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Notfälle
Landesweit beste Notfallbetreuung durch das DRK Münchingen

Stationen des Landeswettbewerbs der Bereitschaften: Egal, ob nach einem Kletterunfall oder einer Vergiftung, die ehrenamtlichen Rotkreuzler...
Stationen des Landeswettbewerbs der Bereitschaften: Egal, ob nach einem Kletterunfall oder einer Vergiftung, die ehrenamtlichen Rotkreuzler...
...müssen vollen Einsatz bringen, ob allein, zu zweit oder als Gruppe.
...müssen vollen Einsatz bringen, ob allein, zu zweit oder als Gruppe.
Die Landessieger bei der Übergabe des Preises durch DRK-Landesverantwortliche. Fotos: M. Fokken/privat
Die Landessieger bei der Übergabe des Preises durch DRK-Landesverantwortliche. Fotos: M. Fokken/privat
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Die Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes hat den Wettbewerb der Bereitschaften in Baden-Württemberg gewonnen. Ausruhen auf dem Titel können sich die Münchinger Retter aber nicht allzu lange.

Korntal-Münchingen/Neubulach. Auf dem T-Shirt des Mannes sind Blutflecken, daneben ein großer Riss mit sichtbaren Brandverletzungen darunter – Zeichen eines Grillunfalls. Einen anderen Mann hat es nicht viel besser getroffen, er ist beim Klettern abgestürzt und weist nun ein Wirbelsäulentrauma auf. Doch sie haben Glück – nicht nur, weil ihre Verletzungen lediglich aufgemalt oder simuliert sind. Sondern auch, weil sie im Ernstfall auf kompetente Hilfe hoffen können. Und das haben beim Landeswettbewerb der Bereitschaften des Deutschen Roten Kreuzes vor allem die Retter des Münchinger Ortsvereins unter Beweis gestellt: Sie erzielten nicht nur das beste Ergebnis insgesamt, sondern auch in der Bewertung für „menschliche Zuwendung“.

„An sich sind wir nur zum Spaß hingegangen“, sagt der stellvertretende Bereitschaftsleiter und Gruppenleiter Uwe Schlegel. Und das auch ganz entspannt. Denn schließlich war es für die Münchinger nicht die erste Teilnahme – sondern „nur“ der erste Seriensieg. 2019 hatte man ebenfalls schon gewonnen und wäre deshalb für die darauffolgenden beiden Jahre eigentlich gesperrt gewesen. Doch die Wettbewerbe fielen coronabedingt aus. Anfang Mai kam dann die Nachricht, dass es 2022 in Neubulach wieder einen Termin gibt und die Münchinger antreten dürfen.

Extra Übungsabende und Theorie

Kurz darauf habe man entschieden, mitzumachen und sich mit weiteren Terminen vorzubereiten, zusätzlich zu den regulären wöchentlichen Übungsabenden. Zudem nutzten die sechs Gruppenmitglieder den Online-Lerncampus des DRK, um für die zwei Theorieprüfungen in praktischem und allgemeinem Rotkreuzwissen gerüstet zu sein. Keine Vorbereitung möglich war hingegen für die „Spaßaufgabe“, die sich das THW ausgedacht hatte: Unter anderem musste mit einem Generator eine Tauchpumpe betrieben werden – eigentlich etwas für Brandbekämpfer. „Aber wir hatten Glück und ein Mitglied dabei, das auch bei der Feuerwehr ist“, so Schlegel.

Und auch bei den klassischen Aufgaben lief es rund für die Münchinger, die von 1203 möglichen Punkten 1084 schafften und die nach ihnen Platzierten mit maximal 966 deutlich hinter sich ließen. Ähnlich stark sah es bei der Bewertung für die „menschliche Zuwendung“ mit 131 von 140 Punkten aus – den vom DRK-Ehrenpräsidenten Dr. Lorenz Menz gestifteten Wanderpokal, den die Truppe am Morgen abgegeben hatte, konnte sie so gleich wieder mitnehmen.

Weniger Teilnehmer, aber nicht einfacher

Zwar gab es in diesem Jahr, mit sechs statt elf, weniger teilnehmende Gruppen, weil manche nach der Coronapause und nun wieder vermehrten Aufgaben bei Veranstaltungen oder krankheitsbedingt absagten. „Deshalb war es aber nicht unbedingt einfacher“, so Schlegel. Etwa die Betreuung nach dem Grillunfall, bei dem nicht nur eines der täuschend echt geschminkten Brandopfer versorgt, sondern eine weitere Person reanimiert werden musste – und das von nur vier Rettern, so die Vorgabe. „Das war schon herausfordernd.“ Am schwierigsten sei aber eine weitere der drei Gruppenaufgaben gewesen, so Schlegels Fazit. Dabei musste zum einen ein durch Kohlenmonoxid vergiftetes Kind reanimiert werden, und dafür benötige man immer mehr Personal und Material. Zudem galt es, die aufgelöste Mutter zu beruhigen, ebenso jenen Techniker zu betreuen, der einen Heizlüfter falsch betrieben hatte und deshalb schuld war. „Das war eine sehr laute Situation“, so Schlegel. Seine Aufgabe war es, seine Gruppenmitglieder entsprechend aufzuteilen, vor allem aber für ihre Sicherheit zu sorgen, schließlich war unklar, ob noch eine Gefahr bestehe. Doch auch das gelang dem Informatiker dank seiner Erfahrung – seit 2019 ist er stellvertretender Bereitschaftsleiter, nachdem er zuvor schon neun Jahre beim DRK aktiv war – und der guten Zusammenarbeit. „Manchmal reicht ein Blick“, sagt er.

Groß ausruhen auf ihrem Erfolg können sich die sechs Rotkreuzler aus Münchingen aber nicht. Denn neben ungeplanten Einsätzen (wie bei diesem Brand) sind sie auf jeden Fall Ende August beim Schäferlauf gefordert. Und Mitte September gilt es dann wohl wieder, Verbrennungen und Vergiftungen zu versorgen – diesmal als Vertreter Baden-Württembergs beim Bundeswettbewerb.