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Interview

Klimaschutzmanagerin Julia Neuhäuser im Interview: „Solarenergie besser nutzen“

Der Kreis Ludwigsburg will mit zahlreichen Maßnahmen den Klimaschutz vorantreiben. Im Zentrum steht dabei der Ausbau der Solarenergie. „Es gibt ein großes Potenzial zur solaren Energieerzeugung“, sagt die Klimaschutzmanagerin Julia Neuhäuser im Interview. „Davon wird bislang nur ein Bruchteil genutzt.“

Der Ausbau der Solarenergie im Landkreis kommt nach Ansicht von Klimaschutzmanagerin Julia Neuhäuser zu langsam voran. Archivfoto: Andreas Becker
Der Ausbau der Solarenergie im Landkreis kommt nach Ansicht von Klimaschutzmanagerin Julia Neuhäuser zu langsam voran. Foto: Andreas Becker
Kreis Ludwigsburg.

Frau Neuhäuser, Sie sind seit vergangenem Jahr im Amt als Klimaschutzmanagerin des Landkreises. War 2020 ein gutes Jahr für den Klimaschutz?

„Wir müssen denPro-Kopf-CO-Ausstoß drastisch senken.“

Julia Neuhäuser
Klimaschutzmanagerin im Landkreis

Julia Neuhäuser: Im Jahr 2020 stand ganz klar die Pandemie-Bekämpfung im Vordergrund. Trotzdem ist für den Klimaschutz auch bei uns im Landkreis viel in Bewegung gekommen. Hieran werden wir jetzt anknüpfen. Und seit diesem Jahr geht es beim Klimaschutz nicht mehr um das „Ob“, sondern um das „Wie“.

Wo ist der Landkreis in Sachen Klimaschutz besonders gut?

Wir haben eine starke und breit aufgestellte Energieagentur (LEA). Sie trägt die Themen direkt an die Menschen heran. Trotz der Situation im letzten Jahr konnten beispielsweise über 1000 Beratungen vom Energiesparen bis zur Gebäudedämmung durchgeführt werden. Außerdem haben wir ein engagiertes Netzwerk von Klimaschutz-Aktiven in den Kommunalverwaltungen. So gibt es auch hier direkte Ansprechpersonen für die Menschen im Kreis.

Was muss noch weiter verbessertwerden?

Im Landkreis Ludwigsburg gibt es ein großes Potenzial zur solaren Energieerzeugung. Davon wird bislang nur ein Bruchteil genutzt. Bei unserer Bevölkerungsdichte werden wir unseren Energiebedarf aber auch nicht komplett mit erneuerbaren Energien aus dem Landkreis decken können. Hier müssen wir den Energiebedarf zuerst senken, zum Beispiel durch Gebäudedämmung.

Insgesamt stehen 88 Maßnahmen im Klimaschutzkonzept. Dessen Umsetzung lässt sich der Kreis im nächsten Jahr rund 200000 Euro kosten. Wo lässt sich für den Klimaschutz am meisten herausholen?

Klimaschutz funktioniert am besten, wenn alle mit anpacken. Deshalb stehen Maßnahmen zur Umweltbildung, Kommunikations- und Öffentlichkeitsarbeit auf dem Programm. Wenn wir die Menschen mitnehmen, können wir am meisten für den Klimaschutz herausholen. Und nebenbei bemerkt sind von den 200000 Euro ein beachtlicher Teil auch Fördermittel.

Wie konnten die CO-Emissionen in den vergangenen Jahren reduziert werden?

Die CO-Emissionen sind in den vergangenen Jahren nur sehr zurückhaltend gesunken. Den Bereich Verkehr betrifft das besonders. Erfolge durch Effizienzsteigerungen oder einen höheren Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien werden außerdem häufig durch Mehrverbräuche wieder zunichtegemacht.

Wie schneidet der Landkreis im Vergleich mit den anderen Landkreisen beim Klimaschutz ab?

Wie vorhin schon angesprochen, haben wir mit der LEA eine Institution im Landkreis, die super Klimaschutzarbeit macht. Besonders was die Menge an Beratungen und Leistungen angeht. Außerdem hat bei uns im Landkreis jede Kommune durch das kreisweite Klimaschutzkonzept und fünf Stadtkonzepte einen Handlungsleitfaden, um Klimaschutz vor Ort umzusetzen. Dann gibt es immer wieder kleine und große Erfolge, zum Beispiel dass wir im letzten Jahr den landesweit 2. Platz bei der Aktion Stadtradeln belegt haben oder dass Kreiskommunen diesen Freitag für ihr vorbildliches Energiemanagement oder mit dem European Energy Award ausgezeichnet werden.

Bei erneuerbaren Energien steht der Landkreis noch nicht so gut da. Woran liegt das?

Leider ist es so, dass wir bei der Erzeugung erneuerbarer Energien noch nicht so erfolgreich sind. Bei Wind, Wasser und Bioenergie liegt das sicher an den derzeitigen Rahmenbedingungen und geringen Potenzialen in unserem Landkreis. Was wir aber dringend nutzen müssen, ist unser Potenzial zur solaren Energieerzeugung. Einerseits für Strom, andererseits für Wärme. Oft scheitert es nicht an Finanzierungsmöglichkeiten, sondern es fehlt Beratung und der Anstoß, den letzten Schritt zu gehen. Das wollen wir dieses Jahr noch mit einer Solaroffensive ändern.

Der CO-Ausstoß der Einwohner ist im Kreis vergleichsweise hoch. Welche Ansätze sehen Sie, um den Ausstoß zu verringern?

Unser Pro-Kopf-Ausstoß im Bereich der Haushalte und des Gewerbes ist vergleichbar mit dem von anderen Kreisen in Baden-Württemberg. Das ändert aber natürlich nichts daran, dass wir ihn drastisch senken müssen, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen. Dabei bietet der Alltag zahlreiche Möglichkeiten, den eigenen CO-Fußabdruck zu verkleinern, etwa in der Art der Fortbewegung oder der Ernährung.

Die Landkreis-Verwaltung will bis 2035 keine klimaschädigenden Stoffe mehr freisetzen. Wie wollen Sie das erreichen?

Einiges haben wir schon erreicht. Unser zentraler Fuhrpark wurde nahezu komplett auf E-Mobilität umgestellt. In Zukunft werden noch Dienstfahrräder und -Pedelecs dazukommen. Außerdem werden wir die Eigenstromerzeugung durch Photovoltaikanlagen auf kreiseigenen Gebäuden stark ausbauen. Immer mehr spielt da auch die Sensibilisierung der Mitarbeitenden für Klimaschutz mit rein.

Der Umstieg vom Verbrennungsmotor auf E-Mobilität kommt hier noch nicht so recht voran. So ist auch die Zahl der Ladepunkte für E-Fahrzeuge nicht so hoch wie in anderen Landkreisen. Wie kann das Netz schneller ausgebaut werden?

Der Netzausbau wird natürlich vor allem durch die Kommunen und Stadtwerke vorangetrieben, die hier einfach näher dran sind als der Landkreis. Was wir getan haben, ist E-Ladestationen auch in den Außenstellen der Kreisverwaltung zu installieren, sodass kein Mitarbeitender mehr Angst haben muss, mit dem Dienst-E-Fahrzeug liegen zu bleiben.

Der Landkreis will in einem Pilotprojekt einen Klimamobilitätsplan erstellen. Was soll damit erreicht werden?

Die Klimaschutzziele in Baden-Württemberg für das Jahr 2030 besagen, dass die Emissionen des Verkehrssektors um 40 Prozent reduziert werden müssen. Um das zu erreichen, brauchen wir eine ganzheitliche Betrachtung aller Mobilitätsformen – so etwas bietet der Klimamobilitätsplan. Aber klar ist auch, dass das nur mit den Kommunen zusammen gelingen kann. Mit dem Klimamobilitätsplan verfolgen wir auch das Ziel, die Zusammenarbeit auszubauen und gemeinsam Lösungen zu suchen.

Welche Vorgaben werden hierbei gemacht? Welche Maßnahmen könnten enthalten sein?

Da können im Prinzip alle Maßnahmen von der Umgestaltung der Ortsmitten über Ausbau des ÖPNVs und der Fahrradinfrastruktur bis zur Sensibilisierung reinkommen. Vor allem Maßnahmen, die einen nachgewiesenen positiven Effekt auf das Klima haben.

Ohne die Beteiligung der Kommunen geht das nicht. Warum sind noch nicht alle Städte und Gemeinden an Bord?

Viele Kommunen sind bereits aktiv im Klimaschutz und machen sich Gedanken um eine klima- und menschenfreundliche Mobilität. Wenn eine neue Idee vonseiten des Landkreises kommt, braucht es einfach etwas Zeit, bis sie alle erreicht hat. Hier liegt es an uns, den Mehrwert des Klimamobilitätsplans aufzuzeigen und aktiv das Gespräch zu suchen.

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