Logo

Pandemie

Landratsamt verschärft ab Donnerstag Coronaregeln

Jetzt zieht auch der Kreis Ludwigsburg Konsequenzen aus den weiter steigenden Infektionszahlen. Ab Donnerstag müssen Kontakte eingeschränkt werden, die Maskenpflicht wird ausgeweitet.

„Sehr harte Einschnitte“: Auf einer Pressekonferenz kündigt Landrat Dietmar Allgaier an, eine Allgemeinverfügung zu erlassen, die am Donnerstag in Kraft treten soll. Neben ihm die stellvertretende Gesundheitsamtsleiterin Ulrike Rangwich-Fellendorf. F
„Sehr harte Einschnitte“: Auf einer Pressekonferenz kündigt Landrat Dietmar Allgaier an, eine Allgemeinverfügung zu erlassen, die am Donnerstag in Kraft treten soll. Neben ihm die stellvertretende Gesundheitsamtsleiterin Ulrike Rangwich-Fellendorf. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Landrat Dietmar Allgaier erzählt am Dienstag noch einmal, wie das in Bergamo war, als er Mitte September seinen Antrittsbesuch in der norditalienischen Partnerstadt absolvierte und einen Kooperationsvertrag unterzeichnete. Wie er wenig später auf dem monumentalen Friedhof stand und über Gräberfelder blickte, auf denen die Menschen alle ein ähnliches Todesdatum hatten: Frühling 2020, als das Virus in der Lombardei wütete.

Im Landratsamt sagt Allgaier am Dienstag: „Die Lage ist ernst.“ Am Montag saß er noch rund zwei Stunden lang mit seinen 39 Oberbürgermeistern und Bürgermeistern zusammen. Das beherrschende Thema: Die rasant steigenden Infektionszahlen, die den Landkreis zum Corona-Hotspot werden lassen.

Darauf wird Allgaier nun reagieren – und eine Allgemeinverfügung erlassen, die ab Donnerstag in Kraft tritt. Der Inhalt: Einschränkungen des öffentlichen Lebens, wie sie in den vergangenen Tagen schon in ähnlicher Form in Stuttgart und Esslingen angeordnet worden sind. Auf vier Punkte geht der Landrat genauer ein.

Feiern sind in öffentlichen Räumen nur noch mit 25 Teilnehmern möglich, für private Feste liegt die Obergrenze bei zehn. Ausnahmen sollen nicht gemacht werden.

Maskenpflicht in der Öffentlichkeit. Sie tritt dort ein, wo Menschen nicht 1,50 Meter Abstand voneinander halten können – etwa auf Wochenmärkten, in Einkaufsstraßen in den Innenstädten oder in Warteschlangen. Auf Messen und Wochenmärkten gilt die Maskenpflicht generell. Kommunen haben die Möglichkeit, bestimmte Gebiete auszuweisen, wo die Maskenpflicht generell gilt - unabhängig, ob der Abstand eingehalten werden kann oder nicht.

Weiterführende Schulen. Hier spricht das Landratsamt lediglich eine Empfehlung aus, auch im Unterricht Schutzmasken zu tragen – anders als in Stuttgart, wo eine Verpflichtung besteht. Allerdings liegt es im Ermessen der Kommunen und der Schulleitungen, die Regeln zu verschärfen. Das hat die Erich-Bracher-Schule in Pattonville bereits am Montag getan. Sechs Klassen und sieben Lehrer der kaufmännischen Schule befinden sich derzeit in Quarantäne. Jetzt geht es darum, überhaupt noch Präsenzunterricht anbieten zu können.

Der Vorteil des Maskentragens im Unterricht: Bei einem positiven Test muss nicht die ganze Klasse in Quarantäne.

Sperrstunden und Alkoholverbote sind in der Allgemeinverfügung des Kreises nicht enthalten. „Wir wollen den Städten und Gemeinden aber die Möglichkeit bieten, eigene Regelungen zu treffen“, sagt Allgaier.

Dauer. Grundsätzlich gelten diese Einschränkungen des öffentlichen Lebens „bis auf weiteres“, wie die Leiterin des Fachbereichs Recht und Ordnung, Kristin Wagner, sagt. Erst wenn der Inzidenzwert an sieben Tagen hintereinander deutlich unter 50 liege, könne über Lockerungen nachgedacht werden.

Strafe. Der Landrat kündigt am Dienstag an, dass Verstöße gegen die neuen Coronaregeln mit Bußgeldern geahndet werden. Die Polizei und die Ortspolizeibehörden seien angewiesen, verstärkt zu kontrollieren. „Ich appelliere aber auch an die Vernunft der Menschen“, sagt Allgaier.

Darüber hinaus laufen Gespräche mit der Bundeswehr, die bei der Nachverfolgung von Infektionsketten unterstützen könnte. Die stellvertretende Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, Ulrike Rangwich-Fellendorf, beklagt, dass Infizierte nicht immer alle Kontaktpersonen ehrlich nennen würden. „Das ist ein Problem.“

Unterdessen zeigt sich laut Allgaier eine „diffuse Lage“. Sprich: Die Infektionen breiten sich im gesamten Landkreis aus. Als Schwerpunkte hat er Pflegeheime und Schulen ausgemacht. Im Demenzzentrum in Freudental sind jüngst zwei Bewohner gestorben (wir berichteten). An 37 Schulen im Kreis sind positive Coronafälle bei Schülern oder Lehrern bestätigt worden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kliniken wieder vermehrt Covid-19-Patienten aufnehmen und beatmen müssen. Von den jetzt verkündeten Einschränkungen erhofft sich Allgaier, dass sich das Infektionsgeschehen abschwächt. Die nächste Stufe müsste der Landkreis bei einem Inzidenzwert von 70 zünden.

Autor: