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Steile Weine
Landkreis Ludwigsburg: Ersatz für Steillagen-Trollinger gesucht

In den Weinbergen treiben jetzt die Reben aus, der neue Jahrgang wächst. Foto: Alfred Drossel
In den Weinbergen treiben jetzt die Reben aus, der neue Jahrgang wächst. Foto: Alfred Drossel
Die Bewirtschaftung der Steillagen ist arbeits- und kostenintensiv. Könnte durch den Anbau internationaler, neuer Sorten diese Art des Weinbaus wirtschaftlich attraktiv werden? Auch damit befasst sich das Projekt „Steile Weine“, das vor zwei Jahren an den Start ging. Eine Zwischenbilanz.

Besigheim/Lauffen. Für das Projekt stellen Winzer der Lauffener Weingärtner, der Felsengartenkellerei Besigheim und der Weingärtner Stromberg-Zabergäu Flächen zur Verfügung. Dr. Götz Reustle erzählt über den Stand der Dinge. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Felsengartenkellerei arbeitet aktiv an den „Steilen Weinen“ mit.

Durch das Projekt solle das Interesse am Weinbau in den Steillagen wieder gesteigert und der Erhalt der Württemberger Kulturlandschaft gewährleistet werden, erklärt Reustle. Um herauszufinden, welche Rebsorten für die terrassierten Steillagen in Württemberg geeignet wären, wurden 2019/20 Sortenversuche mit aus dem südeuropäischen Weinbau bekannten Rebsorten angelegt, ergänzt durch Neuzüchtungen mit erhöhter Pilzwiderstandsfähigkeit. Die bisherigen Erkenntnisse zeigten eine generelle Eignung für die Steillagen, allerdings auch deutlich unterschiedliche weinbauliche Anforderungen der Sorten, stellt Götz Reustle fest.

Reifezeitpunkt und Beerengesundheit

Um bei den starken Jahresschwankungen der Witterung zuverlässige Ergebnisse liefern zu können, müsste der Versuch allerdings noch deutlich länger laufen. Dennoch geht Reustle davon aus, dass 2022, wenn das Projekt endet, empfohlen werden kann, welche Sorten als Ersatzpflanzungen für den Steillagen-Trollinger geeignet sind. „Reifezeitpunkt, Beerengesundheit, Anfälligkeit gegen Kirschessigfliege und erhöhte Pilzwiderstandsfähigkeit werden hierbei wichtige Kriterien sein.“

Marktforschung sieht Potenzial

Die Marktforschung zeige, dass es ein Potenzial für ein eigenständiges authentisches Profil für Württemberger Weine aus Steillagen gebe. Laut Reustle ist die Akzeptanz für ein solches Konzept überregional ausgeprägt, so dass sich ein größerer

Absatzraum eröffnet als alleine in Württemberg.

Verantwortung für Erhalt der Kulturlandschaft

Unbenommen für den Erhalt der Steillagen bleibe weiterhin die Notwendigkeit einer politischen und gesellschaftlichen Unterstützung, fordert Götz Reustle. Mit der Etablierung eines gemeinsamen Vermarktungskonzepts für Weine aus Württemberger Steillagen unter Beteiligung von Genossenschaften und selbstvermarktenden Betrieben könne die Württemberger Weinbranche ihre Verantwortung für und ihr Interesse am Erhalt der Kulturlandschaft demonstrieren.

Dies gebe der Politik wichtige Argumente für die Bereitstellung von Förderprogrammen sowie die Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für die Bewirtschaftung terrassierter Steillagen.

Gemeinsame Initiative

Das Projekt „Steile Weine“ ist aus einer Initiative des ILEK-Programmes „Neckarschleifen“ entstanden. Die Weingärtnergenossenschaften Stromberg-Zabergäu, Lauffener Weingärtner und Felsengartenkellerei Besigheim, die selbstvermarktenden Betriebe Weingut Faschian und ExNicrum, das Landratsamt Ludwigsburg, die Hochschule Geisenheim und die LVWO Weinsberg haben den Antrag bei der Fördermaßnahme „Europäische Innovationspartnerschaft Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit“ gestellt und Fördermittel in Höhe von 470000 Euro erhalten.

Infonachmittag in der Felsengartenkellerei

Bei einer Informationsveranstaltung am Dienstag, 26. April, werden die bisherigen Projektaktivitäten und Ergebnisse präsentiert und zur Diskussion gestellt. Los geht es um 19Uhr in der Felsengartenkellerei Besigheim in Hessigheim. Der Vorsitzende des Projekts, Dietrich Rembold von den Lauffener Weingärtnern, zieht Bilanz. Über die Ergebnisse der Winzer-Befragung zum Thema Weinbau in Steillagen berichtet Professorin Simone Loose von der Hochschule Geisenheim. Erfahrungen aus den Sortenversuchen in Württemberger Steillagen schildert Dr. Jürgen Sturm von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg. Das neue Vermarktungskonzept für Weine aus Württemberger Steillagen stellt Dr. Martin Kern vor. Eine Anmeldung für die Veranstaltung ist erforderlich – per E-Mail an sarah.rode@felsengartenkellerei.de, Betreff „Steile Weine“, oder per Telefon unter (07143) 816017.