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Artenvielfalt und Naturschutz
Keine Einigkeit beim Naturdenkmal Lehmgrube in Besigheim

Das alte Ziegelei-Gelände: Richtung Straße werden Wohnungen errichtet, auf dem unbebauten Areal wird die Artenvielfalt geschützt. Archivfoto: Ramona Theiss/LKZ
Das alte Ziegelei-Gelände: Richtung Straße werden Wohnungen errichtet, auf dem unbebauten Areal wird die Artenvielfalt geschützt. Archivfoto: Ramona Theiss/LKZ
Um die Artenvielfalt und vor allem die Wildbienen zu schützen, wird die Lehmgrube auf dem Gelände der alten Ziegelei in Besigheim zum Naturdenkmal. Zu den Plänen des Landratsamts Ludwigsburg gibt es im Besigheimer Gemeinderat viele Meinungen und Ansichten, allerdings keine gemeinsame Stellungnahme.

Besigheim. In der Sitzung im August hatte der Besigheimer Gemeinderat noch Klärungsbedarf gesehen, etwa was die Größe des 4,2 Hektar großen Naturdenkmals betrifft. Also wurde ein Vertreter des Landratsamts Ludwigsburg eingeladen. Dr. Christian Sußner vom Umweltdezernat stand nun in der jüngsten Gremiumssitzung Rede und Antwort. Er betonte, dass Besigheim zwar Einwendungen gegen die Pläne erheben könne, die dann in die Abwägung einflössen. Aber: „Keine Zustimmung führt nicht zwingend dazu, dass das Naturdenkmal nicht ausgewiesen wird.“ Die Naturschutzbehörde entscheide nach eigenem Ermessen, ob die Lehmgrube am Spindelberg zum Naturdenkmal werde und in welcher Größe.

Beschluss mit weitreichenden Folgen

Das komplette Ziegelei-Gelände ist 6,6 Hektar groß, die Lehmgrube liegt im hinteren Bereich. Das gesamte Areal ist im Besitz des Wohnbauunternehmens Layher, das im vorderen Abschnitt Wohnungen bauen möchte. Die Entscheidung der Ludwigsburger Behörde hat weitreichende Folgen und nicht nur Einfluss auf die Größe des Bauumfangs. Ein Naturdenkmal ist deutlich strenger geschützt als ein Landschaftsschutzgebiet. Es darf nicht mehr betreten werden und wird auch eingezäunt. Eine Freizeitnutzung wäre also nicht möglich.

Landesweit bedeutendes Wildbienen-Biotop

Das stößt der Fraktion FWV/FDP sauer auf: „Die Größe der Fläche ist unangemessen. Mehr als vier Hektar Grünfläche einzuzäunen, ist in unmittelbarer Nähe dichter Bebauung für die Bewohner und insbesondere die Kinder unzumutbar“, fasste es Vorsitzender Walter Zeyhle zusammen. Die Fraktion beantragte, dass lediglich die ehemaligen Abbruchkanten Naturdenkmal werden sollten, die restliche Fläche solle dem Landschaftsschutzgebiet Enztal zugeschlagen werden. „Das würde den Schutzzwecken nicht entsprechen“, erwiderte Sußner. Er verwies abermals auf das landesweit bedeutende Wildbienen-Biotop. Helmut Fischer (BMU) betonte, dass ein Landschaftsschutzgebiet an dieser Stelle absolut nicht ausreichend wäre, um die Arten zu schützen.

Kompromiss zwischen Naturschutz und Wohnbau

Die Größe des Geländes bewegte auch Achim Schober (Fraktionsbündnis/CDU): Der Zuschnitt sei ihnen noch nie nachvollziehbar belegt worden; „es gibt mehrere Kanten, die sich uns nicht direkt erschließen“. Was den Zuschnitt des Areals betrifft, sagte der Dezernent – auch auf Anmerkungen in der Bürgerfragestunde hin –, dass die jetzt geplante Abgrenzung natürlich eine Art Kompromiss darstelle. Im Vorfeld hatte es Gespräche zwischen Behörde, Wohnbauunternehmen und Stadt gegeben. Es sei ein Kompromiss, „mit dem wir sehr gut leben können“. Er werde den Belangen Naturschutz und Wohnbau gerecht.

Diskutiert wurde auch darüber, welche Konsequenzen ein Naturdenkmal für Honigbienen beziehungsweise Imker hätte. Gilt hier, wie in einem Gutachten geschrieben, ein Aufstellungsverbot im Umkreis von drei Kilometern?, wollte Zeyhle wissen. Denn das würde bedeuten, dass auf der Gemarkung Besigheim keine Imkerei mehr möglich sei und Sonderkulturen im Obstbau erschwert würden. Maßgeblich sei das, was in der Verordnung beschlossen werde, meinte Sußner – und dort werde stehen, dass Honigbienen nicht aktiv auf das Naturdenkmal eingebracht werden dürfen. Es ist also verboten, einen Bienenstock direkt aufs oder ans Gelände zu setzen. BMU-Stadtrat Thomas Pulli, Vorstandsmitglied des Bezirksvereins für Bienenzucht, appellierte dringend, das Naturdenkmal umzusetzen.

Jeweils acht Ja- und acht Nein-Stimmen

Bevor über den Vorschlag der Stadtverwaltung abgestimmt wurde, keine Einwände gegen das Naturdenkmal zu erheben, war zunächst der Antrag der Freien Wähler an der Reihe. Mit acht Ja-Stimmen von den Fraktionen FWV/FDP und CDU/WIR sowie acht Nein-Stimmen (BMU, SPD, CDU/WIR und Bürgermeister Steffen Bühler) wurde der Antrag abgelehnt. Eine Pattsituation gab es allerdings auch beim Beschlussvorschlag der Verwaltung. Und so gibt die Stadt nun keine Stellungnahme zum geplanten Naturdenkmal ab.