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Kraftwerk

Kaum kritische Nachfragen

Info-Nachmittag der EnBW – Bürger wollen wissen, wie die Netzstabilisierungsanlage aussieht

Gegenüber dem alten Kraftwerk liegt die Fläche, auf der die Netzstabilitätsanlage gebaut werden soll (orange eingerahmt). Visualisierung: Agentur Tandem
Gegenüber dem alten Kraftwerk liegt die Fläche, auf der die Netzstabilitätsanlage gebaut werden soll (orange eingerahmt). Visualisierung: Agentur Tandem
Mitarbeiter der EnBW standen Rede und Antwort.Foto: Holm Wolschendorf
Mitarbeiter der EnBW standen Rede und Antwort. Foto: Holm Wolschendorf

Marbach. Fünf Stunden lang sind Mitarbeiter der EnBW gestern Bürgern Rede und Antwort gestanden und zwar vor Ort im Energie- und Technologiepark am Neckarufer. In unmittelbarer Nachbarschaft zu diesem will das Unternehmen ein neues Kraftwerk bauen, das die meiste Zeit des Jahres nicht läuft, sondern dazu dient, das Netz bei Stromausfällen zu stabilisieren.

Deshalb spricht die EnBW auch nicht von Kraftwerk, sondern von „Netzstabilisierungsanlage“. Bis zum späten Nachmittag – die Bürgerinformation war zwischen 15 und 20 Uhr angesetzt – mussten die Besucher nicht nach Gesprächspartnern suchen; die „Betreuungslage“ durch EnBW-Mitarbeiter betrug häufig 1:1.

Es gehe darum, Bedenken und Vorschläge der Bürger noch mit in die Planung aufzunehmen und ganz generell „ein Stimmungsbild mitzunehmen“, sagte Pressesprecher Jörg Busse. Dafür hatte die EnBW so ziemlich alles aufgeboten, was mit der geplanten Anlage zu tun hat. Hannah Grüner, zum Beispiel, die mit dem Genehmigungsverfahren befasst ist: „Die Planungen laufen auf Hochtouren“, sagte sie auf die Frage nach dem Stand der Dinge. Ob die EnBW den Zuschlag aber tatsächlich erhält, hängt ausschließlich von der Bundesnetzagentur ab. Und wenn nicht? „Mit dem Risiko lebt ein Unternehmen immer“, sagt Hannah Grüner, „aber wir haben keinen Grund, pessimistisch zu sein.“ Im Gemeinderat haben sich CDU, SPD und Freie Wähler schon mal positiv geäußert.

Vom BUND stand gestern Joachim Lösing vor den Schautafeln, die mögliche Fragen formulierten („Welche Art von Kraftwerk ist für Marbach geplant?“ „Warum haben wir Marbach gewählt?“ „Was ist mit Immissionen und CO-Ausstoß?“) und Antworten aus EnBW-Sicht gaben. Nein, Widerstand werde vom BUND nicht kommen, sagt Lösing. Weil die Anlage nur selten eingeschaltet werden soll – die Rede ist von 40 bis 50 Stunden im Jahr –, gehe es um eine sehr geringe Emissionsmenge, das spreche für das Kraftwerk. Und ja, dass es mit Öl statt mit Gas betrieben werde, habe schon zu kritischen Fragen innerhalb des BUND geführt.

Welches Stimmungsbild nahmen die EnBW-Mitarbeiter gestern nun mit? Viele technische Fragen seien gestellt worden, hieß es unisono und vor allem: Wie das Kraftwerk denn eigentlich aussieht, wenn es im Winter 2022 in Betrieb geht? Entsprechend dicht umlagert war deshalb auch die Tafel mit der Visualisierung des Neubaus. „Ich wollte mal sehen, was geplant ist und was auf uns zukommt“, sagte eine Marbacher Bürgerin; und was sie nun gesehen habe, wirke „eher beruhigend“.

Zehn Jahre soll die Anlage laufen – und was passiert dann mit dem Gebäude samt Schornstein? Abgerissen werden soll es nicht, eine Nachnutzung auf dem Energiemarkt ist aber auch nicht vorgesehen. Es könnte sein, dass der Vertrag zur Netzstabilisierung verlängert wird, hieß es; das entscheide aber die Politik.

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