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Landwirtschaft: Saatkrähen fallen über Äcker her und verursachen dort Schäden

Wenn sich ein Krähenschwarm über einen Acker hermacht, entsteht schnell ein erheblicher finanzieller Schaden. Foto: Eberhard Spaeth/Stock.Adobe.com
Wenn sich ein Krähenschwarm über einen Acker hermacht, entsteht schnell ein erheblicher finanzieller Schaden. Foto: Eberhard Spaeth/Stock.Adobe.com
Sie wühlen im Ackerboden, fressen Keimlinge und verursachen auf landwirtschaftlichen Flächen immense Schäden. Raben- und Saatkrähen bereiten immer größere Probleme. Darauf weist der Landesbauernverband in seinem Schadensbericht 2021 hin. Einer, der ein Lied davon singen kann, ist Landwirt Andreas Abrell vom Schulbauernhof in Korntal-Münchingen.

Kreis Ludwigsburg. Wenn Landwirte in den Monaten April und Mai den Mais aussäen, bereiten sie den Krähen damit ein üppiges Mahl. Das bedeutet nicht, dass die schwarzen Vögel gleich in Scharen über alle Felder herfallen. Doch haben sie erst mal eines entdeckt, wird dort nach Herzenslust gespeist. „In vielen Regionen des Landes fallen Saat- und Rabenkrähen in Schwärmen mit einer Größe von bis zu 200 Vögeln auf die Äcker ein und fressen das frisch gesäte Saatgut auf“, teilt der Landesbauernverband Baden-Württemberg mit. Dabei ziehen sie die Saat und die Keimlinge großflächig aus dem Boden und verspeisen sie.

„Bei uns ist der Silomaisanbau das Hauptproblem – die Krähen lieben die Maiskörner“, sagt Andreas Abrell, der die Landwirtschaft des Schulbauernhofs Zukunftsfelder am Grünen Heiner in Korntal-Münchingen leitet. Einen Schwarm mit 40 bis 50 Krähen hat er zum Beispiel am Freitagvormittag auf einem Acker entdeckt. „Wenn man die Vögel nicht gleich verjagt, sind innerhalb von zehn Minuten 500 Pflanzen weg“, sagt Abrell. Seit etwa sechs bis sieben Jahren beobachtet er, dass immer mehr Krähen über die Äcker herfallen. Flächen in einer Größenordnung von sechs Hektar seien bei ihm dieses Jahr betroffen, vergangenes Jahr seien es acht Hektar gewesen, von denen er etwa die Hälfte wieder neu ausgesät hat. Der Schaden lag bei mehreren Hundert Euro. „Und dann weiß man nicht mal, ob die Vögel nochmals kommen“, sagt der Landwirt. Deshalb fahre im Betrieb immer wieder jemand Patrouille, um die Vögel mit Geschrei und Gebrüll zu verjagen.

Saatgut so tief wie möglich säen

Um den Schaden so gering wie möglich zu halten, hat Abrell eine besondere Taktik gewählt. So hat er das Saatgut nicht bereits Mitte April ausgebracht, sondern deutlich später. Denn: Gibt es genügend Wärme und Feuchtigkeit, wächst der Mais schneller. Somit ist die Zeit, in der die Krähen Schaden anrichten können, deutlich kürzer. Um den Appetit bei den Vögeln erst gar nicht aufkommen zu lassen und ihnen die Arbeit zu erschweren, versuchen die Landwirte zudem, das Saatgut so tief wie möglich auszusäen. „Das minimiert das Risiko“, sagt Florian Petschl, stellvertretender Vorsitzender des Bauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg. Sind die Krähen fündig geworden, ist Eile angesagt. „Dann muss man ganz schnell handeln und die Tiere vergrämen“, sagt der Landwirt aus Marbach. Dafür sei es immens wichtig, dass der zuständige Jagdpächter von Behördenseite innerhalb von zwölf bis 24 Stunden eine Freigabe für Vergrämungsabschüsse erhält. Das sei leider nicht immer der Fall. Doch die Vergrämung sei wichtig, damit die betroffenen Landwirte schnell nachsäen können, um den Schaden gering zu halten. Auch Andreas Abrell hat sich jetzt in der Hoffnung, schnell Hilfe zu erhalten, an den Kreisjagdverband gewandt.

Laut Florian Petschl trifft die Problematik um die Saatkrähe lediglich einzelne Betriebe. Dort betrage der Schaden dann aber schnell auch mal 25000 Euro pro Hektar. Insgesamt 166 Schäden an 24 Kulturarten wurden dem Landesbauernverband mitgeteilt. Über die Hälfte der Schadensmeldungen von 2021 betraf die Kulturart Mais. Auf dem Speisezettel der schwarzen Vögel stünden neben Sonderkulturen wie Obst und Gemüse auch Zuckerrüben, Sonnenblumen, Winterweizen und Sojabohnen.

Kaum wirksame Gegenmaßnahmen

Da die Vögel mit dem schwarzen Gefieder als sehr schlau gelten, gibt es auch kaum Möglichkeiten, sie nachhaltig zu vertreiben. Mit Vogelscheuchen und Reflektoren haben es Landwirte ebenso schon versucht wie mit Blinklichtern und Flatterbändern. „Das funktioniert nur für ein paar Tage, dann sind sie wieder da“, weiß Florian Petschl. Wirksamer sind Schreckschüsse, die allerdings bei der Bevölkerung auf Kritik stoßen. Ein effektives Mittel ist laut dem Marbacher Landwirt der Einsatz von Beizmitteln, da ihr Geschmack den Krähen buchstäblich den Appetit verdirbt. Allerdings sei das Beizmittel Mesurol nicht mehr zugelassen, die Alternative Korit sei weniger effektiv.

„Insgesamt haben die verursachten Schäden durch Saat- und Rabenkrähen längst ein nicht mehr tolerierbares Niveau erreicht, so dass eine effektive Bestandsregulierung zwingend erforderlich ist“, sagt Jürgen Maurer, Vorsitzender des Fachausschusses Pflanzliche Produktion im Landesbauernverband. Die Bestände der Saatkrähe und der Rabenkrähe würden dies rechtfertigen. Dazu müssten allerdings beide Arten zur Bejagung zugelassen werden.

Auch Landwirt Abrell, der als Obmann auch für die anderen Landwirte in Korntal spricht, sieht „leider keine andere Möglichkeit, als die Jungkrähenbestände in den Wintermonaten zu dezimieren“, und fordert von der Politik mehr unbürokratische Lösungen. Er findet es zudem „schade, dass es Leute gibt, die Krähen füttern“.