Logo

Modebranche

Lässige Bürohemden sind Trumpf

Bietigheimer Hemdenproduzent Olymp setzt auf Premiumgeschäft und legt beim Umsatz in schwierigem Marktumfeld zu

Will die Position auf dem Hemdenmarkt ausbauen: Olymp-Chef Mark Bezner.Foto: H. Wolschendorf
Will die Position auf dem Hemdenmarkt ausbauen: Olymp-Chef Mark Bezner. Foto: H. Wolschendorf

Bietigheim-Bissingen. Während der Wintersturm Benjamin Deutschland mit Sturmböen, Gewittern und massiven Schneefällen in den bayerischen Alpen überzieht, legen die Designer beim Bietigheimer Hemdenhersteller Olymp letzte Hand an die Herbst- und Winterkollektion 2019, die im Sommer ausgeliefert wird. Brexit hin oder her, die gehobene Signature-Kollektion von Olymp steht im Zeichen Schottlands: Die Highlands, wilde Moorlandschaften und alte Schlösser liefern dafür die Inspirationen. Moosige Grün-, Braun- und Blautöne, Paisley- und Distelmuster kennzeichnen sie.

Schwieriges Marktumfeld

Olymp hat im vergangenen Jahr in einem für die ganze deutsche Modeindustrie schwierigen Marktumfeld, das durch den Strukturwandel und den wachsenden Internethandel gekennzeichnet ist, von einem starken Premiumgeschäft mit der Signature-Linie profitiert. Und von den lockereren Dresscodes im Bürobereich. „Mit dem Smart-Business-Segment trägt Olymp dem Trend zu immer weniger strengen Kleiderordnungen in den Büros Rechnung“, sagte gestern Mark Bezner, Eigentümer und Geschäftsführer der Olymp Bezner KG. Die erst im Herbst gestartete Linie Level Five Smart Business konnte bereits eine steigende Nachfrage verbuchen. „Die Signature-Linie hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen.“ Bezner sieht sie in zwei bis drei Jahren bei einem zweistelligen Millionenumsatz. Doch nur 370 der 3000 Olymp-Kunden in über 40 Ländern erhalten das Premiumprodukt, davon 170 in Deutschland. Auch zu den jeweiligen Hemden passende Hosenträger und Fliegen finden sich im Sortiment. Sie gleichen die Einbrüche bei den Krawattenverkäufen aus, die in den vergangenen Jahren um jeweils 15 bis 20 Prozent zurückgegangen sind. „Trotz des Marktumfeldes ist es gelungen, unseren Umsatz um 3,1 Prozent auf 266 Millionen Euro zu steigern“, zeigte sich Bezner zufrieden. Allein in den letzten zehn Jahren konnte Olymp den Umsatz mehr als verdoppeln. Die Zahl der Mitarbeiter hat nochmals um 39 auf 890 zugelegt, 500 von ihnen arbeiten in Bietigheim.

Zufrieden zeigte sich Bezner auch mit der Entwicklung der für ihre Strickwaren bekannten Tochter Maerz, die ebenfalls ihren Umsatz steigern konnte – um 5,7 Prozent auf 29,9 Millionen Euro.

Während der Umsatz im Heimatmarkt Deutschland stabil blieb, legten die Exportmärkte unter dem Strich zu. 37 Prozent der Erlöse erzielt Olymp in anderen Ländern. „Auch in Deutschland stehen wir noch besser da als die Branche“, betonte Bezner mit dem Hinweis, dass der Markt 2018 um zwei Prozent zurückgegangen sei – vor allem wegen des sehr langen Sommers. Dadurch hätten die Leute weniger Lust gehabt, Herbst- und Wintermode zu kaufen. Die Händler bestellten weniger nach und mussten früh Rabatte gewähren. In den beiden Vorjahren war der Modemarkt bereits um jeweils zwei Prozent geschrumpft. Bezner machte deutlich, dass Olymp weiter „auf die traditionelle Stärke und Kompetenz des textilen Groß- und Einzelhandels setzt“. Auch das eigene Filialnetz will er stabil halten. „Wir sehen uns interessante Standorte an“, sagte Bezner, der mittelfristig mit niedrigeren Mietpreisen rechnet.

„Wir gehen optimistisch ins nicht einfacher werdende Jahr 2019“, hob der Olymp-Chef hervor. Aber: „Wir sind gut gewappnet.“ Zum Gewinn machte er keine Angaben. Man habe ein „sehr vernünftiges Ergebnis“ auf dem Niveau von 2017 erzielt. „Wir haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet“, betonte Bezner mit Blick auf die hohe Eigenkapitalquote von über 50 Prozent. Für ihn ist „organisches Wachstum“ Trumpf. „Wir werden unserer Fokussierung auf wenige Produkte treu bleiben“, betonte Bezner. Er ist sich zugleich sicher, dass Olymp seine Marktposition weiter ausbauen kann.

Autor: