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Freizeit
Kaum Chancen auf legalen Mountainbike-Trail in Gerlingen

Ein Mountainbiker heizt durch den Wald: Einen offiziellen Trail soll es in Gerlingen auch künftig nicht geben – weil es Radler nicht davon abhalte, abseits der Routen zu fahren. Foto: Seeger/dpa
Ein Mountainbiker heizt durch den Wald: Einen offiziellen Trail soll es in Gerlingen auch künftig nicht geben – weil es Radler nicht davon abhalte, abseits der Routen zu fahren. Foto: Seeger/dpa
Mountainbiker im Wald machen sich zusehends Feinde. Es gibt Anhänger des Sports, die rücksichtslos durch den Forst brettern. Jetzt überlegt die Stadt Gerlingen, wie man dieses Problem lösen kann.

Gerlingen. Im Gerlinger Forst geht es zu fast jeder Tageszeit rund. Grelle Stirnleuchten erlauben den Mountainbikern auch Fahrten, wenn es bereits stockfinster ist. Kreuz und quer geben ausgefahrene Trampelpfade und geknickte Zweige Aufschlüsse über die Routen. Sie stören Wild, Jäger und Förster – und zerstören die Natur. Dabei ist es in Gerlingen und anderswo verboten, die angelegten Waldwege zu verlassen. Auf Trassen unter zwei Metern Breite, auf Sport- und Lehrpfaden ist Radeln ohnehin untersagt.

Nach dem Ausschuss für Umwelt und Forsten in Gerlingen befassten sich in dieser Woche auch die Mitglieder des Finanz- und Verwaltungsschusses mit dem Problem, das seit Corona signifikant zugenommen hat, wie es heißt. Ein weiterer Faktor ist der Siegeszug der E-Bikes und der Klimawandel, der Skifahren schwieriger macht. Deshalb holen sich immer mehr Freizeitsportler offenbar ihren Kick im Wald.

Waldarbeiter eliminieren Schanzen

Die Waldarbeiter in Gerlingen entdeckten zuletzt immer wieder wilde Trails, hieß es im Ausschuss, auf denen Erde zu künstlichen Hügeln aufgeschüttet wurde – mit Konstruktionen aus Brettern, Nägeln und Draht. Darüber hinaus wurden Rampen und Schanzen gebaut, die aber umgehend wieder auf Kosten der Allgemeinheit entfernt wurden. Vier Angestellte sind in Gerlingen für eine Waldfläche von 800 Hektar zuständig – und die hätten auch besseres zu tun, als zudem die Eingänge zu den Pisten zu verrammeln.

Aufgrund seiner angrenzenden Lage zum Stuttgarter Staats- und Stadtforst wird der Gerlinger Stadtwald regelmäßig für langanhaltenden Fahrspaß erschlossen. So wurde ein illegaler Trail im Krummbachtal und am Stöckach sowie eine weitere, nicht zulässige Mountainbike-Strecke quer durch den Gerlinger Stadtwald angelegt. Um den Streckenverlauf zu optimieren, wurden vereinzelt sogar Bäume gefällt und Wurzeln ausgegraben, berichten Augenzeugen.

Dirtbahn für Jüngere im Gespräch

„Diese künstlich geschaffenen Anlagen stellen waldatypische Gefahren dar“, hieß es im Ausschuss im schönsten Verwaltungsdeutsch weiter. Neben den waldbaulichen Schäden wird vermehrt auch Müll gefunden: Flaschen, Folien, Nägel, Fahrradequipment und Werkzeug. Unterwegs sind meist Erwachsene, die Strecken abseits der angelegten Wege suchen. Eine Gruppe eher jüngerer Fahrer beschäftigt sich wohl zusätzlich mit dem Bau von Hindernissen.

Als Lösung wird in solchen Fällen oft ein offizieller Mountainbike-Trail ausgewiesen, auf dem sich die Radler legal austoben können. Erfahrungen aus jüngster Zeit und in anderen Kommunen haben aber gezeigt, dass der erwünschte Erfolg ausbleibt, teilt die Stadt Gerlingen mit. Es werde weiter wild durchs Unterholz gebrettert. Diese Alternative ist jetzt verworfen worden.

Eine weitere Möglichkeit ist, für jüngere Fahrer eine Fläche für eine sogenannte „Dirtbahn“ anzulegen. Dies, so die Gerlinger Stadtverwaltung, könne dazu beitragen, die Probleme durch illegale Strecken zu mindern. Dabei handelt es sich um eine hügelige Geländestrecke, die es den Mountainbikern ermöglicht, Sprünge und Tricks auszuführen. Dadurch würde ein weiteres attraktives Freizeitgelände für die Stadt Gerlingen geschaffen, ohne dabei naturschutzrechtlich sensible Bereiche zu belasten. Diese Idee wird jetzt in der Kommunalpolitik mit vorbereitenden Planungen weiterverfolgt.