Logo

Kunden verärgert: Post in Murr schließt

Betreiberin hat Räume im alten Rathaus gekündigt – Bürgermeister hofft auf Dienstleistungsverordnung

350_0900_26693_Briefkasten.jpg

Murr. Die E-Mail, die ein Leser aus Murr an unsere Zeitung geschickt hat, trägt den Betreff „Weiterer Abbau der Serviceleistungen“. Darin beklagte der Mann, dass die Poststelle im alten Murrer Rathaus in der Hindenburgstraße zum 31. Juli geschlossen wird.

Und er stellt die eher rhetorische Frage: „Wo bekommt man denn künftig Briefmarken oder kann Pakete abliefern? Okay, das ginge auch bei der Tankstelle im Industriegebiet, aber wer von uns älteren Menschen schleppt seine Pakete schon gerne durch die Gegend?“

Geärgert hat ihn außerdem, dass er von der Schließung der Postfiliale nur durch „verschiedene Zettel“ am Gebäude erfahren habe. Ein Hinweis, wo man künftig seine Postgeschäfte erledigen kann, wäre kundenfreundlich gewesen, meint der Leser. Ebenso erstaunt wie er waren auch viele andere Bürger, die sich in den vergangenen Tagen an die Gemeindeverwaltung gewendet haben.

Bürgermeister Torsten Bartzsch bestätigt auf Nachfrage, dass die bisherige Betreiberin der Postfiliale die Räume in der Hindenburgstraße gekündigt habe. Das Gebäude, in dem sich die Postfiliale seit Januar 2017 befindet, ist das alte Murrer Rathaus und im Besitz der Gemeinde.

Vorher hatte die Post Räume in der Frauenstraße angemietet, hatte dort zum Ende des Jahres 2016 aber ausziehen müssen. „Es stand damals Spitz auf Knopf, dass wir die Post ganz verlieren“, erinnert sich Bartzsch, „da haben wir der Betreiberin die Räume im alten Rathaus vermietet.“

Die Kündigung der Postfiliale sei von der Betreiberin ausgegangen, sagt der Bürgermeister. Die Frau betreibt auch die Poststelle in Benningen; eine Stellungnahme zur Schließung war gestern von ihr nicht zu erhalten.

„Es ist sehr schlecht, wenn die Post in Murr schließt“, kommentierte Bürgermeister Torsten Bartzsch „und ich hoffe sehr, dass es in näherer Zukunft eine Ersatzlösung gibt.“

Bis dahin gebe es die Möglichkeit, Pakete in der Aral-Tankstelle abzugeben – oder nach Steinheim zu fahren. Die Gemeinde habe leider keinen Einfluss, in welchem Umfang die Post ihre Dienstleitungen anbietet. Seit der Privatisierung ist die Post keine Behörde mehr, hat aber – als ehemaliges Bundesunternehmen – noch immer einen Versorgungsauftrag und muss die Dienstleistungen des Unternehmens im ganzen Bundesgebiet anbieten.

Bartzsch setzt seine Hoffungen auf die Postdienstleistungsverordnung, die vorschreibt, dass in Gemeinden mit mehr als 2000 Einwohnern binnen dreier Monate nach der Schließung einer Postfiliale, eine neue Filiale zu eröffnen ist. Der LKZ-Leser jedenfalls schreibt: „Ich finde das schon ein Unding, dass wir unsere Postdinge nicht mehr im Ort regeln können.“

Autor: