweite Reihe zu roden.

Die Pflanzkartoffeln werden in Kisten von acht bis zehn Kilo gekauft und dann bei fünf bis acht Grad warm gestellt. Sie bekommen zudem ein besonderes Lichtprogramm mit LED, damit sie keimen. Sobald es zwei Tage lang keinen Frost hat und auch die Wettervorhersage gut aussieht, werden sie von Hand in den Legeapparat gelegt, damit die Keime nicht abbrechen. Von dort fallen sie in die Erde. „Da muss man sehr vorsichtig sein“, so Klotz. Ebenso bei der Auswahl des Pflanztermins: Es sollte auch nicht zu nass sein. „Manchmal haben wir schon im Februar gepflanzt, aber auch schon später.“ 90 Tage dauert es, bis dann geerntet werden kann. Um zu sehen, ob die richtige Größe schon erreicht ist, werden stichprobenartig einige Exemplare ausgegraben.

Auf 75 Ar hat Steffen Klotz die Sorte Annabelle angebaut, danach folgen nicht ganz so frühe und im September werden die späten Kartoffeln von vier Hektar ins Lager gebracht. Klotz hat extra in ein Kühllager investiert, die richtige Temperatur zur Lagerung ist eine Philosophie für sich. „Man muss aufpassen, dass es nicht zu warm ist und sie keimt, sie darf aber auch nicht zu süß werden. Wir haben im Lager 4,8 Grad“, so Klotz. So werden die Kartoffeln über den Winter gerettet – bestenfalls bis zur Ernte der neuen Frühkartoffeln. Die Ungeduldigen, die dann Kartoffeln aus Zypern kaufen, kann Klotz nicht ganz verstehen: „In Zeiten des Klimaschutzes sollte man doch auf Regionalität setzen.“ Abnehmer hat Klotz trotzdem genügend: Privatkunden im Hofladen in Remseck oder in der Kartoffelkisten in Steinheim, aber auch Marktbeschicker und Betreiber von Hofläden sowie Gaststätten. Auf dem Großmarkt ist er nicht vertreten. Kartoffeln können so selten das einzige Standbein eines Landwirtes sein, der Anbau und die Lagerung sind zu kompliziert und zu aufwendig. Auch braucht es gute Böden und Südhänge. Klotz hat deshalb auch Zuckerrüben, Mais sowie Getreide auf den Feldern angebaut.

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