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Leben

Kostensprünge überall

Höhere Müllgebühren, steigende Energiekosten – und dann auch noch die Pandemie: Das Leben im Kreis Ludwigsburg ist 2020 für viele Menschen teurer geworden.

Strommasten in Schwieberdingen, volle Mülltonnen in Ludwigsburg: Steigende Kosten für Energie und Abfall belasten die Portemonnaies der privaten Haushalte. Fotos: Holm Wolschendorf, Sebastian Gollnow/dpa
Strommasten in Schwieberdingen, volle Mülltonnen in Ludwigsburg: Steigende Kosten für Energie und Abfall belasten die Portemonnaies der privaten Haushalte. Foto: Holm Wolschendorf, Sebastian Gollnow/dpa
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Kreis Ludwigsburg. Müllgebühren. Vor der Sommerpause deutet sich im Aufsichtsrat der kreiseigenen Abfallverwertungsgesellschaft AVL an, wohin die Reise bei den Müllgebühren gehen wird: nach oben. Der Tammer Sozialdemokrat Gerhard Jüttner prophezeit: „Wir werden uns auf schwere Zeiten einstellen müssen.“ Die AVL macht in der Sitzung einen gestiegenen Zuweisungsbedarf aus Gebühren von mehreren Millionen Euro geltend. Wenig später prognostiziert der Affalterbacher Bürgermeister, AVL-Aufsichtsrat und Freie Wähler Steffen Döttinger im Kreistag dunkle Wolken am Horizont, auch wenn Landrat Dietmar Allgaier noch zu beschwichtigen versucht und auf die Gebührenberatungen im kommenden Herbst verweist.

Sicher ist, dass der Kreis Ludwigsburg beim Müll so stark abkassiert wie kaum ein anderer Landkreis. Hinzu kommt, dass hierzulande Gebührenerhöhungen schon fast einer betrieblichen Übung gleichen. In diesem Jahr etwa stiegen sie um durchschnittlich 14,5 Prozent. In Ludwigsburg ist ein Musterhaushalt so mit rund 190 Euro dabei – viel mehr als etwa in Heilbronn oder den Kreisen Esslingen und Rems-Murr. Eine Familie mit fünf Kindern trifft es offenbar prozentual noch dicker. Einer, der es wissen muss, sagt unserer Zeitung: „Bei uns geht es auf knapp 20 Prozent zu.“

Energiekosten. Die EnBW hat bereits im April die Strompreise für Haushalte erhöht. Nach Angaben des Energiekonzerns zahle ein Musterhaushalt mit drei Personen und einem Jahresverbrauch von 2900 Kilowattstunden jetzt monatlich im Schnitt rund 6,90 Euro mehr. Das Unternehmen begründete die Erhöhung mit „deutlich gestiegenen Kosten“ bei der EEG-Umlage, Netzentgelten und höheren Preisen an der Strombörse.

Auch wenn der Stromverbrauch während der Coronakrise im Südwesten gesunken ist, sieht Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) diese Entwicklung nicht nur positiv. Er rechnet nicht damit, dass der Effekt an die Verbraucher weitergegeben werde. Es drohe vielmehr für das Jahr 2021 die paradoxe Situation, dass die Stromrechnung weiter steige.

Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote ist im Kreis im Juli nur leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent angestiegen. Ein beunruhigenderes Bild ergibt sich jedoch im Jahresvergleich: 2019 lag die Juli-Quote bei 2,8 Prozent.

Seit März sind bei der Ludwigsburger Arbeitsagentur 5492 Anzeigen für konjunkturelles Kurzarbeitergeld geprüft worden. Die Gesamtzahl der Beschäftigten, für die Kurzarbeit angezeigt wurde, beträgt fast 89000. Der Automobilzulieferer Bosch, der auch im Kreis Tausende Mitarbeiter beschäftigt, hat zwar die Kurzarbeit in den Sparten Entwicklung, Forschung, Vertrieb und Verwaltung an einigen Standorten zum 1. August beenden. Stattdessen sinkt aber die Arbeitszeit (bei Gehaltsverzicht) bis Jahresende.

Steuererhöhungen.DieBosch- Gemeinde Schwieberdingen hat bereits Fakten geschaffen und wegen Corona zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder die Grundsteuer B von 330 Prozentpunkten auf 370 Prozent angehoben. Vollzogen wird der Schritt ab 2021. Er gilt für bebaute und bebaubare Grundstücke – und trifft damit so gut wie alle Bürger, da sie entweder selbst Hauseigentümer sind oder an der Steuer über die Mietnebenkosten beteiligt werden.

Geräuschlos ging das Vorhaben nicht über die Bühne. Der CDU-Ratsherr Sebastian Morschhäuser: „Die Grundsteuererhöhung kommt zur Unzeit. Sie ist ein falsches Signal für unsere Bürgerinnen und Bürger.“ Nach Ansicht der CDU sollten Steuererhöhungen antizyklisch und verbrauchsbezogen kommen.

Ein düsteres Bild zeichnet auch der Oberbürgermeister Jürgen Kessing von seiner einst so reichen Stadt. Das Virus habe dafür gesorgt, dass Bietigheim-Bissingen ebenfalls viele Millionen Euro an Einnahmen fehlen. Die Konsequenz: Steuererhöhungen an Enz und Metter sind erstmals wieder denkbar.

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