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Tourismusförderung

Kulturlandschaft in Reinform

Gestern Mittag ist der Käsbergrundweg in den Mundelsheimer Steillagen offiziell eröffnet worden. Auf einer Strecke von mehr als fünf Kilometern können Ausflügler imposante Ausblicke auf die Neckarschleife genießen und zudem Einblick in die Arbeit der Wengerter erhalten. Der Bürgermeister Boris Seitz hofft, dass die jetzige Ausschilderung weitere Touristen anlockt.

Am Käsberghäusle: Boris Seitz (links) und Thomas Bopp. Fotos: Holm Wolschendorf
Am Käsberghäusle: Boris Seitz (links) und Thomas Bopp. Foto: Holm Wolschendorf

Mundelsheim. Idyllischer dürfte ein Termin von Thomas Bopp selten ausfallen. Der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart (VRS) ist am Montag zum Königshäusle in den Mundelsheimer Weinbergen gekommen, wo der neue Käsbergweg offiziell eingeweiht wird. „Rot, Gelb, Orange: Da sieht man fast mehr von den Rebsorten, als man hinterher schmeckt“, zeigt sich Bopp beim Blick in den in üppigen Herbstfarben erstrahlenden Wengert begeistert. Bei gutem Wetter öffne sich das Panorama in dieser erhöhten Position bis zum Stuttgarter Fernsehturm, erklärt Mundelsheims Bürgermeister Boris Seitz dem Besucher aus der Landeshauptstadt.

„In der Tourismusförderung höhlt steter Tropfen den Stein.“

Boris Seitz
Bürgermeister

An diesem Nachmittag allerdings ist der Himmel eher bedeckt, auch wenn es mit über 20 Grad für Anfang November ungewöhnlich warm ist. Einige Ausflügler nutzen die milde Witterung für einen ausgedehnten Spaziergang, die Feierstunde dagegen findet coronabedingt in stark abgespecktem Format statt: Lediglich Bopp und der Schultes stoßen am Königshäusle mit einem Glas Trollinger an. „Wir hatten 20 Anmeldungen, mussten das Treffen aber leider stark eindampfen“, sagt Seitz.

Der Bürgermeister hofft, dass der 5,1 Kilometer lange Steillagenrundweg künftig noch mehr Besucher in die Mundelsheimer Neckarschleife lockt. Immerhin hatte er in seinem Wahlkampf versprochen, dem örtlichen Tourismus neue Impulse zu verleihen und so nicht zuletzt Gaststätten und Einzelhandel zu Mehreinnahmen zu verhelfen.

Der Weg dahin sei mühsam, meint Seitz, „aber steter Tropfen höhlt den Stein“. Tatsächlich ist in seiner nun zweijährigen Amtszeit einiges passiert. Die Gemeinde ist dem 3B-Tourismusverband und dem Kraichgau-Stromberg-Tourismus beigetreten, im März wurde die letzte bis dahin noch nicht asphaltierte Passage des Neckartalradwegs auf Mundelsheimer Markung nach Ausbau freigegeben. Und im verflixten Coronasommer belebten verschiedene Vereine das Areal an der Käsberghalle, indem sie beim „Mundelsheimer Sommer“ Fußgänger, Radler und andere Ausflügler mit Speis’ und Trank bewirteten.

Die Hoffnung, dass der nun ausgeschilderte Käsbergrundweg weitere Touristen anzieht, ist berechtigt. Immerhin haben Wanderer, die sich am Parkplatz an der Käsberghalle auf den Weg machen, die Möglichkeit, eine schwäbische Kulturlandschaft in Reinform zu erleben. Die rund 550 Mitglieder des Käsbergkellers, darunter ein knappes Dutzend hauptberufliche Wengerter, bewirtschaften auf der gesamten Markungsfläche 50 Hektar terrassierte Steillagen. Auch wenn sich hier und da der Verfall bemerkbar macht: Noch befinden sich die 100 Kilometer Trockenmauern und 25 Kilometer langen Weinbergsstaffeln in bemerkenswert gutem Zustand. Das ist heutzutage alles andere als selbstverständlich, weil immer weniger junge Menschen Interesse am arbeitsintensiven Steillagenbau haben.

Der Rundweg bietet interessante Einblicke in die alltägliche Arbeit der Mundelsheimer Wengerter und natürlich auch imposante Ausblicke auf die Neckarschleife. Etwa auf der Käsbergkanzel, wo vor einigen Jahren in spektakulärer Lage eine Aussichtsplattform eingerichtet wurde. Wer die Augen aufhält, wird wohl auch die eine oder andere Eidechse oder Blindschleiche entdecken.

100 Höhenmeter sind zu überwinden. Die Schwierigkeit des Steillagenrundwegs ist als mittel ausgewiesen, Wanderer sollten knapp zwei Stunden einplanen. Im Dezember sollen auch von der Bürgerstiftung finanzierte Wanderkarten vorliegen, mit denen sich Touristen einen Überblick über den Käsbergweg und die fünf weiteren Rundkurse rund um Mundelsheim verschaffen können. Mit QR-Codes will man auch die jüngere Generation ansprechen.

Wer den Weg auf sich nimmt, kann eine fast schon mediterran anmutende Vegetation bestaunen. Die Mundelsheimer Wengerter haben traditionelle Weinbergspflanzen gesetzt. An den Mauern am Käsbergweg wuchern sogar üppige Kakteen, die man eher in Sizilien als in solch nördlichen Breitengraden vermuten würde. Und so gedeiht nicht nur Trollinger: In Mundelsheim wird – und das durchaus mit Erfolg – nämlich auch mit Syrah oder Cabernet Sauvignon experimentiert. „Der Kellermeister sagt: ‚Wir haben hier ein so gutes Klima, dass eigentlich alle Rebsorten funktionieren‘“, erzählt Boris Seitz.

Der neue Rundwanderweg ist mit Zuschüssen des VRS entstanden, die Regionalversammlung nahm das Vorhaben im Januar in die förderfähigen Landschaftsparkprojekte für das laufende Jahr auf. Die Region gab 11000 Euro, die Gemeinde Mundelsheim steuerte noch einmal die gleiche Summe bei. Mit diesem Budget wurden Wege und Staffeln saniert, die Aussichtsplattform an der Käsbergkanzel aufgehübscht. Bauhofmitarbeiter stellten die Beschilderung auf.

Seit 2006 habe der VRS etwa 275 Landschaftsparkprojekte finanziert, zeigte sich Thomas Bopp zufrieden, und der Käsbergweg sei besondern schön. „Es ist hier wie ein Amphitheater. Nur nicht mit Menschen, sondern mit Weinreben.“

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