Logo

Frankenbahn

Kompromiss mit Zähneknirschen

Die Ankündigung, dass zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember drei morgendliche Zughalte auf der Frankenbahn wegfallen sollen, hat in den betroffenen Kommunen für viel Ärger gesorgt. Das zuständige Verkehrsministerium hat nun eingelenkt und will zumindest einen Halt wieder in den Fahrplan aufnehmen. Ein Kompromiss, der keine Freudensprünge auslöst.

Der Streit um die Frankenbahn hält an. Archivfoto: Alfred Drossel
Der Streit um die Frankenbahn hält an. Foto: Alfred Drossel

Besigheim/Kirchheim/Walheim. Wie mehrfach berichtet, sollten mit dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember drei frühmorgendliche Zughalte zwischen Heilbronn und Bietigheim-Bissingen dauerhaft wegfallen. Der RE8 würde dann zwar immer noch durch Nordheim, Lauffen, Kirchheim, Walheim und Besigheim fahren, allerdings dort nicht mehr halten. Begründet hat diese Änderung das zuständige Verkehrsministerium mit einer besseren, schnelleren Verbindung für die Pendler von Heilbronn nach Stuttgart. Denn von dieser Seite habe es immer wieder Kritik gegeben, dass die morgendlichen Expressverbindungen an allen Stationen zwischen Heilbronn und Bietigheim halten. Der Trost für diejenigen, die an den Bahnhöfen dazwischen einsteigen müssen: Es besteht weiterhin ein Halbstundentakt, der sei für solche Verbindungen der vorgesehene Standard.

Doch gerade in Zeiten der Pandemie sorgte diese Entscheidung für Unmut: Den Pendlern stehen weniger Züge zur Verfügung, was bedeutet, dass es darin enger zugeht. Abstandhalten ist kaum möglich. Trotz der Kritik teilte das Verkehrsministerium mit, dass die Entscheidung feststehe, eine Änderung sei nicht mehr möglich. Doch der Widerstand gegen den Wegfall der Zughalte ließ nicht nach. Also kamen am Mittwochmorgen unter Leitung von Dr. Uwe Lahl, Ministerialdirektor im Verkehrsministerium, Vertreter der betroffenen Kommunen virtuell zusammen. Mit dabei waren Florian Baasch als Vertreter von Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel, Lutz Mai in Vertretung von Heilbronns Landrat Detlef Piepenburg, sowie Bürgermeisterin Tatjana Scheerle (Walheim) und ihre Amtskollegen Steffen Bühler (Besigheim), Uwe Seibold (Kirchheim) und Klaus-Peter Waldenberger (Lauffen) sowie Isabelle Krauß als Vertreterin von Volker Schiek (Nordheim).

Auch wenn der Ärger im Vorfeld groß war, so war die Stimmung bei der Videokonferenz nicht frostig. Und am Ende wurde ein Kompromiss gefunden: „Zum nächstmöglichen Zeitpunkt wird der 6.40-Uhr-Zug wieder Zwischenhalte bedienen. Somit gibt es in jeder Stunde zwischen 6 und 8 Uhr einen schnellen Zug. Zudem gibt es dann zwischen 6 und 7 Uhr insgesamt drei Züge, die viele Halte bedienen“, teilte das Verkehrsministerium am Nachmittag mit.

Laut dem Ministerialdirektor ist man mit der Beschleunigung der morgendlichen Züge von Heilbronn nach Stuttgart dem Wunsch der Region nachgekommen. Zudem könne man damit den Fahrplan robuster gegenüber Störungen machen. Gleichwohl meinte er: „In Zeiten von Corona nehmen wir die neuerliche Kritik aus der Region, dass wir mehr Züge halten lassen müssen, an. Wir erkennen an, dass beide Seiten hier zähneknirschend zu einem guten Kompromiss für alle gekommen sind.“

Denn zwar begrüßen die fünf von der Streichung betroffenen Kommunen, dass der RE mit Start um 6.40 Uhr in Heilbronn künftig nicht gestrichen werden soll. Freudensprünge gibt es allerdings nicht: „Das Ziel, alle drei Züge als Regionalbahn zu erhalten, kann damit nicht erreicht werden. In den fünf Kommunen überwiegt nicht die Dankbarkeit dafür, einen Zug gewonnen zu haben, sondern das Zähneknirschen darüber, als kleinsten gemeinsamen Nenner auf zwei Züge in der Hauptverkehrszeit verzichten zu müssen“, teilten sie in einer gemeinsamen Stellungnahme mit. Aber es sei nachvollziehbar, dass es in Anbetracht der unterschiedlichen Interessen der Kommunen im südlichen Landkreis Heilbronn sowie der Stadt Heilbronn und der Interessen der Kommunen entlang der Bahnlinie zwischen Heilbronn und Bietigheim-Bissingen nur möglich sei, Kompromisslösungen zu finden, bei denen alle Beteiligte Zugeständnisse machen müssen.

Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel sagte: „Uns ist an einer guten Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen gelegen, daher kann die Stadt Heilbronn mit dem vorliegenden Vorschlag mitgehen. Wir haben viele Pendler, die aus unseren südlichen Stadtteilen wie Sontheim, Horkheim und Klingenberg kommen. Für diese ist ein Zustieg in Nordheim oder Lauffen sehr praktisch.“ Darüber hinaus erhoffe man sich durch den Fahrplanwechsel eine höhere Fahrplanstabilität zum Wohle der Bürger – „eine Forderung, die wir schon seit Langem stellen“.

Zur Zuverlässigkeit des Zugverkehrs äußern sich auch die Vertreter von Kirchheim, Besigheim, Walheim, Nordheim und Lauffen: Wegen der anhaltenden Unzuverlässigkeit auf der Frankenbahn mit Verspätungen und regelmäßigen Zugausfällen seien sie sicher, dass ständige Überlastungen der Züge drohten, die Akzeptanz des ÖPNV nicht gesteigert, sondern massiv beeinträchtigt werde und es damit zu einer von allen politischen Ebenen nicht gewünschten und nicht erstrebenswerten Zunahme des Individualverkehrs auf schon heute völlig überlasteten Straßen kommen werde – „ein ökologischer und ökonomischer Irrweg“.

Deswegen sei eine schnelle Verbesserung des Zugverkehrs auf der Frankenbahn weiterhin anzustreben sowie ein Ausbau der S-Bahn in Richtung Stuttgart bis Lauffen. Bis dieses Ziel realisiert werde, müsste eine zusätzliche Verbindung zwischen Heilbronn und Bietigheim-Bissingen geschaffen werden, „um so zumindest in den morgendlichen und abendlichen Hauptverkehrszeiten eine Verbesserung für die Pendler durch eine Taktverdichtung mit entsprechenden Anschlussmöglichkeiten in Heilbronn und Bietigheim-Bissingen zu realisieren“. So könnten die Interessen aller Gemeinden und Städte unter einen Hut gebracht werden.

Begrüßt wurde die Zusage des Ministeriums und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg, künftig enger zu kommunizieren und sich regelmäßiger, gerade auch vor Fahrplanwechseln, auszutauschen und rechtzeitig zu informieren.

Autor: