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Marbacher Gemeinderäte scheuen hohe Kosten
Kaum noch Hoffnung für das Marbacher Hallenbad

Die Türen werden sich im Hermann-Zanker-Bad wohl eher nicht mehr öffnen. Archivfoto: Ramona Theiss
Die Türen werden sich im Hermann-Zanker-Bad wohl eher nicht mehr öffnen. Archivfoto: Ramona Theiss
Es ist nie einfach, wenn man etwas schließen muss, aber wir haben keine andere Wahl“, machte Bürgermeister Jan Trost die Haltung der Verwaltung zur eigentlich nicht mehr vorhandenen Zukunft des Hermann-Zanker-Bades in der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik deutlich. Er möchte lieber alle Kraft und Energie in einen Neubau stecken. Die Gemeinderäte im Ausschuss zaudern noch.

Marbach. Mit einem 18 Jahre alten Auto verglich Dr. Martin Mistele (Freie Wähler) das Bad: „Da hat der TÜV festgestellt, dass die Bremsen und die Lenkung nicht mehr funktionieren und man muss sich von seinem lieb gewonnenen Auto trennen“, sagte er. Bei einem Spritverbrauch von 25 bis 30 Liter, spann er den Vergleich weiter, habe man auch eine „staatsbürgerliche Verantwortung“: „Wir müssen unseren Beitrag zum Sparen leisten“, sagt er mit Blick auf die Gaskrise. Jochen Biesinger (CDU) war der Einzige, der Kritik an den Stadtwerken übte: „Schade, dass die Stadtwerke nicht früher den Tüv gemacht und kontinuierlicher und proaktiver an der Unterhaltung gearbeitet haben. Dann wäre der Berg nicht so groß. Die Bäder insgesamt sind bei den Stadtwerken gerade nicht so beliebt, siehe Ludwigsburg, und da kommt das Gutachten gelegen. Mir gefällt das nicht, wie es gelaufen ist“, betonte er. Den SPD-Fraktionsvorsitzenden Ernst Morlock beschäftigte zudem, dass mit der Sanierung keine energetische Verbesserung einhergehe. „500000 Euro sind ein Betrag, der nur schwer aufzubringen wäre“, hatte auch er die schlechte finanzielle Lage der Stadt im Blick. „Lieber setzen wir unsere finanziellen und personellen Ressourcen für einen Neubau ein.“ Einzig die Grünen-Fraktionsvorsitzende Barbara Esslinger hat mit einer Instandsetzung noch nicht ganz abgeschlossen. „Es ist die schwerste Entscheidung in den 18 Jahren, in denen ich Gemeinderätin bin. Ich frage mich auch, wie wir einen Neubau finanzieren wollen“, sagte sie und liebäugelt vielleicht doch mit einer Instandsetzung.

Die Mängel brachte ein Gutachten der Firma Fritz Planung ans Licht: Das Gutachten veranschlagt Kosten von rund 500000 Euro, um die technischen Mängel des Bades zu beseitigen, wie ein neuer Kran für die Chemikalien, die Brandschutzsanierung, eine neue Chlorgasgranulatanlage, Investitionen in die Beckenwassererwärmung oder eine Brandmeldeanlage. Hinzukommt die Gaskrise in Kombination mit der Inflation. Die ungedeckten Kosten lagen in den vergangenen Jahren bei durchschnittlich 215000 Euro pro Jahr, mit der Preissteigerung beim Gas ist jetzt mit 286000 Euro zu rechnen, informierte die Erste Beigeordnete Franziska Wunschik. Der Transport der Schüler zum Schwimmunterricht in umliegende Bäder kostet indes 75000 Euro. Darauf zielte Barbara Esslinger ab und verrechnete in einem ersten Gedankengang vor sich hin murmelnd den Abmangel in zwei Jahren, den die Stadt durch die Schließung spart, mit den Instandsetzungskosten.

Das Bad stößt zudem 328 Tonnen Co2 pro Jahr aus, das sind 20 Prozent aller städtischen Gebäude. Für die Sanierung muss das Bad zwei Jahre geschlossen bleiben und dann „haben wir noch keine energetische Sanierung“, so Trost. .

Kleine Hoffnungsschimmer, die der Marbacher Schwimmverein, aber auch einige Stadträte noch gehegt hatten, machte die Beantwortung der vom Verein im Vorfeld gestellten Fragen nahezu zunichte.

Sind wirklich alle Maßnahmen dringend notwendig?

Es müssten alle Maßnahmen erledigt werden, um den Betrieb zu sichern, so ein Vertreter der Firma Fritz Planung. „Wir haben den Betreib eingestellt, weil das Risiko nicht mehr kalkulierbar ist“, betonte ein Vertreter der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim.

Kann man die Technik in einen Container auslagern?

Die Technik ist im Untergeschoss verbaut. Einzelne Komponenten funktionierten nicht mehr und müssten erneuert werden. „Das macht keinen Unterschied, wo man das macht.“ Die neuen Komponenten könne man bei einem Neubau wieder verwenden, dann gebe es aber Probleme mit der Gewährleistung.

Muss das Bad bei einer Instandsetzung tatsächlich geschlossen sein?

Ja. Grundlegende Teile wie die Chlorgasanlage müssten von Gesetzes wegen funktionieren, damit die Menschen nicht krank werden. Das gelte auch für die Beckenerwärmung. „Bei kaltem Wasser kommen auch keine Badegäste“, so der Vertreter. Das Gleiche gelte für einen eingeschränkten Nutzerkreis, zum Beispiel Verein und Schüler. „Die Gesundheit darf nicht bedroht werden. Wenn wir einen Haftungsausschluss unterschreiben, greift keine Versicherung mehr, die Stadt oder gar der Bürgermeister oder ich müssten in vollem Umfang haften“, sagte Wunschik. Trost signalisierte aber, dass man mit dem Schwimmverein nach Alternativen suche und eventuell ein kleines Rettungspaket schnüren würde, um den Verein über die schwierige Zeit zu bringen.

Braucht es eine neue Chlorgasanlage und einen Plattenwärmetauscher?

Das Problem ist die Lage des Chlorgasraumes, der höher als die Straße und zu nahe an der Wohnbebauung liegt. Von einer Chlorgranulatanlage im Keller gehe keine Gefahr aus. Ohne warmes Wasser gebe es ein Hygieneproblem.

Wie geht es weiter?

Die Stadt will bereits jetzt den Kontakt mit der Fachexpertengruppe „Die Bädermeister“ suchen und eine Projektgruppe für den geplanten Neubau im Lauerbäumle bilden. Der Gemeinderat entscheidet am 13. Oktober endgültig über die Zukunft des Hermann-Zanker-Bades. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr in der Stadthalle mit einer Bürgerfragestunde.