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Neuer Wohnraum

Landschaftsschutzgebiet wird verlegt

In Freudental soll ein neues Wohngebiet samt Lebensmittelmarkt entstehen – doch die dafür vorgesehene Fläche liegt in einem Landschaftsschutzgebiet. Um trotzdem bauen zu dürfen, muss der Status aufgehoben und an anderer Stelle ein neues Schutzgebiet ausgewiesen werden.

Ein Wohngebiet mit rund 50 Bauplätzen und ein Lebensmittelmarkt sollen am Ortseingang von Freudental entstehen. Das Areal ist bisher als Landschaftsschutzgebiet eingestuft, es befinden sich dort vor allem Ackerflächen. Foto: Ramona Theiss
Ein Wohngebiet mit rund 50 Bauplätzen und ein Lebensmittelmarkt sollen am Ortseingang von Freudental entstehen. Das Areal ist bisher als Landschaftsschutzgebiet eingestuft, es befinden sich dort vor allem Ackerflächen. Foto: Ramona Theiss

Freudental. Umgeben von Wald, Wiesen und Feldern, idyllisch gelegen am Rande des Strombergs – das ist Freudental. Natur und Naherholung sind zwei wichtige Punkte, die die Freudentaler zu schätzen wissen und mit denen sich die Gemeinde auch touristisch vermarktet. Doch die zahlreichen Natur- und Landschaftsschutzgebiete spielen auch bei aktuellen Bauprojekten im Ort eine wichtige Rolle. Das wurde am Mittwochabend im Gemeinderat deutlich.

Es geht um das geplante Neubaugebiet im Südosten von Freudental. Im Alleenfeld, direkt an der Bietigheimer Straße, will die Gemeinde eine fünf Hektar große Fläche bebauen – zirka 50 Bauplätze sind geplant. Außerdem will sich dort ein Discounter ansiedeln (wir berichteten mehrfach). Doch bis jetzt liegt dieses Areal vollständig innerhalb des Landschaftsschutzgebiets „Ausläufer des Strombergs um Bönnigheim, Erligheim, Freudental, Löchgau und Kleinsachsenheim“. Baugebiete sind dort eigentlich grundsätzlich verboten.

„Innerhalb des Geltungsbereichs befinden sich derzeit fast ausschließlich intensiv genutzte Äcker, lediglich am nördlichen Rand existieren Straßen und Wege, ein kleines Gehölz und straßenbegleitende Bäume“, beschreibt Bürgermeister Alexander Fleig die Situation. Um trotzdem dort bauen zu dürfen, muss das Landschafsschutzgebiet aufgehoben werden. Diesen Weg will die Gemeinde jetzt gehen und ist deshalb bereits im Gespräch mit der Naturschutzbehörde beim Landratsamt, die den Antrag genehmigen muss.

Eine Voraussetzung dafür ist, dass an anderer Stelle im Ort ein mindestens gleichwertiges Schutzgebiet ausgewiesen wird. Entsprechende Flächen hat die Gemeinde bereits gefunden. Die Suche danach war allerdings gar nicht so einfach, denn „Freudental ist bereits eng vom Landschaftsschutzgebiet umschlossen, so dass es hier nur wenige Tauschflächen gibt“, sagt Fleig. Doch man sei im Bereich Aussiedlerhof Stutenweg fündig geworden: Dort gebe es noch Freiflächen, die bisher nicht im Landschaftsschutzgebiet lägen und nun einbezogen werden könnten. Äcker, Grünland, Gehölzbestände, Gartengrundstücke mit Obstbäumen und ein Teil des Steinbachs liegen dort. Danach gebe es aber nur noch wenig Spielraum – „wir sind nun vom Landschaftsschutzgebiet umzingelt.“

Dem Landratsamt sei es wichtig gewesen, dass Freudental auf eigener Gemarkung adäquate Ausgleichsflächen findet, erläuterte der Bürgermeister. Zumal für die Änderung eines Schutzgebietes einige Vorgaben erfüllt sein müssen. „Wir mussten nachweisen und begründen, dass es keinen anderen geeigneten Standort für die Wohnbebauung und den Lebensmittelmarkt im Ort gibt“, sagte Fleig. Angeführt hatte er außerdem den Wunsch der Freudentaler nach einer wohnortnahen Versorgung sowie die hohe Nachfrage nach Baugrundstücken sowie Wohnungen im Landkreis Ludwigsburg. „Mit dem Neubaugebiet schafft die Gemeinde Wohnraum und bleibt attraktiv für junge Familien.“

Das Landratsamt steht dem Antrag offenbar durchaus positiv gegenüber – auch weil die jetzt gefundene Tauschfläche ökologisch deutlich wertvoller sei als das Areal für das neue Baugebiet, teilt Pressesprecher Markus Klohr auf Nachfrage unserer Zeitung mit. Zumal Freudental durch die vielen Natur-, Umwelt- und Tierschutzgebiete kaum noch Entwicklungsmöglichkeiten habe. „Hier versuchen wir, der Gemeinde entgegenzukommen“, betont Klohr. Der Tausch scheint daher für alle Beteiligten von Vorteil zu sein. Die Gemeinderäte votierten einstimmig für den Antrag, das Schutzgebiet zu ändern. Die Kosten dafür liegen bei rund 4600 Euro.

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