Logo

Corona

Kreis-Ludwigsburg: RKH-Kliniken erwarten zweite Omikron-Spitze

„Die Zahlen steigen wieder, auch bei uns“, konstatiert Professor Jörg Martin, der Chef der Regionalen Kliniken-Holding RKH. Sein Krisenstabsleiter bekräftig das: Er erwarte „eine zweite Omikron-Spitze“, sagt Dr. Stefan Weiß. Bereits jetzt habe sich die Hälfte aller Covid-Patienten in den RKH-Kliniken mit der Subvariante BA.2 infiziert.

Während auf den Intensivstationen aktuell nur wenige Covid-Patienten liegen, steigt deren Zahl auf den Normalstationen wieder. Außerdem belastet Omikron die Kliniken durch massive Personalausfälle. Foto: Bodo Schackow/ dpa
Während auf den Intensivstationen aktuell nur wenige Covid-Patienten liegen, steigt deren Zahl auf den Normalstationen wieder. Außerdem belastet Omikron die Kliniken durch massive Personalausfälle. Foto: Bodo Schackow/ dpa

Kreis Ludwigsburg. Das Robert-Koch-Institut meldete am Donnerstag einen neuen Rekord: 262752 Neuinfektionen an einem Tag – so viele wie noch nie in Deutschland. Meldungen wie diese träten wegen des Ukraine-Krieges leicht in Hintergrund, sagt Weiß. Doch die Lockerungen kurz vor der Faschingswoche, eine allgemein nachlassende Disziplin bei der Befolgung der noch geltenden Coronaregeln und der hochansteckende Omikron-Subtypus BA.2 verliehen dem Infektionsgeschehen eine neue Dynamik. Die Omikron-Variante, die lange vor allem in jüngeren Altersgruppen grassierte, erfasse zunehmend auch die Generation Ü60. Und in der gebe es noch immer zu viele Ungeimpfte, seufzt der Chef des Corona-Krisenstabs der kommunalen Krankenhaus-Holding: „Von Entwarnung kann keine Rede sein!“

71 Patienten lagen gestern wegen oder mit Covid-19 in RKH-Kliniken in den Landkreisen Ludwigsburg, Karlsruhe und Enz, davon 25 in Ludwigsburg und elf in Bietigheim. Damit ist gegenüber dem bisherigen Tiefststand der Omikron-Welle, der mit 61 Coronapatienten am vorigen Freitag erreicht war, schon jetzt ein deutlicher Wiederanstieg zu verzeichnen, obwohl sich wachsende Infektionszahlen stets verzögert in den Kliniken niederschlagen.

Nur die Hälfte der Covid-Patienten kommt derzeit wegen, die andere mit Corona ins Krankenhaus

Dabei kommt etwa die Hälfte der Patienten, die Corona-positiv sind, gar nicht wegen des Virus selbst ins Krankenhaus, sondern aus anderen Gründen. Die Infektion dieser Patienten, die dann auf ihren Zielstationen isoliert werden müssen, fällt meist erst durch die Tests bei ihrer Aufnahme auf – Omikron-Verläufe sind relativ selten „schwer“. Wobei zu beachten ist: Als „schwere Fälle“ gelten in der Fachliteratur nur Patienten, die mindestens drei Liter Sauerstoff pro Minute benötigen. Solche Patienten liegen aber in der Regel auf den Überwachungs- und Intensivstationen, sagt der RKH-Intensivchef Professor Götz Geldner. Mit anderen Worten: Die laut Stefan Weiß wachsende Zahl der Covid-Patienten, die wegen ihrer Symptome nicht mehr ambulant behandelt werden können und daher wegen Corona stationär aufgenommen werden müssen, gelten gar nicht als schwere Fälle.

Massive Personalausfälle in Kliniken durch Omikron

Tatsächlich aber ist die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten derzeit gering, lediglich fünf waren es am Donnerstag im Kreis. Dafür belastet Omikron die Kliniken durch massive Personalausfälle: Allein in den ersten neun Märztagen testete die RKH in ihren Laboren 127 Mitarbeitende positiv auf Covid-19

RKH-Spitze teilt Kretschmann-Kritik an Ampel-Beschlüssen

Der Ludwigsburger Kliniken-Chef Jörg Martin teilt die Kritik von Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann an den jüngsten Berliner Coronabeschlüssen. Die landesweite Planung von Coronamaßnahmen habe sich im Südwesten bewährt, sagte der habilitierte Anästhesist und RKH-Geschäftsführer. Die Bundesländer müssten den Spielraum für landesweite Regeln erhalten, so Professor Martin. Wenn Berlin die Steuerung der Pandemie nur über Hotspots – also Gegenden mit einem überdurchschnittlich starken Infektionsgeschehen – anstrebe, sei „das nicht gut“.

Auch der Chef des Corona-Krisenstabs der Regionalen Kliniken-Holding, Dr. Stefan Weiß, warnte vor einer Situation, „in der in Ludwigsburg andere Regeln gelten würden als in Böblingen oder Stuttgart“. Zwar erlaube die Omikron-Variante trotz erneut steigender Infektionszahlen durchaus noch Lockerungen. Doch um die Dynamik der Pandemie unter Kontrolle behalten und das Gesundheitswesen vor einer Überlastung schützen zu können, müssten „Gasgeben und Bremsen sehr gut austariert“ erfolgen. „Wenn Ländern nur noch die Hotspot-Strategie bleibt, wird das arg schwierig“, sagte Weiß. Schließlich seien die Inzidenzen „nicht nur in den Karnevalshochburgen“ wieder deutlich höher, sondern stiegen auch flächendeckend abermals an.

Autor: