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Krankenhäuser

Kliniken im Kreis Ludwigsburg: Corona-Krisenstab der RKH setzt Arbeit aus

Die Lage in den Krankenhäusern entspannt sich weiter: Es gibt weniger Covid-Fälle – sowohl bei den Patienten als auch beim Personal. Die Regionale Kliniken-Holding will aber für eine sechste Coronawelle gerüstet sein

Die Zahl der Coronapatienten sinkt. Der Krisenstab der RKH kann daher seine Arbeit aussetzen. Archivfoto: Sebastian Gollnow/dpa
Die Zahl der Coronapatienten sinkt. Der Krisenstab der RKH kann daher seine Arbeit aussetzen. Archivfoto: Sebastian Gollnow/dpa

Kreis Ludwigsburg. „Die Lage ist derzeit durchaus entspannt“, sagt der Geschäftsführer der Regionalen Kliniken-Holding RKH, Jörg Martin. Mit dem Abflauen der Omikron-Welle hat auch der Druck auf die Normal- und vor allem auf die Intensivstationen der Krankenhäuser nachgelassen, auch in den drei RKH-Landkreisen Ludwigsburg, Karlsruhe und Enz. Der Corona-Krisenstab der Holding unter Leitung von Dr. Stefan Weiß hat seine Arbeit daher am Donnerstagabend eingestellt. Vorerst. Denn: „Wir rechnen mit einer sechsten Welle im Herbst. Ob sie zum Sturm oder Lüftchen wird, kann noch keiner wissen“, so der habilitierte Anästhesist Martin. Die Arbeit des Krisenstabs könne deshalb auch jederzeit wieder aufgenommen werden, versichert Stefan Weiß.

Vorläufig aber stehen die Zeichen auf eine weitere Normalisierung des Klinikbetriebs. Denn derzeit sinkt nicht nur die Zahl der Coronapatienten, auch die Personalausfälle durch das Virus haben deutlich nachgelassen. Waren Mitte März in einer Woche noch 155 RKH-Beschäftigte positiv auf das Virus getestet worden, so sind es in dieser Woche bis Donnerstag erst neun.

Bisher strengere Regeln werden der Landesverordnung angepasst

Eine Folge: Die RKH gibt bisherige Corona-Sicherheitsregeln, die strenger als die Landesvorgaben sind, ab Freitag auf und übernimmt die im gesamten Südwesten praktizierten Regeln. Das betrifft beispielsweise die bisher arbeitstägliche Testung der RKH-Mitarbeiter. War sie bisher für alle verpflichtend, so wird sie jetzt für Beschäftigte ohne Symptome, die auf eine Covid-19-Infektion hinweisen könnten, zum freiwilligen Angebot. Auch die FFP2-Maske müssen nur noch Beschäftigte tragen, die direkt mit Patienten in Kontakt kommen, das Personal ohne patientennahe Aufgaben darf wieder zur leichteren OP-Maske greifen. Martin erwartet, dass das Land im Juni auch die Auflagen für Krankenhaus-Besucher weiter lockern wird.

RKH-Chef Martin: Chinas Null-Covid-Politik gefährdet Lieferketten im Medizinsektor

Im Blick auf die prognostizierte sechste Welle hält die RKH aber an der bisherigen Vorratshaltung von medizinischen Materialien fest: In den Magazinen der RKH lagern – als Konsequenz der ersten Welle – aktuell beispielsweise Masken, Schutzkleidung und Schnelltests für drei Monate. Damit liege in den Lagern der auch finanziell vom Virus gebeutelten Holding „zwar viel totes Kapital“, seufzt Martin. Andererseits aber sei diese Vorsichtsmaßnahme auch wegen der Auswirkungen des Krieges in der Ukraine und vor allem der Null-Covid-Politik Chinas auf die Lieferketten für Medikamente und medizinisches Material dringend geboten, unterstreicht der RKH-Chef.

Noch habe die Lähmung der Wirtschafts- und Welthandelsmetropole Shanghai durch einen inzwischen monatelangen, ultraharten Lockdown keine Auswirkungen auf den Einkauf der Krankenhäuser gehabt. Doch dazu, befürchtet Martin, werde es wohl „in den nächsten Wochen“ kommen. Die Abhängigkeit des deutschen Gesundheitssektors von Lieferanten in Asien sei weiterhin gravierend. Ein Umsteuern werde Jahre brauchen: „Ein paar deutsche Masken-Hersteller können das kaum ändern.“

Kliniken im Südwesten fordern Finanzpolster für nächste Pandemie

Die Politik muss die Kliniken im Land aus Sicht der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG) auf die nächste Pandemie vorbereiten. „Grundsätzlich müssen wir bei der Krankenhausplanung und vor allem bei deren Finanzierung mehr Reserven einplanen“, sagte BWKG-Vorstandschef Heiner Scheffold der Schwäbischen Zeitung. „Da braucht es einen Puffer.“

Das Einfachste, „das man beschaffen kann, ist ein Beatmungsgerät – das Schwierigste eine Intensivpflegerin“, so Scheffold. Die Pandemie habe die Schwäche der Finanzierung rein über Fallpauschalen offengelegt. Es brauche eine „strukturelle Finanzierung“, wenn Klinikplätze vorgehalten werden müssten.

Ins gleiche Horn stößt seit langem auch der Chef der Regionalen Kliniken-Holding in Ludwigsburg, Jörg Martin. Die Pandemie müsse Anlass dazu sein, die Krankenhausfinanzierung grundsätzlich zu überdenken, wiederholte er gestern vor Journalisten. Derzeit hätten die Kliniken mit den Kassen noch nicht einmal ihre Budgetvereinbarungen für 2021 treffen können, geschweige denn die für 2022. Für die Häuser bedeutet das massive finanzielle Risiken. (lsw/pro)

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