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Kindesmissbrauch

Kita-Azubi muss lange hinter Gitter

Zwei Jahre lang vergreift sich ein Azubi einer privaten Kita in Schwieberdingen an Kleinkindern – gestern ist er dafür mit fünfeinhalb Jahren Haft bestraft worden.

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Das Stuttgarter Landgericht spricht am Dienstag einen früheren Kita-Azubi wegen des sexuellen Missbrauchs an Kleinkindern schuldig und verurteilt ihn zu fünfeinhalb Jahren Haft. Foto: Sebastian Goll/dpa

Schwieberdingen/Stuttgart. Der 21 Jahre alte Angeklagte kommt zum Prozessauftakt vor zwei Wochen in Handschellen ins Stuttgarter Landgericht. Er versteckt sein Gesicht hinter einer Mappe. Kurz danach müssen alle Prozessbeobachter den Saal verlassen. Die Richterin Cornelie Eßlinger-Graf: „Zwar ist das Interesse der Öffentlichkeit an dem Fall berechtigt. Es überwiegt aber der Schutz der Opfer – und des heranwachsenden Angeklagten.“

Auch zur Urteilsverkündung am gestrigen Dienstag ist außer den Prozessbeteiligten niemand zugelassen. Am Mittag verschickt das Gericht dann eine Pressemitteilung. Darin teilt es mit, dass der Angeklagte für fünfeinhalb Jahre hinter Gitter muss. Die Liste seiner Straftaten, für die ihn das Gericht schuldig spricht, ist lang: schwerer sexueller Missbrauch von Kindern in drei Fällen, sexueller Missbrauch von Kindern verbunden mit der Herstellung kinderpornografischer Schriften in zwei Fällen und Besitz kinderpornografischer Schriften.

Tatort ist zwischen März 2016 und März 2018 eine private Kita, in der Mitarbeiter des Weltunternehmens Bosch ihren Nachwuchs betreuen lassen. Das Alter der missbrauchten Opfer: zwischen ein und drei Jahren. Besonders abscheulich: Nach Überzeugung des Gerichts fotografiert und filmt der geständige Angeklagte seine Handlungen auch noch teilweise. Auf seinem Computer stellen Ermittler zudem unzählige Kinderpornos sicher.

Ein Bosch-Sprecher will sich gestern auf Anfrage unserer Zeitung nicht zu den Vorfällen äußern. „Wir waren nicht Bestandteil des Verfahrens“, sagt er. Das Unternehmen hat den Kita-Betreiber in Schwieberdingen längst gewechselt. Das Interesse an Betreuungsplätzen sei nach wie vor hoch. „Die Eltern bekommen jede Hilfe, die sie brauchen.“

Ein Verfahren gegen die frühere Kitaleiterin wegen Unterlassens treibt die Staatsanwaltschaft derweil nicht mehr voran. Der Verdacht habe sich nicht erhärtet.

Der Täter kommt über ein Praktikum an die Schwieberdinger Kita, ehe er zum Schuljahr 2016/2017 Azubi wird. Vor Gericht gibt der Mann an, dass er künftig nicht mehr als Erzieher arbeiten wolle, sondern eine Ausbildung für Elektronik anstrebe.