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Freiluftgalerie
Kunstlese mit Lemberger im Glas

Einen Mann unter Druck zeigt Guido Messers Plastik „Die Presse“.
Einen Mann unter Druck zeigt Guido Messers Plastik „Die Presse“.
Ein Werk von Günther Zitzmann.
Ein Werk von Günther Zitzmann.
„Transformation“ von Otto Beer.
„Transformation“ von Otto Beer.
Riesenandrang bei Vernissage am Sonntag – Rundweg in den Weinbergen zeigt Vielfalt kreativen Schaffens

Murr. Die Kunst rief – und ganz viele waren gekommen. Seine Erwartungen seien übertroffen worden, meinte Murrs Bürgermeister Torsten Bartzsch angesichts des Andrangs zur Honatskelter, wo am Sonntag der Auftakt zur Kunstlese Murr gefeiert wurde. Mit Musik, einem Lemberger im Glas, einer kreativen Schau in zu Galerien umfunktionierten Wengerthäuschen sowie Skulpturen und Gemälden mitten in den Reben.

Es war ein schöner Sonntag, der nochmals einen Hauch von Sommer zurückbrachte und die Menschen nach draußen lockte. Ob mit dem Rad, mit dem Shuttle-Service der Feuerwehr oder zu Fuß von der Gemeindehalle aus, alle strömten zu einem Event, das begeisterte und inspirierte. Der Musikverein spielte swingend auf und hatte die Bewirtung übernommen, man stieß mit dem Roten aus gemeindeeigenen Lagen an und genoss die Atmosphäre in der Natur. „Hier können Sie die Vielfalt der Kunst kennenlernen“, sagte der Bürgermeister und würdigte den Einsatz der Initiatoren Otto Beer, Günther Lohfink und Manfred Blank bei der Realisierung eines Projekts, das Weinbau und Kunst auf faszinierende Weise verbindet.

Der für seine Flößer-Skulptur auf dem Kreisel bekannte Otto Beer hatte mehr als 20 Künstlerkolleginnen und -kollegen für das Vorhaben gewinnen können und Weinerlebnisführer Günther Lohfink sowie Hobbywinzer Manfred Blank lieferten den passenden Input zum Thema Wein und bieten auch während der Ausstellungszeit Führungen an.

Das Thema Kunst und Reben wurde mit viele Ideenreichtum kombiniert und als Installation in der Natur auf den Weg gebracht. Was den Bürgermeister vor allem freute: Dass auch die Lindenschule Murr mit einer besonderen Installation vertreten ist. Bunte bedruckte Blätter schmücken einen Baum. Und Bartzsch erwähnte auch die Unterstützung durch die Gemeinde sowie Sponsoren.

Der Kunstexperte Professor Dr. Helge Bathelt aus Herrenberg wies in seiner Einführungsrede auf das Spannungsfeld von Innen und Außen hin, das den Rundgang durch die Freiluftgalerie so interessant macht. Gemälde, die normalerweise in Galerien zu sehen sind, gehen eine Symbiose mit den Reben ein und Bühnenbilder setzen Kultur an einem ungewöhnlichen Ort in Szene. Alles hängt irgendwie zusammen, so die Botschaft der Kunstlese.

Auch das Universum spielt eine Rolle. So blicken liegende Gesichter aus zweimal gebrannten Ton zum Sternbild des kleinen Bären. Werke aus Weidengeflecht gibt es ebenso zu sehen wie in Stein gehauene Skulpturen, die sich filigran im Wind zu bewegen scheinen. Statt Treppen zu besteigen, blickt man ihnen ins Auge und die auf einer Bank sitzende Sonnenanbeterin mit den roten Lippen hat den Kopf kokett zurückgeworfen.

Bei einer anderen Figur befindet sich der Kopf in der Presse, es ist ein Mensch unter Druck, dem man dieses Ruhekissen aus Muschelkalk gleich nebenan wünscht. Aus gefundenen Holzteilen entstand eine die Landschaft weit überragender Koloss, und mit blauen Linien auf Stofffahnen geht es direkt himmelwärts. Schließlich gibt es in einem Wengerthäuschen auch noch Brot und Salz. Der übergroße Laib scheint für alle zu reichen. Auch für Geflüchtete, so die Botschaft.

Info: Der Rundweg der Kunstlese Murr kann noch bis 28. November entdeckt werden. An den nächsten Wochenenden bewirten jeweils von 11 bis 16 Uhr der SGV, der Tennisclub, der Handels- und Gewerbeverein und die Freiwillige Feuerwehr.