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Mobilität

Kleine Rakete auf der Überholspur

Thomas Schöps flitzt mit einem Velomobil täglich von Mühlacker nach Schwieberdingen zur Arbeit und wieder zurück

Eine aufgemotzte Seifenkiste für den Straßenverkehr: Unter der aerodynamischen Carbonhülle des Velomobils steckt ein Liegedreirad – insgesamt wiegt das Gefährt kaum mehr als 20 Kilogramm und kostet rund 10 000 Euro.Fotos: Alfred Drossel
Eine aufgemotzte Seifenkiste für den Straßenverkehr: Unter der aerodynamischen Carbonhülle des Velomobils steckt ein Liegedreirad – insgesamt wiegt das Gefährt kaum mehr als 20 Kilogramm und kostet rund 10 000 Euro. Foto: Alfred Drossel

schwieberdingen. Thomas Schöps, 55, ist noch ein Exot auf den Straßen und Feldwegen zwischen Mühlacker und Schwieberdingen. Seit fünf Wochen besteigt er sein Liegedreirad, das mit einer aerodynamischen Carbonhülle verkleidet ist, und düst zur Arbeit. Die knapp 30 Kilometer lange Strecke nach Schwieberdingen schafft Schöps in rund einer Stunde. Klar ist, dass der 55-Jährige mit seinem 2,85 Meter langen und nur 77 Zentimeter schmalen, miniraketenähnlichen Fahrzeug auffällt. „Es ermöglicht mir durch den geringen Luftwiderstand, weite Strecken mit im Vergleich zum Fahrrad deutlich geringerem Energieeinsatz zurückzulegen“, sagt Schöps. Rückenwind verschafft ihm zudem eine Technik wie bei einem E-Bike. Die kleinen Räder sind dabei kaum zu sehen.

Am Anfang stand bei Schöps die Überlegung, wie er den Weg ins Geschäft ohne Auto zurücklegen könnte. „Ein normales Fahrrad kam für die Distanz nicht wirklich infrage“, sagt er. Bei einem reinen Liegedreirad sei man außerdem Wind und Wetter ausgesetzt. Bei seiner Recherche stieß er schließlich auf die Option Velomobil. Durch die Vollverkleidung sei das Fahrzeug das ganze Jahr über einsatzbereit. Zudem war es Schöps wichtig, so weit es geht auf Radwegen und ruhigeren Landstraßen unterwegs zu sein und so die Autofahrer nicht zu stören. „Das derzeitige Gegeneinander von Rad- und Autofahrern halte ich nämlich für keine gute Entwicklung, dabei verlieren alle. Es wäre sinnvoll, sich auch mal in die Situation der anderen Verkehrsteilnehmer hineinzuversetzen“, sagt Schöps.

Auf seinem Velomobil habe er bisher kaum negative Erfahrungen gemacht. „Die Leute staunen über die kleine Rakete und lächeln mir meistens freundlich zu.“ Zu sehen ist der Pilot aber nicht. Sein Gesicht ist unter einem Helm versteckt, der aus einem schmalen Schlitz der Karosserie schaut.

Inzwischen hat Schöps Erfahrungen gesammelt. Die Bundesstraße 10 meidet er. Die sei viel zu gefährlich. Auch auf geteilten Rad- und Fußwegen fährt er vorsichtig. An Fußgängern will er nicht etwa klingelnd vorbeizischen, sondern langsam heranfahren. Besonders morgens genießt Schöps die Fahrt nahe am Boden. Da habe er die Straßen fast für sich allein. Im Sommer gibt es die Möglichkeit, mit offener Haube wie in einem Cabrio zu fahren.

Autofahrer in Schwieberdingen und auf der Strecke nach Mühlacker wundern sich an den Ampeln zuweilen über die weiße Rakete, die bequem auf 50 Sachen zu beschleunigen ist und trotz ihrer Farbe als Ferrari unter den Velomobilen gilt. „Wer aber einmal mit diesem Gefährt unterwegs gewesen ist, ist, dem gehen die Augen auf. Das ist unglaublich“, schwärmt der 55-Jährige.

Nicht wenige Radfahrfreaks sind der Meinung, dass das Velomobil in Sachen Effizienz der Fahrradtechnik die Krone aufsetzt. Die Ziele sind neben einem möglichst geringen Luftwiderstand wenig Gewicht, eine gute Kraftumsetzung und kaum Fahrwiderstände. Schöps sagt: „Wir wollen doppelt so schnell mit halb so viel Kraft unterwegs sein.“

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